Annett Louisan
Shownotes
In der Hansestadt Havelberg in defr Altmark in Sachsen-Anhalt geboren, die Kindheit in Schönhausen bei den Großeltern an der Elbe verbracht, zieht die Mutter mit der 12jährigen Annett nach dem Mauerfall 1989 nach Hamburg. Nach dem Schulabschluss beginnt sie ein Malerei-Studium an der Kunsthochschule und hält sich als Backgroundsängerin und Studiomusikerin über Wasser, bis Musikproduzent Frank Ramond sie entdeckt und Texte auf den Leib schreibt. Mit dem Debütalbum "Bohème" gelingt Annett Louisan 2004 der Durchbruch, überall hört man in den Radios ihre Single "Das Spiel", die sie auf Anhieb zur erfolgreichsten Popsängerin in die Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz katapultierte und den ECHO als Künstlerin des Jahres bescheerte. Elf Studioalben, zwei Ehen, die Geburt ihrer Tochter Emmylou Rose, etliche Synchronrollen,sowie die Teilnahme bei "Sing meinen Song" und "The Masked Singer"und auch einen Bandscheibenvorfall und einen Image-Wandel später, hat Annett Louisan nun ihre eigene Plattenfirma, das "Atelier Louisan" gegründet und ihr neues aktuelles Album "Sehnsucht" herausgebracht. In der Hörbar spricht sie über ihre Lebensgeschichte von ihrer Kindheit in der DDR bis heute und gibt persönliche Einblicke untermalt der Musik ihres Lebens.
Playlist 11.10.26 Norah Jones & Dolly Parton - Creepin' in Solomon Burke - Cry to me Johnny Cash - Hurt Damien Rice - Chandelier Kraftklub - Halt's Maul und spiel Claudio Constantini - Reminiscencias Annett Louisan - Herz mit Gebrauchsspuren Danger Dan - Eine gute Nachricht
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00:00:03:
00:00:05: Ich habe in den letzten Jahren so eine Art Angststörung entwickelt und die sich ein bisschen in so hypochondrische Ängste... Umwandelt.
00:00:15: Das
00:00:15: ist auch ein Leben, ich gehe schon mal vor oder so heißt das?
00:00:17: Ich gehe
00:00:17: schon einmal voraus.
00:00:18: jetzt habe ich quasi für mich selbst geschrieben.
00:00:20: Also ich bin noch nie jemand gewesen der zum Arzt gegangen ist und jetzt kam das so geballt auf mich
00:00:26: zu
00:00:27: und deshalb musste ich mich damit befassen.
00:00:29: also ich ängste werden ja immer schlimmer wenn man sie nicht behandelt und man kann Ängste so gut behandeln dass das Schöne!
00:00:36: Und ich glaube jeder Mensch einmal im leben hat eine Panikattocke und ich glaube Ängsten kennen so viele Menschen.
00:00:42: wenn ich darüber spreche kriege ich so viel Feedback und so viel Rückmeldung.
00:00:47: Das hilft mir natürlich auch, dass wir nicht allein sein mit dem Thema.
00:01:00: Zu Gast hier bei mir im Studio ist heute und das freut mich sehr die Musikerin, die Sängerin Annette Luysan.
00:01:06: Herzlich willkommen!
00:01:07: Und du bist auch wirklich unsere wegen extra aus Hamburg gekommen?
00:01:10: Absolut, ich fahre danach gleich wieder zurück.
00:01:13: Das finde ich sehr schön.
00:01:17: Ich gehe nicht davon aus dass... Na ja wer weiß vielleicht sitzt jemand heute uns zu der auch vor neunzehn Jahren schon dabei war oder diejenige denn du warst Solange es ist, du warst hier schon mal zu Gast.
00:01:32: So lange gibt's uns schon!
00:01:33: Da waren wir aber im Studio, ne?
00:01:34: Ja
00:01:34: in einem anderen Studio, genau da waren wir glaube ich im Hauptstadtstudio oder in Barwelsberg und jetzt produzieren wir das ja bei mir in meinem Studio
00:01:42: Und... Ich kann mich an deine Stimme erinnern.
00:01:44: Die war damals schon so eindrücklich.
00:01:47: Das ist sehr nett.
00:01:48: Vielen Dank.
00:01:49: Ich weiß dass sich in deinem Leben seitdem eine Sache total verändert hat und eine überhaupt nicht.
00:01:57: Sag mal?
00:01:57: Ja,
00:01:58: neunzehn Jahre.
00:02:00: Also was sich nicht verändert hat... Du hast immer noch keinen Führerschein.
00:02:04: Das gibt es auch nicht, das gibt's doch nicht!
00:02:07: Wenn Leute sagen ich brauche es nicht und will es nicht ist ja die eine Sache.
00:02:11: aber du hast ja inzwischen über die Jahre den doch durchaus den Wunsch entwickelt einen zu besitzen.
00:02:17: Stimmt.
00:02:18: Spätestens seitdem ich Mutter geworden bin dachte hier und da schon dass es ganz vorteilhaft wäre ihn so haben weil das nervt manchmal ein bisschen.
00:02:25: Das sind so neun oder zehn Jahre
00:02:26: her?
00:02:27: Ja
00:02:27: genau neun.
00:02:29: Und jetzt... Aber ich hatte immer nie Zeit immer kam irgendwas dazwischen, ein paar Ängste auch die sich so eingeschlichten haben was natürlich quatsch ist.
00:02:38: aber irgendwie glaube ich wenn man ihn mit achtzehnten macht dann macht man das so nebenbei.
00:02:43: Ich
00:02:43: würde gerne mal wissen es kommen immer wieder Statistiken raus dass zum Beispiel der Alkohol-Konsum Total zurückgegangen ist, also dass diese ganzen Unternehmer gerade schwimmen und überlegen wie können sie das substituieren durch was für fancy Drinks?
00:02:59: Und was für Fancy Dosen und Designs und so.
00:03:02: Ich würde gerne mal wissen ob das auch für Führerscheine gilt weil ja heutzutage längst nicht mehr jede und jeder ein Auto hat.
00:03:09: Das war früher nicht so aber es war auf jeden Fall so ein erklärter Wunsch.
00:03:12: Das ist so mit achtzehn Führer schein.
00:03:15: ich sparfe im auto ich arbeite ich jobbe bis ich mir selbst eins kaufen kann.
00:03:19: Das würde mich auch interessieren.
00:03:21: Wir waren ja noch eine totale Hedonisten, wir sind in dieser Welt aufgewachsen, dass das vollkommen okay ist und toll ist.
00:03:28: Ich glaube die jüngeren Generationen sind viel idealistischer und leben ganz anders, fangen ganz anders an ihr Leben zu starten.
00:03:36: Interessant, dass du es Idealistischer nennst?
00:03:40: Ja, die Dynistische wahrscheinlich hast du sogar recht.
00:03:44: Also bei mir hat sich meine Einstellung dazu auch verändert mit den Jahren.
00:03:48: aber als ich so achtzehn war da habe ich gedacht irgendwie in Urlaub fliegen und nach New York und Jetset und meine Vorstellungen von meinem Leben war total hedonistisch.
00:04:02: Ich glaube die Menschen verreisen heute auch noch Flugschaben hin oder her, vielleicht sind die Vorstellungen andere geworden.
00:04:09: Vielleicht denkt man nicht mehr so weit?
00:04:11: Oder es gibt andere Träume das weiß ich nicht genau.
00:04:14: Es hat sich ja auch verändert was Besitz und dieses ganze Besitztum angeht.
00:04:19: Früher hattest du nicht die Chance Mit einer App zu gucken, ob an der nächsten Ecke vielleicht ein Auto steht, dass du dir kurz mal von der Fotoschule mietest um zur Party zu fahren.
00:04:29: Sondern du hast dich vielleicht mit Freunden und Freundinnen zusammengetanen und hast dir einen Taxi gestellt oder auf dem Rückweg... Oder ich meine, ein Mietwagen hat man sich wenn überhaupt mal im Urlaub genommen und du nicht mal das?
00:04:42: Aber als Beifahrerin!
00:04:43: Und heute kannst du all diese Dinge, du kannst all die Dinge mieten.
00:04:47: Du musst sie nicht mehr besitzen.
00:04:48: Das ist ein großer Unterschied.
00:04:50: Auch Fahrräder
00:04:51: Absolut, absolut.
00:04:52: Ja mit idealistischer habe ich glaube auch gemeint dass junge Leute wahrscheinlich heute eine andere Vorstellung von ihrer Zukunft haben vielleicht auch sogar keine oder Angst davor haben und Ich hab das Gefühl die hinterfragen mehr fangen früher an sich zu arbeiten.
00:05:09: also was so Therapie angeht und das fällt mir zumindest positiv auf
00:05:17: Gut, wie kam er darauf?
00:05:18: Über den Führerschein.
00:05:19: Ach so genau!
00:05:21: Glaubst du, du wirst ihn noch?
00:05:23: Ich meine, dieses Jahr, im Jahr ist es im Jahr und muss man sagen ich habe zwei Alben sind rausgekommen und du bist auf Tour demnächst und du hast so viel um die Ohren.
00:05:32: also in diesem Jahr wird's keinesfalls mehr noch was.
00:05:35: Ich glaube auch nicht.
00:05:37: Vielleicht
00:05:38: nächstes Jahr?
00:05:39: Ja, du.
00:05:40: Ulamineke hat mir mal als sie, dass sie ihn mit fifty-sech gemacht hat und dann schön durch Berlin cruised mit ihm auf den neuen Auto.
00:05:47: Man kann das ja auch... Es gibt ja auch so Kombi gab's jedenfalls früher, denn gibt es heute auch noch so Kombiangebote, dass man das im Urlaub macht weißt Du?
00:05:55: Dass man irgendwo hinfüllt und dann so drei Wochen ganz komprimiert
00:05:59: Das wäre was für mich.
00:06:00: Na
00:06:00: guck schon haben wir eine Lösung gefunden.
00:06:02: Also diese Sache hat sich jedenfalls nicht geändert in den letzten neunzehn Jahren.
00:06:06: aber Ich habe mal geguckt, ob ich die alten Unterlagen von damals noch habe.
00:06:11: Da hab' ich mal kurz reingeguckt und da steht das Zitat schläft spät ein und morgens gerne
00:06:18: lange.".
00:06:18: Und das hat sich verändert?
00:06:19: Ja, das stimmt.
00:06:20: Spätestens seit du Mutter geworden bist oder vielleicht auch schon vorher?
00:06:24: Nein in dieser Zeit glaube ich kam diese Veränderung.
00:06:29: Also es ist verrückt!
00:06:30: Nehmen noch ganz andere Sachen wahr dass ich sehr viel mehr Sehnsucht nach Natur dass ich das Gefühl habe, ich halte mich auch gar nicht mehr so artgerecht.
00:06:42: Ich dachte, ich brauche die Stadt!
00:06:43: Ich brauche das Anonyme, das Drama und es geht alles weg.
00:06:46: Ich bin zu sehr auf der Suche nach Frieden und Ruhe tiefe Gesprächen bei Menschen.
00:06:54: Es verändert sich gerade alles, es ist ein großer Prozess aber ja und ich will nicht mehr so sehr im Schattenleben.
00:07:01: Ich merke auch dass ich morgens viel besser drauf bin und das ich meinen Schlaf brauche.
00:07:06: Ich muss da nicht mehr in der Nacht so rumknusseln.
00:07:09: Ist im Schadenleben synonym für die Nacht?
00:07:11: Für dich?
00:07:12: Ja!
00:07:16: Dieser Sonnenaufgang und der Tag, er macht was anderes mit mir.
00:07:20: Ich hab die Nacht früher geliebt!
00:07:22: Und heute schlafe ich in der Nacht wirklich.
00:07:24: Es sei dann... Mir geht's nicht gut wenn ich grübeln.
00:07:27: Ja?
00:07:28: Hat denn das grübellen?
00:07:29: Daran erinnere ich mich, wenn ich mich auch zugegebenermaßen ansonsten sehr wenig erinnert von unserem Gespräch aber dass du jemand, dass du dich selbst bezichtigt hast als jemand, der viel zerdenkt, viel grübelt hat sich Da ein bisschen was zu deinen Gunsten verschoben.
00:07:46: Ja, ich kann da heute besser auf mich aufpassen und ich versuche das abzuwenden weil ich auch merke dass es mir überhaupt nicht gut tut und auch nichts bringt.
00:07:55: also das war eher so einen Qualitätsmerkmal früher dass man denkt wenn man so viel denkt und etwas zerdängt dann ist das was Gutes ist und das sehe ich heute nicht mehr so.
00:08:07: Weißt du ja oft wäre sehr destruktiv ist.
00:08:11: Also das ist ja, was man dann vielleicht auch... Ich weiß nicht, bist du Melancholikerin?
00:08:17: Das geht oft so ein bisschen Hand in Hand wenn ich das so beobachte.
00:08:20: Na' ich hab heute meine Gefühle und mein Verstand besser im Einklang.
00:08:26: also das heißt ich werde nicht mehr so sehr von meinen Gefühlen geleitet.
00:08:30: oder lasst mich nicht mehr verleiten.
00:08:33: Ich kann die irgendwie besser beobachten und auch nicht mehr so ernst nehmen.
00:08:37: Das finde ich total gut, also eine Emotion auseinandernehmen zu können.
00:08:41: Es ist eine Superkraft zu wissen dass eine Emotion aus Gefühlen, aus körperlichen Befindlichkeiten und Gedanken besteht.
00:08:49: Und wenn man sich fragt zum Beispiel warum es geht mir schlecht?
00:08:51: Tut mir irgendwas weh... habe ich vielleicht irgendwelche Gedanken, die mich da hinführen.
00:08:56: Und das hilft mir irgendwie, das so auseinanderzunehmen und mich immer wieder an einen Platz zu bringen wo es mir gut geht.
00:09:05: Ich möchte dass was mir gutgeht!
00:09:06: Wenn's mir gutgeht dann kann nicht kreativ sein.
00:09:09: auch das hab' ich... festgestellt.
00:09:11: Ich kann nicht sonderlich kreativ sein und viel schaffen, wenn es mir nicht gut
00:09:14: geht.".
00:09:15: Auch interessant weil da ja auch viele Kolleginnen und Kollegen also gerade genau das Anderssehen und das Schöpferische aus dem Leiden, aus dem Darben, aus der Schwere vielleicht ziehen mag jetzt auch ein Klischee sein aber es ist ja auch von Mensch zu Menschen bisschen verschieden Und insofern ist es ja nichts besser als wenn man für sich entdeckt.
00:09:35: Vielleicht würde ich sagen, dass es vielleicht so ein Anfang sein könnte.
00:09:39: Also so einen Loslaufen.
00:09:40: Irgendwas ist nicht gut, irgendwas fehlt mir, seine Sehnsucht was da ist und dann lauf' ich los und suche danach und schaue das... Ja?
00:09:48: Das
00:09:49: war schon wieder Sehensucht.
00:09:50: man könnte meinen, dass dein neues Album so heißt.
00:09:53: Puh!
00:09:53: Ist ja so.
00:09:55: aber darauf kommen wir etwas später zu sprechen.
00:09:57: Wir starten mit einem Song den ich über alles liebe.
00:09:59: als ich sah, dass du dem mitgebracht hast, war ich happy noch glücklicher als eh schon Nora Jones und Dolly Parton, die ja leider vor einiger Zeit gestorben ist.
00:10:09: Die haben sich zu einem Duett getroffen.
00:10:12: Creepin' In heißt es – ich höre das regelmäßig!
00:10:16: Und warum hast du's mitgebracht?
00:10:18: Wie kommt es in seine Liste?
00:10:19: Na erst mal sind es zwei Künstlerinnen, die mich beeinflusst haben als Sängerin und Künstlerin.
00:10:25: Zwei Stimmen, die einzigartig sind... Und ich finde das ist gar nicht so viele Duette gibt, die sich so gut tun.
00:10:34: Also ich kenne nicht so vieler!
00:10:36: Du meinst dass sich die jeweiligen Sängerin-Sänger was wegnehmen gegenseitig oder was es ist?
00:10:43: Manchmal habe ich das Gefühl, da hat sich jemand in einer Plattenfirma ausgedacht
00:10:50: So eine Gabel, die dann so konstruiert wurde.
00:10:53: Die nicht organisch ist?
00:10:55: Ja genau!
00:10:57: Aber bei diesem Lied irgendwie ist es perfekt.
00:11:00: Da freut man sich auf die zweite Strophe, man freut sich aber auch über die Stimme von Nora Jones.
00:11:04: und ja also ich fühle mich da irgendwie verwandt und ich finde das ein ganz tolles Lied.
00:11:09: Man merkt es dem Song an dass er mit Spaß gemacht wurde und wenn man das nicht während des Songs spürt dann am Ende weil ich glaube sie gehen... man hört so einen Lachen ganz zum Schluss noch, das ist noch drin.
00:11:20: Wundervoll!
00:11:45: Annette Louisan ist zu Gast in der Hörbarus.
00:11:52: Sehnsucht heißt dein neues Album, aber damit will ich jetzt auch noch gar nicht inhaltlich da reingehen.
00:11:58: Aber ich würde gerne wissen was du mit diesem Begriff verbindest weil ich damit gar nichts anfangen kann.
00:12:06: Ich finde das ein großes Wort und da passt so viel rein.
00:12:10: Und am Anfang, also ich habe mich selbst mal für einen sehnsuchtsvollen Menschen gehalten.
00:12:16: was auch immer das ist eine treibende Kraft.
00:12:18: mittlerweile weiß ich dass es so ne Art Motor ist der mich loslaufen lässt.
00:12:26: aber so Sehnsuchs-Lieder, Sehmsuchtsmusik, das ist etwas ganz Bestimmtes, ein Gefühl was Musik in einem auslösen kann.
00:12:33: Das war meine erste Idee Dass ich Musik an Sohnsuchtorten schreibe Und, dass das irgendwas mit Reisen zu tun hat.
00:12:42: Mit Bewegung, Träumen, Wünschen, unartfüllten Wünschen und ja... Das war so meine erste Intention.
00:12:50: Ja Sehnsucht hat sich für mich oft verändert weil wenn man dann dem auf den Grund geht, dann entdeckt man auch einiges an sich selbst.
00:12:59: Zum Beispiel was hast du entdeckt an dir selbst?
00:13:04: Dass sich meine Sehnsucht auf jeden Fall in den letzten Jahren verändert hat.
00:13:10: Und dass es eigentlich gar nicht die Sehensucht war, nach der ich gesucht habe sondern eher... eine Freiheit und eine Unabhängigkeit.
00:13:18: Also ich hab immer bei Sehnsucht angefangen, bin bei Freiheit gelandet auf ne... Ich kann es gar nicht anders erklären.
00:13:22: Vielleicht ist das ja eine
00:13:23: Sehensucht nach Freiheit gewesen?
00:13:24: So könnte ich es verstehen!
00:13:26: Und das war auch wirklich... Ich fürchte, dass hat ein bisschen despektierlich geklungen.
00:13:30: Das sollte es keinesfalls sein weil ich weiß, dass ich komischerweise mit Begriffen wie Sehmsucht und Romantik zum Beispiel... Das ist für mich.. Ich fühle das nicht.
00:13:38: Ich fühles andere Sachen und Sehansucht hat für mich damit zu tun Nicht hier und jetzt zu sein, um es ganz blöd zu sagen.
00:13:48: Weil eigentlich will man ja woanders hin?
00:13:50: Und ist denn Sehnsucht das Gegenkonzept zur Nostalgie weil die Nostalgie so zurückgeht und die Sehensucht nach vorne?
00:13:58: würdest du das sagen?
00:13:58: oder kann man sich auch nach etwas zurücksehen?
00:14:03: Das kann man auch.
00:14:03: für mich ist Sehmsucht nichts Negatives mehr.
00:14:06: Also für mich...
00:14:07: Nein!
00:14:07: Für den meisten Menschen ist es positiv besetzt würde ich auch sagen
00:14:13: Es kommt darauf an.
00:14:13: Verrückterweise bin ich auch viel nüchterner, als sich das von mir selbst geglaubt habe auf der Suche nach der Sehnsucht.
00:14:20: also Ich weiß...ich kann das fühlen was du da eben gesagt hast.
00:14:25: Also dass dieses Unerfüllte dieses haben wollen und wenn man es dann hat gar nicht mehr wollen
00:14:32: Das ist die Frage manchmal.
00:14:35: Ich bin auch ein bisschen neidisch auf Menschen die diese sehnsicht haben weil dass ja auch zum Beispiel auf der Zwischenmenschlichen Ebene für viele bedeutet, nicht komplett zu sein.
00:14:46: Ich halte das nicht für ein gutes Beziehungskonzept – das möchte ich gleich voranstellen -, aber dass sich so viele Menschen nicht komplett fühlen und sich nach ihrer anderen Hälfte sehnen um sich zu komplettieren nochmal.
00:14:58: Ich glaube es ist verhängnisvoll, aber das ist ja von nach wie vor ganz viele Menschen was wichtiges.
00:15:05: Dadurch, wie du eben schon gesagt hast ein Motor Sehnsucht treibt an und treibt dich dann möglicherweise an Strände.
00:15:12: An denen du eigentlich gar nicht ankommen wolltest.
00:15:14: aber vielleicht entdeckst du da was, was neu für dich ist und dich inspiriert?
00:15:19: So würde ich das sehen!
00:15:20: Aber es gibt auch schon Dinge nach denen ich Sehensucht habe die man nie so ganz erreichen kann.
00:15:24: zum Beispiel ich hab immer irgendwie eine Sehansucht nach Sicherheit Und die kann ich mir gar nicht erfüllen, weil die gibt es nicht eine komplette Sicherheit.
00:15:32: Und trotzdem habe ich diese Sehnsucht.
00:15:34: Total!
00:15:35: Ich hab auch immer diese Seahnsucht nach Freiheit und manchmal ist das ganz schön schwer, eine Freiheit zu ertragen.
00:15:40: Es ist so ambivalent.
00:15:42: Vor allem die beiden sind ja tatsächlich totale Antagonisten wenn man so will.
00:15:47: Willst du die Sicherheit oder willst du die Freiheit?
00:15:51: Wenn ich jetzt sage wir wollen beides... Ist das hier auch nicht ganz richtig, wenn ich sage wir als Gesellschaft denn Wir stellen ja gerade fest, dass nicht nur in Deutschland aber leider auch in Deutschland die Freiheit so pö-a-pö abgewählt wird.
00:16:06: Also das wir feststellen auf jeden Fall weltweit gesehen, dass Autorität wieder, dass so Basta Leute wieder an den Tisch kommen, die mit der Faust auf den Tisch lagen und sagen wir machen es jetzt so und so.
00:16:20: Und das andere ist Quatsch, das brauchen wir nicht.
00:16:22: also die Errungenschaften der Demokratie Vielseitigkeit, die Vielfalt und so weiter.
00:16:30: Die müssen wir weiterhin beschützen, sagen das mal so.
00:16:33: Denn diese Sehnsucht auch in gewisser Weise unfrei zu sein, das würde niemand so sagen.
00:16:38: Niemand würde sagen ich sehe nämlich danach unfrei zu sein aber... Ich glaube viele Menschen sind überfordert von der eigenen Verantwortlichkeit, die damit einhergeht.
00:16:46: Absolut richtig!
00:16:47: Zum Beispiel auch die Sehnsucht nach der Vergangenheit, die ja auch trügerisch ist und vielleicht auch
00:16:53: idealisiert wird.
00:16:55: Und der Wunsch ist ja total menschlich weil ich glaube je älter man wird desto mehr seht man sich auch ein bisschen nach seiner Kindheit und Jugend und verklärt ihn natürlich auch in Erinnerung dann es gut geworden ist.
00:17:08: also ich zum Beispiel Wenn ich Bilder aus den Achtzigern sehe, dann kriege ich sofort so... Wohlige Gefühle, so ein heiler Weltsgefühl.
00:17:16: Obwohl meine Welt in den Achtingern gar nicht heil war.
00:17:19: Das waren eine DDR-Kindheit und ...
00:17:22: Kann trotzdem ne sehr schöne Kindheit gewesen sein?
00:17:25: Ja.
00:17:25: Kann aber auch ne Schöne Kindheit oder ne nicht so schöne Kindzeit gewesen sein mit n paar Blessuren
00:17:30: usw.,
00:17:30: ne?
00:17:31: Und die wurde halt eben von Diktatoren und Autokraten genutzt.
00:17:35: diese Vergangenheit.
00:17:36: Eine Vergangenkeit gezeichnet, die es so nicht gibt und nie gegeben hat.
00:17:40: Das ist sehr gefährlich!
00:17:42: Okay, dann spielen wir doch jetzt einfach ein Lied das schon so'n bisschen in diese Richtung geht.
00:17:48: Also dir es so'nn bisschen einleitet wenn man so will cry to me Salomon Burke.
00:17:54: Jetzt kein typischer DDR Interpret Warum hast du ihn mitgebracht?
00:18:01: Also ich erinnere mich dass der Soundtrack von Dirty Dancing für mich enorm Aufschlussreich und wichtig war.
00:18:10: Ich habe da die ersten Soul-Lieder entdeckt, also den Film auch in so einem Kulturhaus gesehen damals noch zu einer kleinen Stadt Und das war Wahnsinn dieses Gefühl!
00:18:21: Ich muss mal kurz nochmal gucken deinen Jahrgang, siebenundsiebzig Das heißt das war dann auch wahrscheinlich, warst du so zehn elf genau?
00:18:29: Das heißt es war dann Ich weiß nicht, wäre das ein typischer Film gewesen der einfach so im Kulturhaus läuft?
00:18:35: oder konnte man da schon sagen.
00:18:37: Da lockert sich was, da hat sich etwas geöffnet?
00:18:40: Na also höchstwahrscheinlich war das so dass solche Filme dann auch gezeigt hat obwohl als ich sechs war haben wir IT gesehen.
00:18:47: aber den konnten wir auch nur sehen weil er so ein bisschen systemfeindlich war Amerika kritisch und Und ansonsten bin ich mit französischen Filmen aufgewachsen, weil die wurden im DDR-Fernsehen gezeigt.
00:18:58: Das stimmt aber eigentlich nicht!
00:18:59: Ich hab auch Westfernsehen gesehen also... ...ich habe alles gesehen, die ganzen alten Hollywoodfilme.
00:19:03: Aber eben nicht im Kino.
00:19:05: das war mein zweiter Kinofilm überhaupt, Dirty Dancing und ich erinnere mich eben an diese Musik und war fasziniert und habe das viel später erst wieder hören können.
00:19:15: Also, einmal gehört und hab mich an dieses Lied erinnern.
00:19:17: Wie
00:19:18: später hören kann?
00:19:18: Weil du ...
00:19:20: Kannst zugerüst sein
00:19:21: oder was?
00:19:22: Das
00:19:22: ist ja wirklich so!
00:19:24: Wenn ich mir überlege wie sich das verändert hat dass man heute ein Lied hört Man kann es schassam, man kann sofort kaufen, hören, streamen Und manchmal hat man damals Jahre auf einen Lied gewartet weil man nicht wusste was für ein Liet ist.
00:19:38: Das ist wiederum wieder romantisch.
00:19:40: Das ist romantischer, da muss ich für die Dauer dieses Liedes drüber nachdenken.
00:20:16: So jetzt gehe ich so ein bisschen in die Falle, in der ich mich eigentlich unwohl fühle weil auch keine Nostalgikerin bin.
00:20:22: aber wenn du sagst das ist romantisch dass man es heute Nee, du meinst es wahrscheinlich andersrum.
00:20:28: Du meinst das nicht romantisch dass man jetzt sofort ein Song kriegen und hören kann sondern... Das andere?
00:20:33: Das andere, das darauf warten, ja okay.
00:20:36: Denn ich fand diese, das hätte ich fast Sehnsucht gesagt, vielleicht bin ich doch in Verbindung mit Musik war ich das früher auf jeden Fall weil wie du sagst Es gab so Songs die heute man das war nicht so selbstverständlich Und es ging darum, dass man seine eigenen Lieder Irgendwie kuratieren musste.
00:20:54: Manche konnte man sich kaufen, manche konnte tauschen usw.
00:20:57: Auf jeden Fall haben die Songs eine extrem hohe Aufmerksamkeit bekommen weil es nicht so beliebig viele gab.
00:21:04: Wenn du heute eintauchst mit bestimmten Systemen Musikbezahlsysteme dann bist du mitten im Ozean Dann kannst du dir gar nicht vorstellen was daran reizvoll sein sollte um so ein Tag zu laufen Weil Du kannst alles sofort haben
00:21:21: Ja, und dann hörst du ein Lied, welches du toll findest.
00:21:24: Und dann werden dir gleich hundert andere vorgeschlagen?
00:21:26: Ist das schlecht oder ist es gut?
00:21:27: Ich weiß es nicht!
00:21:29: Es ist ein bisschen von beidem,
00:21:30: oder?!
00:21:33: Da ist sie wieder diese fiese Ambivalenz, dass man... Das ist so schwer.
00:21:37: fällt die eine Sache sich irgendwie so einen Weg zurechtzufinden weil ja natürlich hat das auch Vorteile.
00:21:44: dadurch werden auch Sachen entdeckt.
00:21:45: also vielleicht hätte ich mir das früher gewünscht, vielleicht ist so ein Algorithmus auch einfach nur die datengewordene Version eines älteren Bruders.
00:21:54: Damals waren es die älteringe Brüder, die einen auf Songs gebracht haben.
00:21:57: Meine Freundin Susanne hat eine ältere Schwester, die das erledigt hat.
00:22:01: Ja aber das würde ich auch so unterschreiben was du sagst also... Ich finde es auch so schön dass man das Leben auch so betrachtet, dass man versucht immer das Gute zu finden in Weiterentwicklungen.
00:22:15: Das ist so progressiv, das liegt mir sehr nah.
00:22:17: Ich weiß nicht, ob du da... vor der richtigen Person sitzt, wenn du mich dafür lobst, weil ich das eben nicht immer tue.
00:22:24: Also ich bin der künstlichen Intelligenz gegenüber nur in bestimmten Bereichen aufgeschlossen also was Medizin angeht, was bestimmte technische Sachen angeht.
00:22:33: ansonsten ist es finde ich absurd der Menschheit beim eigenen bei der eigenen Demontage zuzuschauen.
00:22:40: Absolutes!
00:22:40: Das sehe ich auch so aber ich hatte eben das Gefühl dass du schon versuchst genau versuchtest irgendwie...
00:22:47: Na ja weißt du?
00:22:48: Bei der Musik Habe ich gemerkt, das ist so meine große Liebe deine ja auch.
00:22:53: Und es ist ein riesen Geschenk mit Musik so viel anfangen zu können und sie so sehr als treibende Kraft und als große Liebe.
00:23:04: auch zu spüren war das für mich natürlich eine unglaublich schöne Sache, dass sich das so ein bisschen öffnete.
00:23:12: Also ich bin heute noch jemand der einzelne Songs kauft.
00:23:14: Ich bin glaube die letzte in diesem Bezahlmodell von einer großen amerikanischen Firma wo ich auch manchmal denke warum eigentlich?
00:23:21: und ich bin weißt du das vielleicht noch dazu?
00:23:24: Und ich bin irgendwie auch happy, dass ich diese wie soll ich es denn mal nennen?
00:23:30: Es hat mir ein gewisses Grundgerüst gegeben bestimmte Songs und bestimmte Interpretinnen und Interpreten zu kennen.
00:23:37: Und sie einordnen zu können, bevor es dann irgendwann in den, in den zweitausender Jahren nur noch so Musikprojekte gab und ich das alles nicht mehr so verfolgt habe.
00:23:45: aber Ich hab sowas in mir Das kann ich abrufen wie so'n kleines Archiv.
00:23:48: Dann fällt es mir ein und da bin ich ganz happy Hast du noch CDs?
00:23:54: Ja Aber ich benutze Sie, ich höre sie nicht mehr.
00:23:57: Musik ist unsichtbar geworden.
00:24:00: Ja, ja,
00:24:00: aber ich höhe Platten Wirklich?
00:24:02: Mein Platten-Spieler läuft
00:24:04: Aber du hast eine Altbauwohnung, du hast Holzböden.
00:24:06: Ja
00:24:06: ich hab ein altes Haus
00:24:09: sogar!
00:24:09: Da springt der Saphir oder?
00:24:12: Nee da ist es im Erdgeschoss und das klingt super auch einen ganz alter Plattenspieler alte Boxen.
00:24:18: noch sind die Platte aus den Siebtigen klingen dann original.
00:24:23: Wie viel haste was denkst Du?
00:24:25: also?
00:24:25: wir haben zusammengelegt mein Mann und ich.
00:24:28: Wir mögen das sein bestimmt fünfhundert Ja, aber...
00:24:32: Und sind die richtig alphabetisch?
00:24:34: oder sind sie nach Genre geordnet?
00:24:38: Genre.
00:24:40: Bis auch dass wir unsere Tochter immer beibringen das sie diese Platten nicht ueinander bringt.
00:24:44: Okay weil sie hat auch Bock platten zu haben findet sie gut.
00:24:47: Sie
00:24:47: hat auch einen eigenen kleinen platten Spieler.
00:24:50: Also wir sind jetzt schon.
00:24:54: Wir sind eigentlich schon, eigentlich wollte ich ja Salomon Burke als kleine Rutsche in den Beginn deines Lebens nehmen.
00:25:01: Aber jetzt rutschen wir irgendwie anders und nehmen erst mal Johnny Cash und Hurt von diesem legendären letzten Album.
00:25:09: Es ist glaube ich das letzte gewesen.
00:25:11: Man hörte das auch schon, dass ein alter auch glaube ich schon kranker Mann war.
00:25:17: Warum hast du dieses Lied ausgesucht?
00:25:20: Naja, weil das Lied sehr bekannt ist und man es nicht zu Johnny Cash packen würde.
00:25:28: Aber was für mich interessantes und wichtiges zeigt, dass wenn ein ganz toller Interpret ein Lied singt, dann macht er's auf seine eigene Art und Weise und ich finde, das ist so plakativ bei diesem Lied!
00:26:04: Anna-Louisanne ist heute hier zu Gast, die Sängerin und Musikerin Labelschaffeln.
00:26:09: Herzlichen Glückwunsch!
00:26:10: Atelier Louisan, dein elfes Album ist jetzt erschienen auf seinem eigenen Label.
00:26:18: Ich mache jetzt diesen Bogen nur weil wir haben gerade über Johnny Cash gesprochen und über Cover.
00:26:23: Auch du hast zwei Coveralben gemacht, ne?
00:26:25: Also jetzt neuen Studioalben und zwei Cover-Alben.
00:26:30: Und ich kenne die Cover Alben gar nicht.
00:26:32: Würdest Du sagen dass Du versucht hast, die eben auch möglichst unterschiedlich... Manchmal nehmen einem Leute das ja übel wenn man ganz bestimmte Lieder zu sehr zu seinen eigenen Songs macht.
00:26:44: oder hattest Du den Mut genau das zu tun?
00:26:46: Ich hatte den mutgenau das zu tun!
00:26:48: Ich glaube ich wollte mich dahin mitnehmen in eine andere Welt.
00:26:54: Also für mich hat das als Sängerin total gut getan, mich auszuprobieren an anderen Sprache und in einem anderen Repertoire auch Hits zu singen.
00:27:04: Das ist ein bisschen wie Kohler trinken!
00:27:06: Und interessant war dass irgendwie alles dann am Ende immer nach Annette Louisan geklungen hat.
00:27:12: also ich konnte fast gar nichts dagegen tun.
00:27:14: Ich finde das interessant, in welchen Stellen.
00:27:16: ich habe mir ein paar Interviews durchgelesen und angehört.
00:27:19: Also wenn du mit einer dritten Person von dir sprichst was sind das für Momente?
00:27:24: Es kommt mir immer so
00:27:25: komisch vor!
00:27:26: Ja es gibt Künstlerinnen die gerne in Rollen schlüpfen und diesen Abstand brauchen auch zu dieser Kunstfigur.
00:27:36: Anette Louisanne ist eine Kunstfigure für mich und irgendwie tut mir das gut.
00:27:39: natürlich... Da steckt ja ganz viel von mir drin, aber ich bin nicht Annette Louisan.
00:27:46: Wer bist du denn?
00:27:48: Ich bin Annette und das ist glaube ich ein Teil von mir, aber dieser Abstand tut mir ganz gut
00:27:55: auch
00:27:57: über diese Welt, über diese Bühnenwelt, über dieses Song-Welt... Ich schlüpfe jetzt zum Beispiel in Songs auch in verschiedene Charaktere.
00:28:06: Ich besinge ganz viele Frauen, ganz viele unterschiedliche Menschen und das ist natürlich auch total wichtig für mich.
00:28:15: Das inspiriert mich immer nur aus von meinem eigenen Leben.
00:28:19: singen würde mir das nicht ausreichen.
00:28:21: also ich finde es spannend.
00:28:23: Ich glaube David Bowie ist auch in Rollen geschlüpft
00:28:26: ja der ja nun ganz bestimmt
00:28:27: richtig.
00:28:27: aber dass ich glaube das ist unterschiedlich das würde ich so beschreiben
00:28:33: Da sich die meisten von uns das wahrscheinlich schlecht vorstellen können, wie das ist.
00:28:37: Hat das auch was damit zu tun dass Louisanne ein wenn auch sehr persönlich gewählter aber eben selbstgewählte Künstlername ist?
00:28:49: Das leitet sich von deiner Großmutter Luise glaube ich ab ne?
00:28:52: Ja
00:28:53: vom Namen genau.
00:28:55: Also hilft das, wenn du über Annette Louisan sprichst Weiß das ist, also das is so dein alter Ego aber eben nicht zu hundert Prozent du.
00:29:05: Also mittlerweile steht Louisanne auch meinem Pass weil es sehr viel einfacher ist weil viele mich dann immer unter Louisan buchen und wie gesagt gehört schon sehr zu mir.
00:29:17: Ich glaube damals fand ich das toll einfach einen Künstlernamen mehr auszusuchen Und ich hatte auch das Gefühl dass man auch alles werden kann, was man sein möchte.
00:29:29: Und dass man im Laufe der Zeit eigentlich zu dem wird, der man ist und darum geht es im Leben auch.
00:29:36: Dass man sich erfinden kann.
00:29:39: Erklär mir das auch mal bitte.
00:29:41: Was, dass man sich erfinden kann?
00:29:42: Das heißt ja immer jemand erfindet sich neu Man nimmt sich doch überall hin mit
00:29:47: Ja das stimmt aber man hat ja auch tausend Möglichkeiten Sich zu entscheiden.
00:29:51: man kann sich ja jeden tag neu entscheiden ob man gut oder böse sein will Ob man das oder das macht.
00:29:58: Das hat man nicht immer in der Hand.
00:29:59: manchmal passieren Dinge auch einfach so.
00:30:01: Aber ich habe schon auch das Gefühl Dass ich das ein bisschen entscheiden kann wer ich sein möchte und eben Zum Teil.
00:30:09: Also dass es auch eine Entscheidung ist, die Liebe eine Entscheidung isst, bestimmte Dinge im Leben Entscheidungen sind.
00:30:16: Okay... Die man ja aber sich jetzt mal wegen für das Gute zu entscheiden oder sich für die Verantwortung zu entscheiden, oder sich gegen etwas zu entscheiden was einem das Leben vielleicht schwer gemacht hat.
00:30:28: Das kann man ja nicht so oft Knopfdruck machen, das ist ja schon auch ne Entwicklung.
00:30:33: Deswegen Noch mal ganz kurz diese Frage, wenn du sagst dass man sich neu erfinden kann.
00:30:38: Gerade auch als Künstler oder Künstlerin ist das so spielerisch gemeint?
00:30:45: Oder hat es schon ein gewissen Ernst und eine gewisse Beständigkeit?
00:30:50: Ja natürlich!
00:30:51: Also dazu muss ich sagen... Wahrscheinlich auch keine gute Schauspielerin bin, weil man mir oft vieles ansieht auf der Bühne.
00:30:59: Das macht mir das manchmal einfacher.
00:31:01: Ist das
00:31:01: gut oder ist es schlecht?
00:31:02: Na ja, das ist gut und schlecht!
00:31:04: Manchmal fühle ich mich nackt.
00:31:05: deswegen, weil ich nicht wollte dass die Leute sehen, dass sich aufgeregt bin.
00:31:09: aber auf der anderen Seite macht es mir einfach, dass ich Liedergut transportieren kann und Gefühle und Geschichten, die ich erzähle.
00:31:16: Ich sehe mich selbst als Geschichtenerzählerin also immer kleine Filmchen
00:31:22: Hm, verstehe.
00:31:23: Szenen
00:31:23: und da hilft es wenn Menschen meine Emotionen fühlen können und sehen können.
00:31:29: Du hast über die Zeit deiner Schwangerschaft als du da eine Tour gemacht hast mal gesagt dass dir das gut getan hat weil da konntest du singen und musstes nicht performen weil das aus irgendwelchen Gründen für dich sich nicht richtig anfühlte.
00:31:43: oder vielleicht war's auch einfach schon zu schwer weil dein Körper schon diesen menschen in sich trug.
00:31:47: ich weiß es nicht
00:31:50: Ja, da hatte ich eine gewisse Ruhe und musste nicht mehr so am Bühnenrand hin und her tigern.
00:31:57: Und konnte mich auf Singen konzentrieren.
00:32:00: Das habe ich mitgenommen auch aus dieser Zeit, aus dieser Tour diese Ruhe- und Selbstbewusstsein dass das reicht ein Lied zu singen.
00:32:11: Ich glaube, dass es... ich wiederhole mich jetzt für viele von uns ganz schwierig ist sich hineinzuversetzen in jemandem der als ... als Person und auch vor allem als Einzelkünstlerin in dem Fall.
00:32:24: So eine Marke ist, also wenn man sich jetzt überlegt dass das einfach... Das es jetzt zwanzig Jahre her ist.
00:32:29: Du hast gesungen.
00:32:31: wir kommen gleich nochmal genauer auf deine Biografie aber du bist... Der Anfang hat schon mal ziemlich gut geklappt.
00:32:37: Du hasst das Demoteb glaube ich in die richtigen Hände gegeben.
00:32:41: Das haben sich die richtigen Leute angehört und du hattest verhältnismäßig schnellen Vertrag, ist das richtig?
00:32:46: Ja.
00:32:47: Und dann kam...das war auch gleich das erste Album von Bohemme, ne?
00:32:49: Ja, es ging einfach wirklich wahnsinnig
00:32:52: schnell über Nacht!
00:32:53: Da war das Spiel drauf.
00:32:56: Und dieses Spiel war nun auch symbolhaft für das was da erstmal passierte.
00:33:00: Was auch mit deinem Image.
00:33:05: Waschstraße.
00:33:06: Da konntest du nicht rechts oder links abbiegen, sondern diese Schienen waren erst mal gelegt und das lief ja auch super!
00:33:12: Ich glaub zweimal Platin... Du warst eine Marke?
00:33:14: Du hast ne Nische besetzt die es in Deutschland so nicht gab.
00:33:18: Die Franzosen kennen das eher oder kannten das eher.
00:33:21: Das hatte sowas Lolita-haftes Vanessa Paradien, die Richtungsgabs auch immer schon Und plötzlich warst du da.
00:33:27: Hast du das genießen können?
00:33:29: Damals, oh ich glaube nicht Ich bin schon ganz schön durchgelaufen Das genießen.
00:33:35: dazu ermahne ich mich heute, dass sich das Tour zwischendurch.
00:33:41: Und als ich eben sowas sagte wie gucke mal, zwanzig Jahre später und jetzt sind wir beide noch hier... ...das ist ja nicht selbstverständlich!
00:33:49: Ich versuche mir vorzustellen, wie schafft man es?
00:33:53: Wie schaffst du's in dem
00:33:55: Fall?!
00:33:57: diese Marke zu bleiben, also das zu bleiben erfolgreich zu bleiben.
00:34:01: Du hast Fans die du mit Sicherheit von früher mitgenommen hast, die an deiner Seite geblieben sind es in Neuen zugekommen.
00:34:10: Da ist ja immer auch eine gewisse Erwartung.
00:34:12: Ja das stimmt
00:34:12: dass da ein Gewisser und jetzt sage ich ein ganz blödes Wortes gibt Markenkern.
00:34:19: Die wollen nicht, dass du plötzlich anfängst Englisch zu singen oder oder crazy zwölf Ton zu machen oder was weiß ich.
00:34:27: Wie schaffst du da was neues reinzubringen und den Leuten aber trotzdem das Vertraute weiterhin zu geben?
00:34:33: Ja da mussten sie immer durch.
00:34:35: Ich habe das ja trotzdem immer gemacht.
00:34:38: Also ich glaube ich hab versucht mir treu zu bleiben irgendwann mich von Menschen zu trennen, von denen ich geglaubt habe dass sie mir nicht gut tun und mich nicht gut behandeln.
00:34:52: Beruflich und privat.
00:34:53: Ja aber auch gerade beruflich.
00:34:54: also das ist glaube ich der Hauptgrund warum ich mittlerweile mein eigenes Label hab mir meinen Team selbst zusammensuche um mich wohlzufühlen um das immer noch hundertprozentig mit Liebe machen zu können.
00:35:09: Und eben auch sage Risiko, ich nehme jetzt mal eine Coverplatte auf.
00:35:15: Ist mir egal ob euch das gefällt aber ich brauche es als Sängerin!
00:35:18: Ich möchte mich ausprobieren.
00:35:19: Ich habe Annette Luysan und ich habe dieses eine Leben.
00:35:23: Ich möchte wissen wie sich das anfühlt auf Englisch zu singen.
00:35:29: Und was wenn es mehrere Leben gibt?
00:35:32: Ja auch das ist möglich.
00:35:35: Was wäre eins dass du dir selbst zusammenstellen würdest.
00:35:40: Was wäre ein alternatives Leben zu deinem?
00:35:44: Also, das ist mir übrigens total wichtig zu wissen, dass wenn ich keine Musik mehr machen könnte... ...dass dann für mich die Welt nicht untergeht und zusammenbricht!
00:35:54: Und dass das nun der Sinn meines Lebens ist.
00:35:56: Das nicht für mich der Sinne meines Lebens.
00:35:58: Ich liebe Musik immer schon.
00:36:00: Ich wollte immer Sängerin werden.
00:36:01: Das singen macht was ganz Schönes mit mir.
00:36:03: Das bindet mich so an und macht, dass ich mich nicht allein fühle.
00:36:10: Aber es gibt noch ganz viele andere tolle Aufgaben.
00:36:14: Ich würde gerne nochmal studieren, vielleicht... Was
00:36:16: würdest du studieren?
00:36:17: Psychologie, Philosophie und ich könnte mir auch vorstellen, andere Dinge zu machen, Fotografie.
00:36:27: Fotografiesto machst du das auch?
00:36:28: Also machst du dass für dich?
00:36:29: Ja!
00:36:30: Ich arbeite gern, ich liebe Filme zu machen und die mit Musik zu hinterlegen bastelt schon gerne.
00:36:39: Ich bastle unheimlich gerne, ich tue gerne was mit meinen Fingern malen... Ich habe ja mal eine Zeit lang Malerei studiert.
00:36:45: also das sind Dinge die mir schon gut tun.
00:36:48: aber ich kann mir einiges vorstellen.
00:36:52: Okay!
00:36:52: Ich glaube früher war das hatte das was mit Kindern auch glaube ich zu tun?
00:36:59: Mit Erzieherin sowas in der Art.
00:37:02: erinnerst du dich daran dass es da mal so einen Wunsch
00:37:04: gab?
00:37:04: Ja wirklich kann ich mich nicht mehr
00:37:06: erinnern.
00:37:09: So verändern wir uns.
00:37:10: Ich könnte mir ja neulich mal eine Dokumentation über so einen normalen Volk irgendwo abgelegen, auch das könnte ich mir vorstellen ein ganz anderes Leben zu führen abseits dieser Gesellschaft.
00:37:24: Kommst du klar ohne Handy?
00:37:27: Versuche ich in meinem Urlaub erstaunlich gut nach zwei Tagen vergessen.
00:37:33: Ach guck mal!
00:37:35: Und gibt es dann jemanden, der so für den Notfall checkt, der dir dann Bescheid sagen würde?
00:37:39: Oder kannst du's dann wirklich loslassen?
00:37:41: und das war's.
00:37:44: Ich könnte dann schon loslassen ja.
00:37:45: Es kommt aber selten vor dass das irgendwie möglich ist für eine ganze Zeit.
00:37:48: Ja.
00:37:51: Du bist am zweiten April neunzehn siebenundsiebzig in Altmark Dorf Schönhausen zur Welt gekommen.
00:37:58: oder gibt es keinen Krankenhaus?
00:38:00: oder doch?
00:38:00: Nein, in Havelberg.
00:38:02: In Havelberg.
00:38:03: Bin
00:38:03: ich geboren im Krankenhaus und den schönen Hausen an der Elbe bin ich aufgewachsen.
00:38:07: Zweitehundert Einwohner gab es zumindest damals.
00:38:12: Altmark wird auch als die Wiege Brandenburgs bezeichnet gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands habe ich gelesen.
00:38:22: Und du bist auch bei deinen Großeltern in der Altmark aufgewachsen.
00:38:26: Bedeutet das, dass du da sehr häufig warst oder dass du immer dort warst?
00:38:31: Meine Mutter war sehr jung als sie mich bekommen hat, zwanzig-einundzwanzig und allein erziehend... und hatte gerade ihre Lederer abgeschlossen, hat auf eine Wohnung gewartet.
00:38:43: Deshalb haben wir in den ersten drei Jahren zusammen bei meinen Großeltern noch gelebt.
00:38:47: Und dann haben wir diesen niegelnagelneuen Plattenbau diese Zwei-Zimmerwohnung bekommen und dann sind wir umgezogen aber eigentlich auch nur ne Straße weiter.
00:38:56: also es waren kleinen Dorfen.
00:38:57: das war nicht weit weg.
00:38:59: ich habe sehr viel Zeit beim Großeldern verbracht.
00:39:04: Was gehört zu deinen ersten Erinnerungen, wenn du wie durch so ein Dea-Projektor guckst?
00:39:09: Was für'n Bild kommt da hoch.
00:39:12: Na ja schon das Haus meiner Großeltern... Ich sehe meinen Großvater der auch vierzig Gänse hatte!
00:39:20: Weiß ich sehe ihn irgendwie mit diesen vierzig gänsen zum Teich gehen oder zum kleinen Waldweg entlang und das ist ein Bild was sich nie vergessen werde.
00:39:30: Also hat er die geschlachtet?
00:39:31: Hat er die Verkauf?
00:39:32: der
00:39:33: Ja, da hat mehrere Jobs man damals machen müssen.
00:39:37: Auch meine Mutter hatte auch mal irgendwie ein Spargel-Feld.
00:39:40: Da sind wir morgens vor der Schule noch dort hin und sie hätte dann den Sparge gesteckt und ich habe ein bisschen gespielt mit meinen Puppen.
00:39:46: Hatte dein Großvater nicht auch diese Gab oder war das sein Urgroßvater?
00:39:51: Der Urgroßenvater von der weißt du!
00:39:54: So eine Heiler oder auf jeden Fall er wusste glaube gar nicht so richtig...
00:40:00: Was
00:40:01: damit anzufangen, war.
00:40:02: es muss da gewesen sein.
00:40:03: Ja also verrückterweise hat mir meine Mutter das ja spät erzählt von ein paar Jahren erst und so viel konnte sie mir auch nicht erzählen.
00:40:11: aber sie hatte erzählt dass mein Großvater diese Gabe nicht annehmen wollte weil er eines einen tot gestorben ist der grausam war.
00:40:20: mehr weiß ich nicht.
00:40:21: und halt warte
00:40:22: mal wie ist ein tot?
00:40:25: Also meinen großvater war wohl ein heiler Man nannte sie damals Hüter und zu dem die Dorfbewohner gegangen sind, wenn sie so kleine Wunden hatten oder Sachen besprochen haben.
00:40:37: Und dann hat mein Großvater das auch gesehen weil dann halt Menschen ins Haus gekommen sind.
00:40:45: er wollte aber diese Gabe nicht ... annehmen.
00:40:48: Dein
00:40:49: Großvater von seinem Vater, oder wie?
00:40:51: Genau!
00:40:52: Das
00:40:52: ist nur etwas was man weitergehen kann... Ach so!
00:40:54: Aha okay!
00:40:55: Aber mehr weiß ich eigentlich wirklich nicht darüber weil meine Mutter konnte mir auch nicht mehr sagen.
00:41:00: Okay
00:41:01: Es ist interessant dass man sich dann doch so wenig erzählt hat.
00:41:05: zumindest in meiner Familie fängt das eigentlich jetzt erst an.
00:41:09: Dass man über Dinge spricht die früher passiert.
00:41:12: Wahrscheinlich
00:41:12: ist das in vielen Familien so und Man nimmt dann auch Rücksicht auf bestimmte Personen und stellt fest, vielleicht wäre es besser gewesen.
00:41:21: Man hätte sich vorsichtig angenehret und darüber gesprochen weil irgendwann gibt es diese Person nicht mehr oder es gibt die Erinnerung nicht mehr?
00:41:28: Richtig!
00:41:30: So Damian Rice hören wir jetzt mit Chandler
00:41:34: Das Lied.
00:41:35: das berührt mich schon auf eine Art, weil ich das Gefühl schon kenne von früher noch von Touren Tournähen in denen wir Alkohol getrunken haben und dieses Gefühl am Morgen danach.
00:41:51: Also irgendwie ist es auf jeden Fall ein sehr berührendes Lied.
00:42:25: Uhr am Sonntag auf Radio einzuhören und wann immer sie möchten als Podcast bei Sounds.
00:42:31: Diese App sollten Sie sich runterladen, da finden Sie zahlreiche sehr, sehr interessante Projekte und Podcasts können Sie sich kostenfrei herunterladen und alles anhören.
00:42:44: Dein Großvater mit den vierzig Gänsen von dem weiß ich noch was anderes.
00:42:49: das finde ich eine schöne Geschichte.
00:42:50: also er hat Erst mal eine nicht so schöne Geschichte.
00:42:53: Er ist in Kriegsgefangenschaft noch gewesen, bei den Amerikanern für
00:42:58: sieben
00:42:59: Jahre und er ist auch gestorben als du elf warst.
00:43:04: also viel Zeit hat er dir nicht zusammen aber er hat zumindest dir etwas weitergegeben nämlich diese künstlerische Gabe.
00:43:13: er hat diese Miniaturen hergestellt.
00:43:17: er hat gezeichnet.
00:43:18: was hat der gemacht?
00:43:21: mit Öl und Acryl gezeichnet.
00:43:24: Damals wusste ich das noch nicht, aber es waren Gemälde von bekannten Malern wie Caspar David Friedrich und vielleicht von kleinen Postkarten die er abgezeichnet hat.
00:43:35: Genau!
00:43:35: Ich wollte auf was anderes hinaus?
00:43:37: Auf diese Stagniolpapiere, diese Kleinen...
00:43:40: Ah natürlich klar!
00:43:41: Das sind die Zeichnungen, die er aus seiner Gefangenschaft mitgebracht hat.
00:43:44: Auf so Zigarettenpapier hat er mit Bleistift oder Kohle Hunde gezeichnet, Tiere und die fand ich sehr schön.
00:43:51: Da habe ich ein paar noch zu Hause also konnte akribisch fein zeichnen.
00:43:55: Das hat er mir auch beigebracht und das habe ich so ein bisschen von ihm gelernt, dass sie die Liebe dazu und die Geduld und Ruhe.
00:44:04: Wie gehst du mit diesen haptischen Erinnerungen um?
00:44:06: wo landen?
00:44:07: Wo sind Postkarten gelandet, die man dir vor vormundzwanzig Jahren geschrieben hat?
00:44:12: Ich hab so eine kleine Kiste da sind meine kleinen Schätze drin und ich habe einen im Badezimmer noch so ein kleines Fensterbrett wo auch kleine Figurchen stehen und die man so zusammengesammelt hat, Bilder von meinen Großeltern.
00:44:28: Aber es ist gar nicht so viel aber die sind wirklich sehr wichtig.
00:44:31: also ich könnte wirklich einen Koffer packen mit meinen wichtigsten Sachen.
00:44:35: Das ist interessant weil du als du nach Hamburg gezogen bist du warst sehr jung.
00:44:40: Du hast dann da angefangen Kunst zu studieren.
00:44:44: Ich weiß nicht ob das ein Studium war oder was auch immer aber mit siebzehn glaube ich schon siebzen achtzehn hattest deine erste eigene Wohnung Mit drei und zwanzig Quadratmetern.
00:44:53: Zweiundzwanzig sogar!
00:44:55: Da passt
00:44:55: so gut wie gar nichts rein, also das ist... Hat es so ein Hochbett?
00:45:00: Nein, aber ein Sofa das ich ausziehen konnte.
00:45:02: Ja, das ist ja gut.
00:45:05: Hast du diese Wohnung noch vor deinem inneren Auge?
00:45:07: Ich habe da auch noch als Annett Luysan.
00:45:09: Da ist hier wieder die dritte Person gelebt zwei drei Jahre und als ich da meinen Koffer geöffnet hab war auch nichts mehr übrig von dieser Wohnung.
00:45:18: Aber ich habe da gern gelebt.
00:45:20: es war so eine kleine Höhle Und man hatte seine Techniken wie man damit zurechtkommt seine Sachen verstaut und man konnte halt nicht so viel sammeln.
00:45:28: Das ist genau das.
00:45:29: Es ist dieser Widerspruch, den die meisten von uns kennen.
00:45:33: Diese Sehnsucht nach einem Gewissen... Wenn es nicht Minimalismus ist, dann ist es zumindest ein Überblick.
00:45:41: Die meisten von unseren Besitzern fehlen zu viel.
00:45:43: Und es ist natürlich toll!
00:45:45: Weil das Leben erleichtert wenn man Utensilien für alle möglichen Situation hat und täglich seine Klamotten wechselt usw.
00:45:53: und verschiedene Parfons.
00:45:55: Hast du nicht gesehen?
00:45:56: Aber letztendlich ... Es ist ja auch, beschwert es ja auch aus.
00:45:59: Ist ja auch Ballast und diese Situation deswegen glaube ich auch so ein bisschen.
00:46:04: nicht nur deswegen aber deswegen auch der Trend zum Tiny House und so warum das für viele so reizvoll ist hat natürlich was mit Wohnraumknappheit zu tun usw.
00:46:12: Ich will jetzt gar nicht romantisieren Aber für viele auch mit dem Gedanken nur sehr wenig zu besitzen nämlich etwas dass das ganze Leben nur in einen Koffer passt.
00:46:21: Deswegen fühle ich mich jetzt dran erinnert das das zu sagen weil du das eben formuliert hast könntest dein ganzes Leben die wichtigen Sachen in einen Koffer packen?
00:46:29: Ja, alles andere bräuchte ich nicht.
00:46:31: Das ist irgendwie auch ein schönes Gefühl dass man ja nicht so vielen Dingen hängt und sie selbst irgendwie tragen könnte.
00:46:37: also ich mag diese Vorstellung Ich übe das auch regelmäßig in Urlauben nun ganz kleinen Koffermitt zu nehmen auch wenn man wochenlang unterwegs ist.
00:46:46: es funktioniert man braucht wirklich nicht mehr als ich.
00:46:49: was brauchst du auf jeden Fall?
00:46:52: naja also so ein paar Cremes und so ein paar Dinge.
00:46:56: Pflege!
00:46:58: Das ist das Gemein von mir, dass ich dich darauf jetzt festen hagele.
00:47:01: Aber wir wollen ja auch von dir lernen.
00:47:03: Annette Louisanne zuzuhören heißt von der Annette-Louisanne Lern.
00:47:07: Eigentlich ist es eine ganz egoistische Frage denn ich weiß, dass immer viel zu viel mitschleppe.
00:47:11: Ich denke dann immer, es ist wenig?
00:47:12: Es liegt aber nur daran, dass wirklich so viel unterwegs bin!
00:47:15: Ich habe keine Lust mehr stundenlang Koffer zu packen.
00:47:19: Ich finde das mittlerweile so hilfreich nicht so viel zu brauchen und zu wissen.
00:47:24: Was brauche ich für die Bühne?
00:47:28: Bist du
00:47:29: so eine strategische Packerin, dass du schon weißt okay diese Jeans hier ist bequem genug das ich sie auf der Reise trage.
00:47:36: aber die kann ich auch für das Interview und ja
00:47:39: richtig perfekt die Outfits durch geplant.
00:47:43: So
00:47:43: geht es ja genau daran.
00:47:45: schalte dann glaube ich die meisten von uns und dann denkt man Ja, vielleicht ist es noch warm.
00:47:49: Aber vielleicht, das ist auch schon kalt.
00:47:51: Vielleicht regnet es... aber das braune jetzt mit dem schwarzen... Ich weiß nicht genau.
00:47:57: Schuhe sind so eine Sache, aber du schaffst das!
00:47:58: Ich werde mir nochmal genau von dir erklären
00:48:00: lassen.".
00:48:01: Ich glaube da haben sich auch schon früher Leute gewundert dass ich mit so wenig auskomme.
00:48:06: Ich erinnere mich an meinen alten Plattenfirmen-Boss der
00:48:09: auch
00:48:09: immer total erstaunt war mit wie wenig Gepäck ich reise.
00:48:12: und ne, da bin ich ganz uneitel ehrlich gesagt.
00:48:16: Hast Du mal so'n Schip gemacht, bevor du Mutter wurdest.
00:48:21: Weil mit einem Kind ist es ja noch mal was anderes und da muss man ja irgendwie auch versorgen und hat man sicherlich nochmal eine andere Art von Verantwortung.
00:48:28: aber hast du mal so etwas gemacht?
00:48:30: So weiss ich nicht sechs Wochen Marokko alleine?
00:48:33: Nee
00:48:34: leider nicht.
00:48:35: Nein.
00:48:37: Leider nicht steht aber dafür dass da eine gewisse Sehnsucht ist?
00:48:41: Ach das ist Wort wieder!
00:48:42: Ja ich könnte mir das vorstellen.
00:48:43: Ich habe im letzten Jahr eine Ayurveda-Kur gemacht in Indien.
00:48:48: Das stand irgendwie auf meiner Liste, das hat mich interessiert.
00:48:51: Die Heilkunst und ich hatte ein bisschen was darüber gelesen und es hat mir gut getan.
00:48:56: Weil die Reise nach Indien auch viel mit mir gemacht hat also in Indien zu sein, die Menschen dort kennenzulernen Und es hat mich auch belastet zum Teil die Amur zu sehen und diese Auswirkungen des Kolonialismus, Hinduismus.
00:49:13: Das war auch ambivalent.
00:49:17: Da ist es auch wieder.
00:49:21: Du hast Kraftklub mitgebracht, Hals Maul und Spiel.
00:49:25: Warum?
00:49:27: Irgendwie fühle ich mich da gerade so abgeholt und getroffen weil das gerade ein bisschen aktuell ist Ich bin ja auch jemand der sich zum Beispiel zu AfD äußert gemerkt, dass das nicht immer gut ankommt und dass ich in letzter Zeit viele, viele Nachrichten bekomme auch die manchmal schon echt unter die Gürtellinie gehen.
00:49:56: Da höre ich sehr oft... Schuster bleibt bei deinen Leisten oder dass man mir den Mund verbietet und mir meine Meinung nicht lässt, das ist gerade wirklich ein rauer Ton und ein kalter Wind.
00:50:10: Und das macht mich nachdenklich!
00:50:11: Deshalb habe ich dieses Lied ausgesucht.
00:50:49: Lieber Annett, bevor wir aus deiner Kindheit und Jugend rausgehen würde ich gerne noch ein Thema antippen.
00:50:57: Da müssen wir uns auch gar nicht so lange aufhalten, aber deine Mutter hatte als Krankenschwester gearbeitet und hat später Suchtkranke betreut.
00:51:06: Und du hast mal in einem sehr alten Interview gesagt, dass sie einen ganz natürlichen und warmen Umgang mit kranken oder sterbenden Menschen hatte.
00:51:16: Sodass der Tod – das ist jetzt eine Frage – auch thematisiert wurde?
00:51:20: Also habt ihr darüber gesprochen, als du noch Kind warst?
00:51:26: Das ist ne interessante Frage!
00:51:28: Deshalb interessant, weil ich gerade ein Thema mit dem Tod habe.
00:51:33: Was ist ein Thema?
00:51:34: Ich hab in den letzten Jahren so eine Art Angststörung entwickelt und die sich ein bisschen in so hypochondrische Ängste umwandelt.
00:51:47: Du hast
00:51:47: auch ein Leben ... Ich geh schon mal vor oder so heißt das, ne?
00:51:49: Genau,
00:51:49: ich geh schon einmal voraus.
00:51:50: jetzt habe ich quasi für mich selbst geschrieben Und ich erinnere mich eigentlich nicht ob wir mal darüber gesprochen haben.
00:51:59: Ich weiß nur, dass ich mir als Kind nicht vorstellen könnte zu sterben und dann habe ich das lange verdrängt, also ich bin auch nie jemand gewesen der zum Arzt gegangen ist und jetzt kam das so geballt auf mich
00:52:12: zu
00:52:13: und deshalb musste ich mich damit befassen.
00:52:14: Also Ängste werden ja immer schlimmer wenn man sie nicht behandelt.
00:52:19: Man kann Ängste so gut behandeln, das ist das Schöne.
00:52:21: Und ich glaube jeder Mensch einmal im Leben hat eine Panikattocke und ich glaube Ängsten kennen so viele Menschen.
00:52:29: Wenn ich darüber spreche, kriege ich so viel Feedback und soviel Rückmeldung auch.
00:52:35: Das hilft mir natürlich auch nicht allein sein mit dem Thema.
00:52:38: Ich glaube dass eines der größten Probleme in diesem Zusammenhang die Menschen ihre Ängste nicht benennen, dass sie sie nicht erkennen oder nicht zugeben wollen vor sich selbst.
00:52:52: Dass sie vor bestimmten Dingen sich fürchten.
00:52:55: Männer wie Frauen, vielleicht aber noch ein bisschen mehr als Frauen.
00:52:58: Weil ich glaube dass Frauen sich in dem Punkt leichter austauschen können und nicht so das Gefühl haben dadurch in irgendeiner Weise stigmatisiert zu sein.
00:53:05: mit diesem alten und leider ja auch wieder aufkommenden neuen Männerbild hat es viel mit hier sei keine Pussy was los mit dir und so einen Quatsch zu tun was nicht gesund ist was einfach überhaupt nicht gut ist und nach hinten los geht über kurz oder lang.
00:53:25: Lass mich da noch mal fragen, wenn dein Großvater diese vierzig Gänse hat.
00:53:29: Die regelmäßig geschlachtet wurden?
00:53:31: Bist du ja schon auf jeden Fall überbande irgendwie mit dem Totenberührung gekommen?
00:53:37: Weil ... Du das ja wusstest!
00:53:39: Und das ja auch ein ganz natürlicher Prozess ist.
00:53:42: Du hast auf dem Dorf gelebt, da wurden die Tiere geschlachtet und dann wurden sie gegessen.
00:53:46: Man aßt das dann auch oder man aßte es gerade nicht weil das das Kalb Anna war oder so wie auch immer.
00:53:53: also erinnerst du dich in dem Kontext an den Tod?
00:53:58: Als nachklappt die Frage der dein Großvater gestorben ist?
00:54:02: als du elf warst War der Tod ja auf jeden Fall präsent.
00:54:06: weißt du, wie da damit umgegangen wurde?
00:54:11: Meine Mutter hat das versucht von mir fernzuhalten.
00:54:13: Ich durfte zum Beispiel auch nicht auf die Beerdigung meines Großvaters was glaube ich ein Fehler war, dass es nicht trauern oder das weg drängen.
00:54:23: Komischerweise, ich entwickle im Alter viel mehr Skrupe
00:54:27: z.B.,
00:54:28: ich esse wirklich gar kein Fleisch mehr also wenig bis gar keinen.
00:54:32: und ich merke auch Zum Beispiel meine Tochter hat einen kleinen Hamster zu Hause.
00:54:38: Und auch das ist schon ein Problem für mich, dass ich da hauptsächlich käfig bin.
00:54:45: Ich verstehe es total!
00:54:46: Ja, ich erkenne mich da nicht wieder aber diese wird stärker.
00:54:51: Diese Empathie für jedes Lebewesen.
00:54:54: Ja.
00:54:55: Ich finde das so interessant, wenn ich meine Hunderunde mache gehe ich an einem Haus vorbei in dem ich in der ersten Sekunde denke oh wie schön.
00:55:03: und in der zweiten schon online weil da jemand wohnt der so ein Vogelkäfig draußen auf den Balkon hat mit einem Kanarienvogel der sehr schön singt.
00:55:12: aber was ist das für ein beschissenes Leben?
00:55:15: Also du hängst da und springst von einer Stange zur nächsten und dann ist da so ein Glöckchen und dann kriegst Du also nicht dass der Vogel das reflektiert Er hat ja Flügel und er kann ja gar nicht richtig fliegen.
00:55:27: Es soll jetzt auch nicht so nach einem kitschigen Song klingen, das meine ich nicht.
00:55:30: aber dieses Gefühl hatte ich selbst nicht als Kind hätte.
00:55:33: ich wählen sich hier und ich habe da auch glaube ich ansonsten darüber hinaus nicht groß nachgedacht.
00:55:38: Und dass was du beschrieben hast als Veränderung deiner selbst?
00:55:40: Ich glaube auch das kennen ganz viele Leute, dass sich da sowas rein Also wie diese Flüssigkeit der dieser Lava-Lampen.
00:55:50: Das ist nicht ein Block, sondern das kommt so leise reingeschwappt und übernimmt einen Teil deiner Gedanken oder Gefühle und nicht dass es einem unangenehm sein sollte.
00:56:00: Ich glaube, das macht uns nicht unbedingt zu schlechter oder eher zu besseren Menschen.
00:56:03: aber Es ist dann schon so, dass man denkt okay dafür habe ich jetzt gar keine Infrastruktur.
00:56:09: Wie soll ich damit umgehen?
00:56:11: Was ist so schön beschrieben, aber genauso empfinde ich es auch.
00:56:14: Deshalb also
00:56:16: Ich finde das
00:56:17: Leben mittlerweile so viel spannender, ich habe das Gefühl es wird alles intensiver.
00:56:22: So empfinde ich das.
00:56:24: Das ist ein voller Gefühl, so voller Intensität, so einen Spaziergang der ja den ich früher nicht so empfunden habe.
00:56:33: Ist doch eigentlich komisch weil ich dachte dass die vor allen Dingen in der Welt und der wir leben Irre vielen Reizen ausgesetzt sind.
00:56:41: Immer wieder alle zwei Jahre lese ich neu und versuche mir zu merken, wie viele Informationen das Gehirn pro Sekunde oder gar pro Minute aufnimmt und irgendwie versucht so... abzufangen und so zu aufzubereiten, dass man nicht wahnsinnig wird.
00:56:56: Ich vergesse es immer wieder.
00:56:57: was ist unglaublich faszinierend!
00:57:00: Und ich hätte jetzt gedacht hier älter ich werde das du mehr...ich will jetzt nicht sagen stumpfen meine Sinne ab.
00:57:06: aber ja das du mir denke man auch ja kann ich schon habe ich schon sage und des Gegenteils der Fall.
00:57:12: Irre oder?
00:57:14: Wahnsinn und das in einer Zeit in der war da so viel schlechte Dinge passieren.
00:57:20: Punkt dafür ausgesucht haben, so viel sensibler zu werden.
00:57:25: So jetzt gehen wir in den nächsten Zungen aber sagen mir noch ganz kurz was zu diesen Gänsen damit ich diese Klammer zumachen kann.
00:57:32: hast du das verstanden dass die gelebt haben und dann tot sind?
00:57:35: Und das hat dazu gehört zum Leben?
00:57:38: Das habe ich verstanden und ich glaube ich hab das als Kind auch schon ein bisschen weggeschoben
00:57:44: oder aber so einordnen können dass man es hinnimmt.
00:57:50: Und ich glaube, das ist eben noch die zweite ... Ich bin keine Psychologin, aber... Ich glaube, dass Kinder mit der ... Wie soll man sagen?
00:58:00: Mit dem Programm oder der Idee tot!
00:58:04: Mit der Endlichkeit auf eine Weise umgehen können.
00:58:08: Natürlich holen wir uns alle die Augen aus.
00:58:11: Mama stirbt nicht, Papa bitte geh nicht so.
00:58:15: Aber trotzdem man findet ja.
00:58:17: Irgendwie hat man als Kind, finde ich einen Weg gefunden.
00:58:21: Ich war immer irritiert dass die anderen halt geweint haben Die Erwachsenen nicht klar kam und den Kopf verloren haben
00:58:26: Vielleicht weil Kinder noch mehr in der Gegenwart sind.
00:58:28: im jetzt Ja da kommt dann was anderes was die Aufmerksamkeit bekommt Und das ist ja auch schön.
00:58:35: Das sollte man eigentlich durchs Geben gehen, das hilft.
00:58:40: Sprichst du mit deiner Tochter über den Tod?
00:58:42: Oder lest du dir damit noch Zeit?
00:58:45: Doch, wir sprechen ab und zu drüber.
00:58:47: Gerade ist auch eine Nachmittagsbetreuerin in ihrer Schule gestorbenes.
00:58:51: Erzählte sie mir heute Morgen noch.
00:58:53: Und doch!
00:58:57: Wir reden sehr viel und sie ist interessiert an ganz vielen Dingen.
00:59:02: Rémi...
00:59:03: Rémini Sensias oder?
00:59:05: Ja, Rémenisensias Claudio Constantini.
00:59:10: Qu'est-ce?
00:59:14: Das ist eine Platte, die ich jüngst entdeckt habe.
00:59:18: Was heißt denn bei dir entdecken?
00:59:20: Im letzten Jahr habe ich mir einen Freund empfohlen und sie gehört.
00:59:26: Sie hat mich inspiriert auch für die Platte.
00:59:30: Den Sound mochte ich das Instrument und die Melodien.
00:59:37: Ich fand es irgendwie inspirierend.
00:59:39: Anders kann ich es gar nicht beschreiben.
00:59:40: Du hast als Stichwort noch gegeben.
00:59:42: Hätte Inspiration für die neue Platte, also für dein eigenes Album?
00:59:45: Genau mein eigenes.
00:59:46: Okay
00:59:46: dann hören wir da jetzt mal rein!
01:00:09: Die Sängerin und Labelchefin Annette Luysan ist heute hier zu Gast Und jetzt kommen wir mal auf deinen aktuelles Album zu sprechen.
01:00:19: Also du hast dir für im Jahr zwanzig ich weiß nicht ob viel vorgenommen oder ob sich die Dinge einfach hintereinander eingereiht haben Entzerren oder so.
01:00:30: Auf jeden Fall ist es ein falles Jahr für dich gewesen und wir stecken vor der Tour, die im Oktober beginnt in Chemnitz.
01:00:42: Danach gleich Berlin-Tempodrom
01:00:44: am fünftzehnten Oktober.
01:00:46: Ich freu mich!
01:00:48: Für mich sind Turnänen auch immer irgendwie so'n bisschen lebensverändern.
01:00:52: Jedes Mal danach denke ich irgendwie fühlt sich wieder alles anders an.
01:00:56: das habe ich sehr immer so dass ich irgendwie zurückgekommen bin und sich das alles ein bisschen anders angefühlt hat.
01:01:03: Ich habe viel gelernt, habe auch viele Menschen getroffen, auch wenn nicht mit allen gesprochen aber das macht schon was mit einem so eine Tournee.
01:01:11: Und zu deiner Frage... Das stimmt ein bisschen!
01:01:17: Die meisten Lieder sogar Anfang des Jahres geschrieben zusammen mit unterschiedlichen Songwritern.
01:01:24: die meisten Lieder in Berlin.
01:01:26: Ich kann unheimlich gut arbeiten in Berlin.
01:01:27: Warum?
01:01:28: Weil ich habe ja auch eine kleine Wohnung in Neukölln, da hab' ich die letzte Platte überwiegend geschrieben vielleicht weil ich dann weg bin von zu Hause und hier nicht abgelenkt werde...
01:01:42: Es ist natürlich ein sehr großer Kontrast.
01:01:43: du lebst in Hamburg muss man dazu sagen Und ich glaube sogar wenn das stimmt in Elb-Direkterelb Nee, das heißt du guckst aufs Wasser.
01:01:50: Das ist einfach schön!
01:01:53: Es ist schön empfinden viele auch halt schön, aber es ist der größtmögliche Kontrast wahrscheinlich zu so einem Häuschen an der Elbe.
01:02:01: Stimmt ich habe immer wieder auch damals irgendwie überlegt ob es dann Berlin wird oder Hamburg weil letztendlich hab' ich mich für Hamburg entschieden dort meine Tochter großzuziehen und die Großeltern leben und dann... das ist irgendwie noch was anderes.
01:02:16: Aber ich liebe es auch in Berlin zu sein und hier zu arbeiten ist schon eine Stadt die mich inspiriert.
01:02:23: Okay Wie gehst du denn vor?
01:02:25: Ich versuche mir jetzt vorzustellen, ich sei Songwriterin und würde ein neues Album machen.
01:02:29: Dann hätte ich wahrscheinlich so ein paar Skizzen irgendwo, entweder digital oder auf irgendeinem Papier.
01:02:39: Sachen die es nicht ins dritte und nicht ins vierte Album geschafft haben, die ich dann für weitere drei Alben vergessen habe und wo.
01:02:46: jetzt denke ich, jetzt wäre es an der Zeit dieses Lied über diesen See zu machen oder so.
01:02:52: Gibt es sowas?
01:02:53: Ist das unrealistisch sozusagen zu denken?
01:02:55: Doch!
01:02:55: Es gibt so ein Büchlein.
01:02:56: Meistens landet es da nicht in diesem schön mit Leder eingeschlagenen Büch-Lein sondern im Handy weil man das tatsächlich immer dabei hat und sich reinspricht, damit man es nicht vergisst.
01:03:09: Ich bin diesmal aber sehr analytisch vorgegangen.
01:03:12: Ich habe mir Anfang Januar vorgenommen, du setzt dich jeden Tag hin fünf Stunden an den Schreibtisch, schreibst, recherchierst – ich recherchiere auch für meine Songideen!
01:03:22: Wenn man so ein Thema, wenn man über einen Thema singen will wie über Altersarmut bei Frauen oder über den Tod ... Dann braucht man eine Zeile, aber man braucht eine Art Vision.
01:03:33: Wie will ich das erzählen?
01:03:35: Vielleicht braucht mal ein bisschen Hintergrundwissen und so habe ich die meisten Themen gut vorbereiten können.
01:03:40: Und dann bin ich damit mit dieser Arbeit nach Berlin gefahren und hab mich mit Top-Liner getroffen, mit Komponisten...
01:03:47: Was sind Top-liner?
01:03:48: Top-liners sind Menschen, die auch mit Texten arbeiten.
01:03:54: Das sind also Zeilen, Top-Leiner genau, so nennt man sie!
01:04:00: Und dann wirft man so zusammen, genau.
01:04:02: Meistens ist da jemand, der ein Instrument spielt.
01:04:05: Ich bin zuständig für die Gesangsmelodien und wenn ich eine Zeile habe Dann hab' ich meistens auch schon ne Melodie im Kopf So ne Art wie es erzählen will.
01:04:14: Meinstens geht's ja auch um diese Erzählart.
01:04:19: Wie möchte ich... Ja, wie möchte ich diese Geschichte erzählen?
01:04:23: Das hat was mit ner Melodie zu tun.
01:04:25: Sie is eigentlich schon da Wenn die Zeile da ist.
01:04:27: Man muss hier irgendwie nur hören.
01:04:29: Es ist ja oft so, dass Menschen die nicht kreativ arbeiten total erstaunt sind.
01:04:34: Wie strukturiert diese kreativen Prozesse sind?
01:04:37: Texten
01:04:37: ist harte Arbeit wirklich.
01:04:39: also das Komponieren ist eigentlich eher leicht Das kommt dann genau und das andere dauert manchmal sehr sehr lange.
01:04:48: muss man noch mal ran es gefällt einem nicht das Ende ist nicht gut genug Es reicht noch nicht, es hat die Geschichte noch nicht gut genug erzählt oder ich arbeite ja auch mit paar Arnten.
01:05:00: Einige Lieder sollen ja lustig sein und das ist der Prozess.
01:05:09: Und hast du dich daran halten können diese fünf Stunden von bis?
01:05:13: Ja.
01:05:13: Und bist du dann auch wirklich am Schreibtisch geblieben?
01:05:17: Wenn du am schreibtisch Sitz noch sitzt du hast meinen steh schreibt die vorhin gesehen vielleicht.
01:05:23: Genau das ist eine tolle Idee.
01:05:26: ich als Bandscheiben Experte ja
01:05:27: guck genau, dass war als Zuckerwarte ne als maske.
01:05:31: zinger Bist du, hast du plötzlich einen Wandscheibenvorfall?
01:05:34: Hast Du alles Weiß.
01:05:35: Nein nein nein.
01:05:35: aber das tut mir so leid weil ich stelle mir vor dass man in diesem Kostüm eh stirbt.
01:05:41: war es so heiß ist einfach mal keine Luft kriegt und dann musstest du glaube ich auch deine Stimme weil die ja sehr prägnant ist kann nicht mehr vorstellen ein bisschen gegensteuern Passiert irgendwas, war das eine falsche Bewegung?
01:05:51: oder wie ist es passiert?
01:05:52: Es war eigentlich vorher schon da.
01:05:54: Das wurde dann vor der Live-Sendung immer schlimmer und bin dann irgendwie zwei Stunden vorher noch ins Krankenhaus gefahren, dann habe ich so ne Spritze bekommen, hab das so halbwegs... Dann managen können beim Gesangsoftritt aber beim Finale musste ich einfach gehen.
01:06:08: Ich hab's nicht mehr geschafft, hatte solche Schmerzen.
01:06:10: Und das hat wirklich was mit mir gemacht.
01:06:12: Das war das erste Mal, dass ich nicht funktioniert habe bei nem Fernsehauftritt, live Fernsehauftritt Und da vor anderthalb Jahren, da fingen diese hypochondrischen Ängste an.
01:06:24: Vielleicht war das sogar irgendwie so ein bisschen gekoppelt.
01:06:28: Einen Monat danach habe ich ein bisschen panikartige Geschichten bekommen.
01:06:34: Das hat was ausgelöst auf jeden Fall!
01:06:37: Man könnte ja eigentlich sagen, aber es ist viel zu einfach von außen.
01:06:41: Guck mal die Welt ist nicht untergegangen.
01:06:42: Eigentlich
01:06:43: eher in die andere Richtung dass man sagt guck mal das schlimmsten mögliche ist passiert du bist ungedosses so stark geschmerzt und konntest nicht mehr raus Und trotzdem du wirst gefeiert.
01:06:51: niemand ist böse Es ist alles okay.
01:06:53: Das ist alles gut gegangen.
01:06:53: Das hätte meine Therapeuten jetzt auch gesagt.
01:06:59: Aber noch um diese Klammer auch zu schließen.
01:07:01: also ich möchte ihnen und euch da draußen wirklich einfach mal Raten, dass ihr das eine Zeit lang probiert euch hinzustellen wenn ihr viel am Schreibtisch arbeiten müsst.
01:07:13: Ich habe am Anfang auch gedacht es ist so anstrengend zu stehen die ganze zeit und ich finde es ist eine absolute Erleichterung weil dieses Sitzen weh tut einfach nicht gut ist sowieso sehr ungesund sein soll und ich empfinde es als totale Entdeckungen für mich selbst wird dir bestimmt auch gefallen
01:07:29: ja genau das richtige für mich eigentlich.
01:07:31: aber diese sitzen ist eigentlich Das
01:07:35: heißt, dass neue rauchen.
01:07:36: Es ist offenbar wirklich so unglaublich!
01:07:40: Ich mag es auch tatsächlich wie gut es mir tut wenn ich nicht viel sitze am Tag oder ich klinge schon mit die Apotheken umschauen.
01:07:47: Nein du echt.
01:07:48: aber auch das und dass man sich gute Musik kümmert, das ist ja auch wichtig.
01:07:52: Ja es ist wichtig.
01:07:54: Wir spielen jetzt einen Song aus deinem Album.
01:07:58: Welchen hast du ausgesucht?
01:07:59: Welchen willst du aussuchen.
01:08:00: Wir haben hier Generationen und Dämon, Fleisch gewordenes Chanson, Weltuntergang, Herz mit Gebrauchsspuren.
01:08:08: Herz mit gebrauchspuren!
01:08:09: Ja gut, willst Du uns da irgendwie rein leiten?
01:08:13: müssen wir was wissen?
01:08:14: Sollten wir etwas wissen?
01:08:17: Es ist mein Lieblingssong.
01:08:35: Ich biete an Ausweiterhand.
01:08:42: Im Großen Und Ganzen Ist alles noch dran.
01:08:49: Wir verlosen auch eines Deiner Alben, aber dazu kommen wir etwas später am Ende unseres Gesprächs.
01:08:56: Du hast jetzt sehr offen über diese hypochondrischen Ängste gesprochen.
01:09:01: deswegen lass uns da nochmal ganz kurz ein zwei Gedanken zu austauschen denn ich kann mir vorstellen dass es gar nicht so wenig Menschen so geht, die Eltern sind einfach.
01:09:13: Das ist ja wahrscheinlich auch daran gekoppelt dass du Angst hast dein Kind irgendwie allein zurückzulassen.
01:09:19: Ja diese übermäßige Angst vor dem Tod ist nicht die Angst vor dem Tod, bei mir ist es eine Verlustangst.
01:09:25: Und sie hat natürlich was mit meiner Tochter zu tun wie ich schon herausgefunden habe und der Tatsache dass ich viertig war als ich sie bekommen hab und dass sie immer noch sehr jung ist und Die Endlichkeit des Lebens mich manchmal ängstigt und dass man Sie so lange wie möglich begleiten möchte.
01:09:44: aber also Ich konnte das relativ gut und relativ schnell bearbeiten Deiner guten Therapeutin
01:09:50: und... Wolltest du sagen, ist es weg?
01:09:53: Also nicht ganz.
01:09:55: Aber sehr, sehr viel weniger auf einer Skala.
01:09:58: Es ist schon ein bisschen breiter runtergegangen.
01:10:00: Und musste oft Türme klettern und Höhenangst ...
01:10:05: Nein!
01:10:05: Das wollte ich dich grade fragen.
01:10:07: Denn sagen wir mal so eine Spinnenphobie?
01:10:10: Die gibt es ja darin, dass man dann irgendwann so ne Vogelspinne über die Hand laufen lässt.
01:10:15: Also vielleicht auch nicht jede.
01:10:16: Ich hab keine Ahnung aber ich weiß das so Desensibilisierungen auf ne ähnliche Art verlaufen.
01:10:21: Dass man sich diesen Ängsten einfach stellt damit sie nicht wachsen werden, damit sie verschwinden.
01:10:27: Und die Angst vor dem Tod kann man ja nun eigentlich schlecht simulieren.
01:10:31: aber so wie du es gerade beschreibst das heißt man hat dich... Du hast dich in Situationen gebracht in denen dir das Adrenalin um die Ohren geflogen ist?
01:10:42: Das erstens und natürlich bin ich mit meiner Therapeuten eben mein Tod durchgegangen.
01:10:48: oder was passiert?
01:10:49: was wäre die schlimmste Vorstellung davon zu sterben?
01:10:52: solche Fragen muss man dann beantworten und sich da rein fühlen.
01:10:57: Und das hilft, dass sich der Angststellen nicht weglaufen und sich damit befassen, sich Hospizdokumentationen anschauen von Kindern die sterben oder Eltern solche Geschichten.
01:11:10: ich musste mir so was reinziehen weinen und das durchleben.
01:11:15: ja es hat geholfen auch die Tatsache meinen Körper noch ein bisschen besser kennenzulernen.
01:11:21: es gibt ja so Übungen.
01:11:25: Ich habe dann immer so Herzklopfen bekommen oder Herzrhythmusstörungen.
01:11:29: Mittlerweile weiß ich nicht genau, ob das vielleicht auch ein bisschen meine Hormonschwankung hineinspielen und man ja auch sagt wenn das Progesteron weniger wird dass man auch Ängste bekommt.
01:11:40: Also weißt du eine Angststörung?
01:11:41: Das sind ja so Puzzlestücke die da zusammenkommen.
01:11:44: in dieser Phase meines Lebens spielte das da auch glaube ich eine Rolle.
01:11:48: Hormone sind Arschlöcher
01:11:50: also
01:11:50: wirklich und ich rate allen Frauen dazu, das im Betrag zu ziehen so eine Hormonersatztherapie zu machen.
01:11:58: Ich weiß dass ich mich da jetzt sehr weit aus dem Fenster lehne und dass es für einige Frauen nicht aus unterschiedlichen Gründen in den Betracht kommt aber diese Ablehnung dazu fußt auf einer alten falschen.
01:12:12: auch man wusste dass dieser Erhebung die da veröffentlicht wurde das ist da schon falsche Aussagen gab aber steckt inzwischen schon so viel Geld Suchung, dass man sie nicht mehr zurückzog.
01:12:24: Also das heißt vielen Frauen tut es wirklich gut viele Frauen kommen wieder bei sich an.
01:12:29: also muss ich mir wahrscheinlich so ähnlich vorstellen wie ein Antidepressivum wo auch Leute sagen Ich weiß nicht mehr wer ich bin und wenn Sie dann das Glück haben gut eingestellt zu sein Sind sie wieder da?
01:12:41: Ja.
01:12:41: Und gar nicht verändert.
01:12:43: und so ähnlich ist es eben auch damit, dass man das auf jeden Fall checkt und wenn man sich dann dagegen entscheidet... ...dass man aber auch weiß warum man sich dagegen entscheidet und dann nicht aus den falschen Gründen da gar nicht erst rangeht.
01:12:54: Das sind auch so Themen die mich für's Album sehr interessiert haben, beschäftigt haben.
01:13:00: Ich habe ein Lied über Altersarmut von Frauen geschrieben, bis nach Hause befasst sich mit der Perimenopause.
01:13:08: Ich fand das schon sehr spannend auch gerade diese schambehafteten Tabuthemen zu benutzen weil die Liedform ja auch so eine Chance ist um mit einem Augenzwinkern Themen zu besingen und sie ein bisschen näher an die Leute zu bringen.
01:13:21: Das ist lobenswert, weil gebrochene Herzen...
01:13:25: Ja, davon gibts richtig!
01:13:29: Also ich kann mir zwar noch nicht so richtig vorstellen, weil das Lied über die Peri-Main-Pause, das muss ich zugeben, kenne ich nicht, aber so wie du drüber sprichst, kann ich mir sogar vorstellen es ist ein gutes Lied geworden.
01:13:38: Hör mal rein!
01:13:39: Wie heißt es?
01:13:40: Bis nach Hause.
01:13:42: Wir hören Emilou First Aid Kit.
01:13:46: Ja, meine Tochter heißt Emilu.
01:13:48: Ich habe dieses Lied entdeckt nach ihrer Geburt und verbinde es aber heute total mit ihr.
01:13:55: Ich liebe das Lied, sie liebt es auch und ich werde oft darauf angesprochen ob der Name von Emilio Harris kommt?
01:14:04: Nein weil das ist eher auch wieder so eine Louisanne Verbindung.
01:14:08: also meine Großmutter heißt oder hieß Emiluise Und Emilu ist ja die Kurzform, sie wurde auch zusammengeschrieben.
01:14:15: Ich liebe das Lied.
01:14:16: Das ist meine kleine Emmi Louise hier auch dabei!
01:14:36: So, dann machen wir das jetzt mal mit der Verlosung, liebe Annett und während wir gerade den Song gehört haben hast du den Vorschlag gemacht auch noch zwei ausnahmsweise zwei Karten ich weiß gar nicht ob es ausverkauft ist oder fast aus verkauft zwei Katen auf jeden Fall für den fünftzehnten Oktober im Berliner Tempodrom zu verlosen.
01:14:56: super und einmal dein aktuelles Album Sie können es gewinnen.
01:15:02: Wenn sie wissen, wann Annette mit ihrer Mutter vom Land in die Stadt vom Osten in den Westen von der Kindheit in die Pubertät gezogen ist quasi – also von Schönhausen nach Hamburg!
01:15:18: In welchem Jahr war das?
01:15:19: Schicken Sie die richtige oder vermeintlich richtige Antwort an hörbaratradioeins.de.
01:15:25: schreiben Sie bitte Ihre Telefonnummer und auch Ihre Adresse in die E-Mail.
01:15:30: Gut.
01:15:31: Nun hat sich und darüber sprichst du auch sehr offen, das klingt so als wäre es vorher ein Geheimnis gewesen aber Es ist schon gut das zu hören.
01:15:40: dein Lebenswandel hat sich ja auch ein bisschen verändert.
01:15:43: früher auch so ein bisschen.
01:15:44: das gehörte sicherlich auch zur Inszenierung.
01:15:47: keine Ahnung Proceco und Champagner eine Zigarette So Und Du trinkst seit ich glaube in zwischen drei Jahren kein Alkohol mehr was von den Leuten um dich herum wahrscheinlich unterschiedlich aufgenommen wurde, kann ich mir vorstellen?
01:16:04: Ja sie waren sehr überrascht und nach wie vor gibt es enorm viele Leute die sich das für sich selbst nicht vorstellen können.
01:16:11: Das höre ich sehr häufig.
01:16:12: Ich könnte das ja nicht!
01:16:17: Es hat doch erstaunlicherweise ganz schön viel mit meinem Leben gemacht.
01:16:21: also eine gewisse Klarheit aber auch... eine Intensität, die da noch mal neu dazugekommen ist.
01:16:27: Warum hast du das gemacht?
01:16:29: Ja es war... ich hatte irgendwie das Gefühl, dass mir nicht so gut ging.
01:16:36: Es war nicht so dramatisch aber ich wusste nicht so genau.
01:16:40: So was ist da jetzt?
01:16:41: und ich wollte auch therapeutisch an mir arbeiten.
01:16:44: und wenn man eine Therapie macht dann ist es von Vorteil einfach meine Zeit lang nichts zu trinken.
01:16:49: und ich hatte mir so ein Jahr vorgenommen Und in diesem Jahr ist wirklich eine Menge passiert und dann habe ich einfach weiter gemacht.
01:16:57: Es hat mir gut getan, ich habe das Gefühl die kommen besser durch die Wechseljahre!
01:17:00: Ich hab so viele Themen, die ich bearbeitet habe... Und mein Schlaf ist besser geworden.
01:17:06: Mein Verhältnis zu mir selbst, meine Gespräche mit anderen und es ist schon verrückt ich habe nie so regelmäßig getrunken.
01:17:13: Ich war eher der Typ das wenn ich getrunkt habe hab ich meistens ein bisschen mehr getrunkem.
01:17:17: also bei mir hat das relativ schnell gewürgt.
01:17:19: nach dem Null Komma.
01:17:20: Eins Glas Sekt war eigentlich immer angetrunken.
01:17:22: Es hat sofort ist mir in den Kopf geschossen und hat auch irgendwie was verändert.
01:17:27: in meiner Wahrnehmung
01:17:28: Sollts ja auch?
01:17:29: Das ist ja die
01:17:30: Absicht
01:17:30: die dahinter steckt wahrscheinlich
01:17:32: Ja.
01:17:32: aber ich finde es schon Interessant, dass man bei jeder sozialen Interaktion häufig Alkohol im Spiel ist.
01:17:40: Und das verändert eben auch diese Interaktionen und... Aber
01:17:44: man hat sich ja irgendwie darauf verständigt!
01:17:45: Das finde ich so
01:17:46: irre,
01:17:48: dass es jetzt auch kein neuer Gedanke schon tausendmal gehört, aber dass man sich eher dafür rechtfertigen muss nicht zu trinken.
01:17:54: Absolut Ja, das wird einem Problem unterstellte.
01:17:58: Das fühlen sich Menschen dabei nicht wohl wenn einer nicht trinkt.
01:18:03: Ich
01:18:04: glaube ja sie fühlen es sich nicht wohl weil sie das Gefühl haben es ist automatisch unausgesprochen etwas Belehrendes und ich glaube dass Dass viele Leute einfach wenn sie jetzt zugeben, wenn Sie darüber so nachdenken wie es bei sich ist ein bisschen nervös werden.
01:18:20: Bei der Frage könnte ich das mal zwei Monate komplett ohne Alkohol aushalten?
01:18:24: Ich glaube die meisten spüren dass sie eine innere Unruhe haben bei dem Gedanken und würden jetzt nicht sagen ja okay überhaupt kein Problem fange morgen mit an!
01:18:33: Es gar kein Ding.
01:18:34: Das
01:18:34: ist wahrscheinlich auch schon Zeichen das einfach mal auszuprobieren.
01:18:37: Ja also es ist aber hilfreich wenn da noch einer ist der dann wirklich das Problem haben, um sich selbst dann irgendwie besser zu fühlen oder sein eigenes Trinkverhalten zurechtfertigen.
01:18:47: Also ich habe das Gefühl die Meinung über Alkohol hängt sehr stark vom eigenen Konsumverhalten ab.
01:18:53: Ja klar!
01:18:55: Und ich zum Beispiel... Ich hab kein Problem damit weil meine Freundin bei mir zu Hause ein Wein trinken und da diese Flasche noch wochenlang in meinem Kühlschrank steht also finde ich gar nicht so schlimm.
01:19:06: Aber ich find es wichtig, dass sie das bei mir akzeptieren.
01:19:10: und das war am Anfang so ein bisschen, hat ein bisschen
01:19:12: gedauert.".
01:19:13: Und hast du auch gemerkt, dass Leute in deinem Beisein angefangen haben, Begründungen dafür zu finden warum Sie jetzt noch einen Glas nachbestellen oder eine Flasche aufmachen?
01:19:23: Ach Mensch jetzt, das habe ich mir ja auch verdient!
01:19:25: Oder boah der Tag war ganz schön langes, war gantig... oder jetzt ist aber auch Urlaub.
01:19:30: so, jetzt trink ich noch weil wenn man gemeinsam trinkt, trink man gemeinsam dann verständigt sich irgendwie.
01:19:34: Darauf ist ja wohl klar, nimmst du auch noch einen.
01:19:37: Aber wenn die Person quasi ich will nicht sagen unter Beobachtung steht aber sich Unterbeobachtungen fühlt weil das gegenüber nur Wasser trinkt oder Cola oder ein Tee oder was auch immer dass plötzlich so Erklärungen für weitere Bestellungen Ungefragt völlig ungefragt in den Raum kommen.
01:19:54: Das ist manchmal auch schon ganz schön süß.
01:19:56: diese Entschuldigungsversuche kenne ich auch.
01:20:00: Ja aber auch großes Interesse an dem Thema.
01:20:05: Das habe ich eben auch im Zuge dessen bemerkt, wie wenig Aufklärung es da immer noch gibt.
01:20:11: Was
01:20:13: müsste denn da aufgeklärt werden was wir nicht alle wissen?
01:20:16: Na beispielsweise dass Alkohol doch unterschiedlich bei Menschen
01:20:20: wirkt.
01:20:21: Dass die einen das viel besser wegstecken als die anderen.
01:20:24: Dass es nicht für alle Menschen möglich ist das eigene Limit zu kennen Dass es nichts mit Charakter, Stärke oder Willensschwäche zu tun hat.
01:20:33: Dass das einfach nur Substanz ist, die unterschiedlich wirkt bei Menschen.
01:20:37: Das finde ich noch zu unwissig.
01:20:40: Ich finde das eine wichtige Information.
01:20:42: Aber der Konsum hat schon mit Willensstärke zu tun?
01:20:45: Würdest du sagen dass es nicht so?
01:20:47: Nee also der Konsumen wenn man ihn einstellt meinst du.
01:20:52: Ja dass man wie viel man trinkt ob man überhaupt trinkts ist ja eigentlich nichts anderes als ja oder nein?
01:20:58: Ja, das stimmt.
01:20:59: Aber das ist ja dann vor dem ersten Glas weil nach dem ersten Glas also wie Alkohol bei Menschen wirkt?
01:21:05: Das ist wirklich
01:21:05: so unterschiedlich.
01:21:06: Die Wirkung ist das eine.
01:21:07: Genau die Wirkung es ist der Unterschied.
01:21:10: Der eine kann zum Beispiel Einglasswein trinken und aufhören und das hat nichts mit Willenstärke.
01:21:15: Der ist nicht willens stärker als der andere der nach diesem Einglas Wein nicht aufhörten kann sondern die Wirkung ist ein anderer.
01:21:21: doch das ist
01:21:23: interessant hätte ich auch nicht gedacht.
01:21:25: Okay.
01:21:26: Gut, dann gehen wir hier mit dieser großen Erkenntnis oder Frage raus und damit schließen wir auch glaube ich eine Klammer weil wir am Anfang des Gesprächs schon darüber gesprochen haben dass sich da was für dich verändert hat nämlich auch das frühe Aufstehen beispielsweise.
01:21:39: Herrlich ja!
01:21:40: Mit dem Alkoholstopp glaube ich einher kamen.
01:21:44: Wir gehen raus mit Danger.
01:21:45: Dan und seinem Song.
01:21:48: Eine gute Nachricht.
01:21:50: Warum dieses Lied?
01:21:52: Das Lied macht mich glücklich und traurig zugleich.
01:21:54: Ich finde, das vermag nicht jeder Song.
01:21:56: Das ist die beiden Seiten.
01:21:58: Das fühl mich ein perfekter Pop-Song!
01:22:00: Und wir sehen uns in neunzehn Jahren wieder?
01:22:02: Ja okay.
01:22:03: Danke dass du hier warst.
01:22:04: Danke für
01:22:11: die Einladung.
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