Hera Lind

Shownotes

Vielleicht haben Sie unseren heutigen Gast als Sängerin in Verdis „Troubadour“ bei den Opernfestspielen in Südfrankreich gesehen, Anfang der 80er. Oder in Japan. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie oder jemand, den Sie kennen, eines ihrer Bücher gelesen haben. An die 50 Romane hat sie bislang geschrieben, die genaue Zahl kennt wahrscheinlich nicht mal sie. Über 20 Mio Bücher hat sie mittlerweile verkauft, einige wurden verfilmt. Los ging es für die 1957 in Bielefeld geborene Hera Lind im 9. Monat ihrer 1. Schwangerschaft. „Ein Mann für jede Tonart“ wurde zum Bestseller, gleich auch verfilmt - die ja eigentlich hauptberuflich als Konzert- und Opernsängerin arbeitende Frau traf mit diesem Roman den Zeitgeist und das Frauenbild der 80er und 90er Jahre. Und legte nach: 3 weitere Schwangerschaften, jeweils 3 weitere Bestseller. An das „Superweib“ werden sich nicht nur Veronica Ferres und Sönke Wortmann dankbar erinnern. Dann, im echten Leben, neue Liebe, öffentliche Trennung, böse Boulevard-Headlines, Millionen-Schulden. Heute würde man sagen: Cancel Culture. Aber ganz so, wie ihre Romanheldinnen es von ihr erwartet hätten, biss sich Frau Lind stoisch durch und schrieb ihr Leben neu. Mit Tatsachenromanen, also echten Geschichten und wieder: einem Riesenerfolg.

Playlist 24.05.26 Max Raabe - Ein Tag wie Gold Francis Poulenc - Flötensonate für Klavier & Flöte, 2. Satz Cantilena Bläck Föös - In unserem Veedel The King Singers - Deconstructing Johann (Toccata in d-Moll) Reinhard Mey - Elternabend The Beatles - In my Life ABBA - The Winner takes it all Trio Klangkunst - Once in a While

Released by rbb media.

Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:04: Ich kann mich jetzt so gut in meine Protagonistinnen hineinversetzen, die mir ja oft ihre Geschichten erzählen.

00:00:12: Aus welcher Kindheit die kommen noch?

00:00:14: Gar kein Vergleich was sie durchmachen mussten oft in ihrer Kindheit und ich kann sie abholen!

00:00:22: Ich fühle Sie, ich kann mich in sie hinein versetzen Und ich kann sich nur bewundern und bei mir wächst die Dankbarkeit und die Demut.

00:00:30: Es ist wirklich so gemeint, dass ich merke, boah!

00:00:34: Ich habe einen Riesen-Respekt vor meinen Protagonistinnen und Protagonisten.

00:00:46: Herzlich willkommen zur Hörbarus.

00:00:49: Das hier ist mein Gast heute.

00:00:58: Vielleicht?

00:00:58: Haben Sie ja unseren heutigen Gast als Sängerin in Verdi's Troubadour bei den Opernfestspielen in Südfrankreich gesehen?

00:01:05: Anfang der Achtziger.

00:01:07: Oder in Japan?

00:01:08: Wahrscheinlicher aber ist, dass sie oder jemanden, den Sie kennen eines Ihrer Bücher

00:01:13: gelesen haben.

00:01:14: An die Fünfzig Romane hat sie bislang geschrieben – die genaue Zahl kennt wahrscheinlich nicht mal sie!

00:01:19: Sie verkaufte über zwanzig Millionen Bücher und einige wurden verfilmt.

00:01:23: Los ging es für die newtonsundfünfzig in Bielefeld geborene Hera Lind im neunten Monat ihrer ersten Schwangerschaft.

00:01:32: Ein Mann für jede Tonart wurde zum Bestseller, gleich auch verfilmt.

00:01:37: Die ja eigentlich hauptberuflich als Konzert und Opernsingerin arbeitende Frau traf mit diesem Roman den Zeitgeist und das Frauenbild der späten Achtziger und Neunziger Jahre – und legte nach!

00:01:49: Drei weitere Schwangerschaften, jeweils drei weitere Bestseller.

00:01:54: An der Supervibe werden sich nicht nur Veronica Ferris und Söhngewobmann dankbar erinnern.

00:01:59: Dann im echten Leben neue Liebe öffentliche Trennung böse Boulevard Headlines Millionen Schulden.

00:02:06: heute würde man sagen Cancel Karcher.

00:02:09: Aber ganz so wie ihre Roman-Heldinnen es von ihr erwartet hätten bis sich Frau Lindh

00:02:14: stoisch durch

00:02:15: und schrieb ihr Leben neu Mit Tatsachen-Roman, also echten Geschichten und wieder einem Riesenerfolg.

00:02:26: Herzlich willkommen Frau Lindhära!

00:02:29: Ja danke schön.

00:02:30: wie du mir angeboten hast wir begegnen uns heute zum ersten Mal.

00:02:34: ich will das mit dem Du hinkriegen denn irgendwie bist so eine Institution das nicht aber aus der Distanz wäre jetzt nicht auf die Idee gekommen zu dutzen.

00:02:46: passiert es dir wenn Menschen dich erkennen, dass es ihnen leicht fällt.

00:02:50: Du zu sagen?

00:02:52: Nein tatsächlich.

00:02:53: Sie sitzen mich weiter und nennen mich Frau Lindt und das ist eigentlich ganz nett weil mein eigentlicher Vorname ist ja Herr Lindt.

00:03:01: Meine Eltern nannten mich Herr Lindd und das war mir immer sehr peinlich besonders in der Pubertät und so.

00:03:07: und dann habe ich immer gedacht, wenn ich doch wenigstens Frau Lindhieße Und mit dem Pseudonym Herer Lindt, was ich aus meinem Vornamen Herr Lindt gemacht habe.

00:03:15: Habe ich mir den Wunsch erfüllt?

00:03:16: Also ich werde jetzt mit Frau Lindt angesprochen und das Allerschönste ist mein Mann heißt jetzt Herr Lind.

00:03:23: Oh!

00:03:23: Herr Lind!

00:03:24: Ach

00:03:25: so okay ja alles klar.

00:03:27: Ja gut.

00:03:28: Angela Merkels Mutter.

00:03:31: Woher

00:03:31: weißt du das?

00:03:32: Ich wusste

00:03:33: es aus der Bunden

00:03:34: Ach so?

00:03:35: Naja, ich hab's irgendwo aufgeschafft.

00:03:37: Ich weiß auch nicht ob sie noch lebt... Nein

00:03:38: die

00:03:39: lebt nicht mehr!

00:03:40: Die hieß

00:03:41: Herlind und ich habe immer beschlossen mit deren Selbsthilfegruppe zu gründen.

00:03:45: Vielleicht hätten wir noch eine dritte Herlinde in Deutschland gefunden.

00:03:48: Vielleicht finden wir durch diesen Podcast nochmal.

00:03:50: Ja vielleicht.

00:03:50: Man sollte Berlinerinnen und Berliner, die in Mitte und Prenzlauer Berg leben, auf solche Gedanken nicht bringen weil plötzlich wird so ein Trend los.

00:03:57: Ich fürchte, das ist eine neue Generation von Hellmuths und Werners.

00:04:00: Und Walters gibt die jetzt demnächst auf uns zu rollen?

00:04:03: Die armen kleinen Jungs also insofern who knows wann Herden dran sind.

00:04:07: Also

00:04:07: ich habe gerade mit einer Ehrengart zu tun und mit einer Bringfriede.

00:04:12: No!

00:04:13: Die sind beide Protagonistinnen in meinen Tatsachen Romanin und ich möchte immer sagen ja... Armen, aber

00:04:19: die Bringfrieden.

00:04:20: Das ist ja... also wir brauchen mehr Bringfrieden denn je.

00:04:25: Aber den Namen

00:04:26: habe ich noch nie gehört!

00:04:28: Das ist schon sehr besonders.

00:04:29: Also

00:04:29: tatsächlich scheint in meiner Generation und etwas vorher der Trend geherrscht zu haben solche vagnirianischen Namen den Kindern zu geben nach dem Krieg.

00:04:40: Ich habe natürlich ein bisschen was gelesen über dich und musste sehr lachen.

00:04:46: Das hast du in einem anderen Podcast erzählt, diese Geschichte müssen wir hier unbedingt auf jeden Fall reinschmuggeln.

00:04:52: Du hast in einem Gefängnis eine Lesung gemacht Wahrscheinlich nicht deine erste oder vielleicht aber der letzte, ich weiß es nicht.

00:04:59: Es ist auch gar nichts Schlimmes passiert.

00:05:01: was Ich mochte war also du bist ja schon Profi Du gehst irgendwo rein und egal ob's jetzt ein Seminar ist Oder einen Vortrag oder ab du als Gast eingeladen wirst.

00:05:10: Stichwort Willkommen Österreich bei Grissemann und Sternmann.

00:05:13: Du richtest dich ein, du stellst dich einer auf dein Gegenüber Und dann ballerst du Deiner Porunden los.

00:05:19: Du hast ein gutes Gefühl für den Raum.

00:05:21: Im übrigen Respekt, wie du dich mit den beiden Jungs die zugeben mussten sich in dich verliebt haben bei diesem Gespräch.

00:05:28: Da warst du recht unerschrocken.

00:05:29: Das kann ja auch in die andere Richtung gehen mit den Beiden.

00:05:33: Du kennst die und magst sie?

00:05:34: Ja ich war schon viermal da!

00:05:36: Ist aber auf vier mal schon okay?

00:05:39: das wusste ich nicht.

00:05:40: jedenfalls bist du also in dieses Gefängnis offenbar geladen worden und einer deiner Rückschlüsse war schon Mal Die Lachen.

00:05:48: Nicht Das ärgert dich, weil du willst dass die Leute lachen oder wenigstens weinen.

00:05:53: Und dann hast du erst mal gesagt und ich merkte auch Ich bin nicht mehr in deren Beute schäme.

00:05:56: das fand ich einen interessanten ersten Gedanken.

00:05:59: Schlüssel das mal bitte auf.

00:06:01: Na das war eher der dritte Gedanke.

00:06:03: Der erste gedanke war als die gar nicht auf mich reagierten außer mit relativ bösen blicken.

00:06:09: Die sprechen wahrscheinlich alle nicht unbedingt muttersprachlich deutsch Aha!

00:06:14: Der zweite Gedankel war die würden noch nicht einmal ein einzelhaft Herer Lind lesen.

00:06:23: Und da ging mein Selbstbewusstsein schon sehr runter und dann habe ich noch immer tapfer weiter geredet, und der dritte und schlimmste Gedanke war dann... Ich passe noch nicht mal mehr optisch in deren Beutel scheren.

00:06:34: Du

00:06:34: bist raus!

00:06:36: Ich konnte diesen Saal nicht verlassen, weil ich mit der Gefängnisdirektorin, die mir diese Lesung vereinbart hatte, eine Stunde ausgemacht.

00:06:44: Und das war so Minute elf und da war mein Pulver verschossen!

00:06:49: Da dachte ich, wie komme ich hier wieder raus?

00:06:51: Ich wusste, sie sind gefesselt... Sie waren in Handschellen aneinandergefesselt immer zu zweit.

00:06:58: Und ich dachte okay jetzt versuche ich noch was.

00:07:01: und dann habe ich angefangen zu singen.

00:07:04: Entschuldige.

00:07:05: Ja, du bist ja ausgebildeter Serien.

00:07:06: Also es konnte ja eigentlich nur besser werden.

00:07:08: Obwohl Laminos gerade herrschten... Es war nämlich Weihnachten!

00:07:11: Ich sollte da eine Weihnachtslesung halten.

00:07:14: Eine ungeheißte

00:07:15: Kapelle lief mir der Angstschweiß über den

00:07:18: Rücken

00:07:19: und dann habe ich einen Weihnachtslied gesungen Und dann haben die geweint.

00:07:25: Das wollte ich aber auch nicht.

00:07:26: Ich wollte sie hier eigentlich nur erfreuen.

00:07:29: Es ist mir nicht gelungen.

00:07:30: Und in meiner Not habe ich dann gesagt, ihr Lieben wisst ihr was?

00:07:33: Kommt gut nach Hause!

00:07:36: Das fand ich so wunderbar.

00:07:37: In dem

00:07:38: Moment dachte ich schon wieder so ein Tätnäppchen und ja...

00:07:43: Ich hab's so gelacht als ich das gehört

00:07:46: hatte.

00:07:46: Ja, das war meine schlimmste Lesung aber sie war zu etwas gut wie alles im Leben.

00:07:51: was Schlimmes.

00:07:51: es ist immer der Opener für meine Lesungen

00:07:53: jetzt

00:07:54: und ich sage immer Leute ihr seid alle freiwillig hier ich habe schon schlimmeres erlebt Dann erzähle ich das.

00:08:01: Und dann habe ich sie immer alle sofort gewonnen und sie lachen, selbst die mitgebrachten.

00:08:06: Die sehen ja

00:08:07: mitgenommen aus!

00:08:08: Nein, selbst die nicht gebrachten

00:08:09: Männer.

00:08:10: Die auch noch mitgenommen aussehen am Anfang.

00:08:12: Das merke ich ganz deutlich.

00:08:13: Die sind auch nicht freiwillig da.

00:08:15: aber wenn ich dann so einen Gag mache und damit noch ein paar hinterher setze Dann habe ich sie gewonnen.

00:08:21: Du siehst

00:08:21: ja dass ich das jetzt instinktiv auch sofort als opener genommen habe Und auch sehr gelacht hab.

00:08:26: und auch Miriam die Sie sicherlich im Hintergrund gehört haben Ich musste immer zwischendurch kommen immer wieder Johnny Cash in meinen Kopf diese legendäre Gefängnisplatte auch gesungen, aber das war irgendwie anders offenbar.

00:08:41: Und du musstest Musik mitbringen hier zu uns und wir legen mal los mit Max Rabe der hier auch schonmal zu Gast war ein Tag wie Gold.

00:08:51: Sag doch mal wofür dieses Lied steht in deiner Lebensauswahl?

00:08:54: Das hätte ich jetzt eher ins hintere Dritter gepackt.

00:08:57: Ich habe es aber nach vorne gezogen.

00:08:59: Mit Absicht!

00:09:01: Weil ich gerne mit aktuellen Liedern anfange, da wir erfahrungsgemäß erstmal so ein Warm-up machen.

00:09:07: Das liegt jetzt hinter uns.

00:09:09: Dann kommt die erste Musik.

00:09:10: Denn wenn wir jetzt deinen ersten Kindheitssong anmoderieren würden oder darüber sprechen würden dann bräuchten wir noch mal ein paar Minuten und dann würde es zu lange dauern bis

00:09:17: die Musik kommt.

00:09:18: Okay ja einen Tag wie Gold war vor kurzem auch für mich

00:09:23: Wie?

00:09:26: Also Es war dann wieder ein sehr guter Buchvertrag.

00:09:31: Ah, okay.

00:09:32: Gut, Lester!

00:10:01: Herr Lind ist heute zu Gast bei mir in der Hörber-Sies-Sängerin und vielfacher Bestsellerautorin und du hast dich rein äußerlich – das muss ich mal sagen nicht groß verändert.

00:10:16: Also das ist schon bemerkenswert.

00:10:18: Du machst sehr, sehr viel Sport und Pilates und trinkst viel Wasser und Betis wahrscheinlich?

00:10:22: Ist es das?

00:10:23: Viel Wasser und Bestimmte!

00:10:25: Und dann wäre aber ihr danach gekommen als Objekt.

00:10:28: Bier?

00:10:28: Bier?!

00:10:30: Also nicht Betis, das habe ich dann hinter mir gelassen... Aber viel Wasser & Bier.

00:10:34: Ach guck,

00:10:35: ich dachte wenn man sich mit Bier die Haare wäscht, dann bekommt man Du nimmst es anders zu dir.

00:10:39: Das hat bei mir nichts genutzt!

00:10:40: Ja, du bist ein sehr selbstdisziplinierter Mensch.

00:10:44: Würdest du dich als Ritualistin bezeichnen?

00:10:46: Die einen sagen so und die anderen sagen so.

00:10:48: Wie sagst du denn?

00:10:50: Ich mache meinen Job, ich tue meine Pflicht... ...und den Rest lasse ich dem lieben Gottengutten Mann sein.

00:10:55: Ich meine jetzt bezogen auf Pilates, auf Joggen oder auf Yoga.

00:11:00: Das machst du nach eigener Aussage täglich?

00:11:03: Täglich

00:11:04: auch heute.

00:11:04: Ich musste sehr früh aufstehen um hierher zu fliegen und habe von sechs bis sieben Pilates gemacht.

00:11:10: Allein für dich?

00:11:11: Ich hab da so eine Vorturnerin aus Amerika, die Geschichte ist auch sehr nett!

00:11:16: Ich habe in einem einen Mark-Shop, aber das war ja im Jahr und neunundneinzig, für einen Mark diese DVD gekauft.

00:11:24: Von einer amerikanischen Vorturnerin namens Jennifer Crease, die ihre Ballettschülerinnen trainiert und macht mit denen ein einstündiges Programm Und das mache ich seitdem täglich.

00:11:38: Also diese eine Mark hat sich wirklich rentiert,

00:11:42: wenn

00:11:42: nicht so deckt dass andere Leute sich teure Geräte kaufen und sie dann doch auf ihren Balkon oder in den Keller schieben und irgendwie immer ausreden haben also für die eine mark

00:11:51: hast du gut investiert kann man sagen.

00:11:54: jetzt sagst du du hast ne vortforderin wenn du das schon so lange machst.

00:11:58: also die mark gibt es ja schon ein bisschen länger nicht mehr guckst du dir immer noch Ihr Vortouren auf der CD an mit einem DVD-Player?

00:12:06: Alter,

00:12:06: DVD Player.

00:12:07: Meine Kinder sagen immer Video kastanierte dazu.

00:12:11: Aber ich bin ja aus dem letzten Jahrtausend und ich habe mir das auch auf mein Handy aufgenommen.

00:12:15: also wenn ich unterwegs bin tue nicht mit dem Handy.

00:12:20: Das Interessante ist dass diese Ballettdamen nicht altern.

00:12:24: Ich aber immer dabei in den Spiegel schaue

00:12:28: Also weiß ich nicht.

00:12:29: Lass

00:12:29: sich immer das oberste Zehntel, das blende ich aus und der Rest da kann man dem Vergleich noch standhalten.

00:12:34: Gehörst du denn zu den Menschen deren Körper endorphine bildet bei Sport?

00:12:39: Ja unbedingt!

00:12:41: Also ist die Hemmschwelle damit anzufangen bei dir gar nicht so hoch weil du weißt die Belohnung setzt sofort ein.

00:12:47: Ich bin ganz traurig wenn ich mal nicht tornen kann.

00:12:51: Und nochmal die Frage bist du dahingehend Ritualistin dass du sagst okay also egal War nicht jetzt aufstehen.

00:12:57: Vielleicht kann ich mal bis neu entschlafen und manchmal vielleicht nur bis sechs, aber der Ablauf, der dann folgt ist immer gleich?

00:13:03: Absolut!

00:13:04: Nämlich was?

00:13:06: Erstmal eine Stunde Turnen, dann eine Stunde glücklich sein... Cafetaste bei meinem Mann in der Küche und feiere das Leben.

00:13:16: Ohne Tageszeitung im Zweifel, sonst wüsste ich nicht wie es klappen sollte?

00:13:19: Ja,

00:13:20: ohne Tage!

00:13:21: Wir leben in Salzburg in der Altstadt und schauen dann raus.

00:13:24: da beginnt das Markttreiben...

00:13:26: Da ist ein riesengroßer Platz.

00:13:28: Ihr wohnt neben dem Geburtshaus von oder eine Nähe Mozarts in einem Haus von bis zu den Jahren.

00:13:38: Da war Mozart schon drin

00:13:40: In dem Haus?

00:13:41: Bin

00:13:41: ich sicher, der wohnte ja nebenan.

00:13:43: Hat vielleicht Zucker geholt oder so ... Oder eine Freundin besucht.

00:13:48: Wenn er Glück hatte, wohnte seine Freundin direkt neben ihm.

00:13:52: Kinder gehen zu den Nachbarn zum Spielen oder nicht?

00:13:54: Kinder können grausam sein!

00:13:58: Gut das heißt ihr seid morgens erst mal ne Stunde glücklich und erzählt euch so Sachen was hast du geträumt Engelbert?

00:14:06: Schreiben wir das doch mal auf in der Art

00:14:10: Also wenn uns gar nichts anderes einfällt, selbst das.

00:14:12: Aber wir uns verhält meistens was anderes ein.

00:14:15: Ihr

00:14:15: seid schon so wahnsinnig lange verheiratet.

00:14:18: Selber-Wochtseit haben wir nächstes Jahr?

00:14:20: Oh ja,

00:14:20: wow!

00:14:22: Jetzt gibt es vielleicht ein paar Leute die so ein bisschen unruhig auf ihren Sitzen hin und her rutschen und sagen Was zu Halle erzählt ihr euch denn nach über zwanzig Jahren Ehe und Liebe, was habt ihr euch dann morgens zu erzählen?

00:14:34: Also erst mal haben wir ja sechs Kinder und fünf Enkelkinder.

00:14:37: da tut sich ja schon wieder etwas.

00:14:39: Also wenn auch nicht gemeinsam, das muss man dazu sagen.

00:14:43: Wir haben einen unglaublich schönen und herzlichen und lustigen Kontakt zu allen.

00:14:48: wir haben uns alleine schon über die so viel zu erzählen dann über unsere Freunde dann über unseren Schreibseminarteilnehmer die ja auch immer ihre eigenen Geschichten mitbringen.

00:14:59: jetzt geht es nächste Woche wieder los mit den Schreib-Seminaren

00:15:01: Und die bei euch in der Wohnung rumtun?

00:15:03: Ja also die kommen da noch zu.

00:15:05: Wir haben uns wirklich immer was zu erzählten und das ist toll

00:15:08: Und keiner von euch beiden hat morgens schlechte Laune.

00:15:10: Nein, eher nie und ich nach dem Turnen dann auch nicht mehr.

00:15:14: Okay,

00:15:15: warmen!

00:15:17: Dann gehst du irgendwann, sagst du so, stellst deine Tee- oder Kaffetasse ab, dann gehst Du ins Badezimmer, Simsalabim, kommst wieder raus, setz dich in dein Arbeitszimmer... Das ist, als

00:15:29: hättest du mich durch eine versteckte Kamera beobachtet.

00:15:31: Hab ich!

00:15:31: Es ist mir unheimlich.

00:15:34: Wir haben nicht mehr viel Geld aber vom letzten Geld beobachten wir unsere Gäste damit wir Sachen herausfinden wie

00:15:41: andere.

00:15:43: Da ist dieses Arbeitszimmer im Hintergrund dieses... es ist kein Bellyregal.

00:15:48: Engelbert hat's gekauft oder aufgebaut mit all deinen Romanen und dann sitzt du für wie viele Stunden da und arbeitest?

00:15:57: Wenn ich so richtig in der Schreibphase bin, was ich gerade auch wieder bin dann können das acht Stunden werden.

00:16:04: Mein lieber Spitz!

00:16:05: Und du hast nicht so ein Stehpult zwischendurch?

00:16:07: Ich habe es jetzt gerade angeschafft und ich kann das nur sehr begrüßen.

00:16:11: Es gibt bei verschiedenen Möbelhäusern, um es mal so zu formulieren.

00:16:18: Sehr erschwingliche Tische die man hoch und runter kurbeln kann und ich finde das ist sehr angenehm im Stehen auch zu schreiben zwischendurch.

00:16:26: Hast du es mal ausprobiert?

00:16:27: Nein aber ich habe so eine Rüttelmaschine also jetzt weiß ich nicht wie das Ding heißt.

00:16:31: Vibrator?

00:16:32: Ein alter Leutevibrator.

00:16:35: Da kann man sich draufstellen mit beiden Beinen und einstellen, ich glaube so ähnlich ja?

00:16:41: Und dann wackelt das so und lockert sämtliche Muskeln und Knochen und Gedanken und Gehirnzellen wie Solottokugeln Kann man weiterschreiben.

00:16:50: Ich

00:16:50: liebe die Vorstellung, dass du deine Romane per Hand schreibst und niemand mehr lesen kann, was du da schreibts für alles

00:16:55: so backellig

00:16:56: unruhiglich ist.

00:16:58: Nein?

00:16:58: Nein nein!

00:16:59: Bist

00:16:59: du nach der Generation Steno?

00:17:02: Nein aber da gibt es auch eine sehr nette Begebenheit.

00:17:06: meine Mutter war eine ganz tolle Pianistin Und sie fühlte sich schwer beleidigt, als mein Vater ihr eine Schreibmaschine schenkte.

00:17:13: Da war ich gerade dreizehn.

00:17:15: Es war so unter ihrer Würde... Mein Vater war Arzt und ich glaube er wünschte sich dass die Schreib Maschine lernt!

00:17:21: Und sie hat das Ding in die Ecke gefeffert, dass das unter ihrer Würde sei, sie sei ein Pianistin.

00:17:26: Und da habe ich mir diese Schreib maschine genommen.

00:17:29: und wirklich mit dem Zehenfingersystem, da war so ne Fiebel dabei Schule Habe ich mir das selber beigebracht und schreibe fast im Sprechterpo.

00:17:39: Gut, jetzt musst du mir bei einer Sache noch helfen.

00:17:41: Warum fühlt sich deine Mutter als Pianistin beleidigt wenn sie eine Schreibmaschine geschenkt bekommt?

00:17:45: Sollte Sie darauf Musik machen?

00:17:47: Nein!

00:17:47: Aber Ihre Fingerfertigkeit war glaube ich wirklich für das Klavier gedacht Und ihre ganze Zeit hat sie für das Klaavier und die Orgel, den Konzertflügel gebraucht und hätte sich nie noch nebenbei das Schreibmaschine schreiben beigebracht.

00:18:04: Also ja, sie war mit recht gekränkt.

00:18:07: Da war

00:18:07: eine hervorragende Pianistin!

00:18:09: Ja wahrscheinlich hätte sie es in absoluter Geschwindigkeit.

00:18:11: Wir müssen uns reinziehen.

00:18:12: oder liebe Kinder... Ich meine, wegen auch noch Schreibmaschine.

00:18:18: Also müsst ihr euch so vorstellen wie ein Computer in dem die Tastatur schon dran ist?

00:18:22: Dann ist da so'n Farbband und das muss man hin- und wieder auswechseln nämlich dann wenn's eingetrocknet is'.

00:18:27: Und dass was man schreibt, das tippt man wirklich händisch... ich meine überleg mal was das noch für einen Stress war und dann hat man sich vertippt.

00:18:34: oder musste man das mit ein bisschen Tippex oder so diesen anderen Sachen?

00:18:37: ...wie viel Kraft dazugehört.

00:18:38: aber das hat die Hände und die Finger mit Sicherheit auch gut trainiert.

00:18:41: Hat es!

00:18:41: Dann hat es nur gut gemeint.

00:18:43: Natürlich

00:18:43: wie alle Eltern es immer nur gut meint, auch miteinander.

00:18:47: Sehr schön!

00:18:49: Gut dann würden wir jetzt übergehen zum zweiten Song eine fast dreizehnminütige flöten Sonate die wir drastisch einkürzen werden

00:18:58: macht nur einen Satz.

00:18:59: Ich bin für den Zweiten der ist wunderschön.

00:19:02: Als Stichwort hast du uns geschickt tatsächlich die einzige Schallplatte in meiner Kindheit Wie bitte?

00:19:08: Die dir gehörte oder im ganzen

00:19:09: Haushalt?

00:19:10: Die mir zur Verfügung stand.

00:19:12: Ja, ich hatte sagen wir mal ein sonderliches Elternhaus.

00:19:18: Und zwar wurde bei uns ausschließlich Kirchenmusik gemacht.

00:19:22: Meine Mutter spielte in der Kirche die Orgel Sowohl Sonntags mehrmals als auch Alltags wenn andachten oder etwas anstand.

00:19:32: Ansonsten hatte sie bis zu vier Klavier-Schüler jeden Nachmittag Später auch Gesangsschüler.

00:19:38: Gender jetzt nichts waren meistens Gesangschülerinnen Und alles was aus dem Radio kam, Fernsehen hatten wir nicht.

00:19:46: Überhaupt nicht und wir hatten einen Radioapparat und das war dann so zu viel Discooten.

00:19:52: Also Popmusik kenne ich überhaupt nicht, gab es nicht.

00:19:55: Was wir hören durften ganz leise war WDR drei Das war ja immer auch wieder klassische Musik Aber höchstens eine halbe Stunde.

00:20:03: Dann war einfach das Level meiner Eltern voll Und ich habe da viel drüber nachgedacht, die kamen ja auch beide noch aus dem Krieg.

00:20:12: Mein Vater war acht Jahre älter der war sogar noch Soldat und meine Mutter war als junges Mädchen im Krieg und die haben solche entsetzlichen Bombenangriffe beide erlebt.

00:20:23: Die waren wirklich traumatisiert von Geräuschen und von Lärm.

00:20:28: Mein Vater lief oft mit den Händen über den Ohren also den Fingern in den Ohr lieft er über die Straße weil ein Motorrad kam Und das hatte auch mein jüngerer Bruder geerbt, dieses Trauma dieser wirkliche Panik vor lauten Geräuschen.

00:20:43: Das heißt klassische Musik durfte in Maßen gemacht werden und bei uns wurde sie wirklich viel gemacht aber zusätzlich noch eine Schallplatte zu hören oder Radiumusik.

00:20:55: Das wurde einfach

00:20:56: als

00:20:57: seelischer Müll irgendwo abgespeichert und es war einfach nicht angesagt.

00:21:02: Ich

00:21:02: war in meinem ganzen Leben in keiner Diskothek.

00:21:06: Du kannst ja noch.

00:21:09: Man muss sagen, das ist ja leider Radio oder du siehst aus wie so ein Aerobic-Vortownerin heute also bisschen zu elegant dafür.

00:21:15: Du trägst eine schwarze, schicke Lederjacke mit so'n bisschen Schulterbetonung aber weißes Ding hier stürmband

00:21:22: nur weil es auf dem Flughafen so gezogen hat

00:21:25: und einen weißen engen Rolli.

00:21:28: Das ist so ein bisschen gibt mir Jane Fonda-Vibes, wenn ich das mal so sagen kann.

00:21:31: Wirklich

00:21:31: und danke!

00:21:32: Das ist ja nett.

00:21:33: Eine letzte Frage bevor wir in diese Flöten Sonate gehen letztendlich ist gerade klassische Musik finde ich... Das war jetzt hier im Hintergrund der Glaskontainer.

00:21:44: Das Leben hier in Berlin.

00:21:46: Klassische Musik ist ja nun auch nicht davor gefeilt sehr dramatisch zu werden anzuschwellen laut zu werden.

00:21:52: also es ist ja nicht grade Soft.

00:21:56: Da stimmt, aber wir haben auch eigentlich Opern waren schon wieder zu laut.

00:22:03: Es war immer diese gesetzte Kirchenmusik.

00:22:05: Wunderbar.

00:22:06: dann die Vorstellung dass du dich ausbilden lässt zur Opernsängerin als deine Art der Revolution unter Abgrenzung in der Pubertwelt.

00:22:14: Das ist wahrscheinlich der einzige Mensch auf der ganzen Welt.

00:22:16: gut Wir hören jetzt damit wir auch dieses Glascontainer Geräusche im Hintergrund endlich los wären Die Flöten Sonate Franzis Poulenc.

00:22:24: Genau Francis Poulanc.

00:22:53: Die Sängerin, mehrfache Bestsellerautorin Herra Lindt ist heute hier zu Gast in der Hörbarus.

00:23:02: Sie war in Bielefeld geboren und benannt nach einer Beatschwester.

00:23:10: Ich habe mal nachgeschaut was eine Beatschwester eigentlich ist und das Wort Beatsschwester existiert nur auf dieser zweiten Ebene.

00:23:16: So nach dem Motto jemanden, der Frommertut als er ist aber du weißt da vielleicht mehr.

00:23:22: Ja, ich hab meine Eltern ja gefragt.

00:23:24: Wie könntet ihr mir das antun?

00:23:25: Mein Bruder heißt Adalbert.

00:23:27: Oh,

00:23:28: Adi wurde der

00:23:29: auch ... Er

00:23:29: wird

00:23:30: Adal-Bert genannt und so.

00:23:32: Und ich Herr Lindt.

00:23:33: Dann haben sie gesagt ist du geboren, wurdest im Klösterchen in dem katholischen Krankenhaus wo mein Vater als Arzt arbeitete.

00:23:40: Da hat abends um zehn immer eine Nonne das Abendgebiet gesprochen über Lautsprecher ins sämtliche Zimmer Und die hieß Schwester Herr

00:23:49: Lindt.

00:23:49: Und das ist dann automatisch eine, also die Vorbeterin ist ne Beatschwester so sagt man?

00:23:53: Ja!

00:23:54: Also das Wort hab ich jetzt gesagt.

00:23:55: Achso okay.

00:23:57: Schön zweitdeutig.

00:23:58: Ja möglicherweise.

00:23:59: Wir wissen nicht was sie sonst noch so gemacht hat.

00:24:02: So deine Mutter, die wir ja schon kurz kennengelernt haben Gerda.

00:24:05: Sieben, zwanzig.

00:24:10: Okay alles klar.

00:24:11: Sie ist an Alzheimer gestorben und es relativ alt geworden.

00:24:14: Sie war sehr dement am Ende.

00:24:17: Gerda hat als Musikpädagogin gearbeitet, auch als Sängerin.

00:24:21: Auch wie du gesagt hast... Chorleiterin,

00:24:24: Dirigentin.

00:24:26: Die hat die ganze Kleinstadt aufgemischt.

00:24:28: Gut!

00:24:29: Dein Vater Felix hatte Felix auch was Fröhliches?

00:24:35: Felix hatte einen trockenen Humor wenn er gut drauf war.

00:24:38: wir nennen das immer ein Papa-Witz.

00:24:40: Wer ist denn eigentlich wir, wenn ich das fragen darf?

00:24:42: Meine

00:24:42: Brüder und ich.

00:24:43: Hast du zwei Brüdern?

00:24:44: Okay

00:24:45: Einer ist schon gestorben.

00:24:48: Dann hatte Papa mal ein Pappawitz gemacht, das kam selten vor.

00:24:51: Meistens saß er sehr schmarlippig am Tisch.

00:24:57: Wie gesagt ich habe ihn in nicht geliebt.

00:25:00: Er kam auch in meine Konzerte oft im Kognito und stand erst beim Applaus auf In der letzten Reihe.

00:25:06: Und dann wusste ich er war da.

00:25:09: Aber Ich glaube dass der Krieg ihm wahnsinnig viel Ausgemacht hat, er war ein sehr sensibler Mensch und er war unglaublich katholisch.

00:25:18: Und damit hatte er gleich zwei große Barrieren im Leben.

00:25:23: Dennoch hatte er einen, wie ich finde, sehr trockenen und schönen Humor... ...und meine Mutter hatte diesen Humor den Ich habe!

00:25:29: Also die konnte laut rauslachen und sie konnte sich auch über Leute lustig machen und die konnte Leute nachmachen und die hat eigentlich unsere Kleinstadt im Griff gehabt.

00:25:41: Wo waren Sie bei deinen Konzerten?

00:25:43: seltener da, weil... Da war auch so.

00:25:48: eine gewisse Konkurrenz hat sich irgendwann herauskristallisiert.

00:25:53: Meine Mutter war recht klein die ging mir nur bis zur Schulter.

00:25:55: ich war ein dickes Stemmiges großes in allem etwas übergröße.

00:26:01: und ja dann durfte ich Gesang studieren.

00:26:04: Sie damals nach dem Krieg nicht, sie durfte überhaupt nicht studieren.

00:26:08: Ihr Bruder durfte Professor werden.

00:26:10: Sie eben Heimlehrerin oder Hausfrau und Klavierlehrerin.

00:26:17: Und dann durfte ich es wieder tun in meiner Generation, dreißig Jahre später.

00:26:22: Ich glaube, sie hatte auch ein bisschen Probleme damit.

00:26:24: Ich durfte gleich als neunzehnjährige eine Südamerika-Tournee mitmachen wirklich große Sachen machen.

00:26:31: Mit Zweiundzwanzig war ich im Kölner Rundfunkruhr und durfte Weltreisen machen, und riesige tolle Werke mitsingen unter Weltklasse-Dirigenten.

00:26:41: Ich durfte noch Karajagen kennenlernen – unter Bernstein habe ich noch gesungen!

00:26:46: Und wenn ich das dann so erzählte und so überbordend in meiner Begeisterung, hat es ihr sicher manchmal auch ein Stich versetzt?

00:26:55: Das Leben war zu ihr nicht so gerecht wie zu

00:26:57: mir.".

00:26:59: Aber in meinem Konzertexamen war sie da und stand mit einem Blumenstrauß.

00:27:04: Das hat mich mit allen wieder versöhnt!

00:27:07: Ist das so?

00:27:08: Weil viele, das ist jetzt ein bisschen küchenpsychologisch... ...viele auch sehr erwachsene Menschen haben immer noch so ein bisschen auf, dass das Bedürfnis oder dieses Spüren immer noch ein bisschen dieses Defizit einer bedingungslosen Liebe.

00:27:26: Auch wenn sie eigentlich – auch wenn die Eltern gar nicht mehr leben!

00:27:29: So kann man jetzt dieser Liebe auch nicht mehr hinterherlaufen.

00:27:31: ganz blöd gesagt und das sind die erfolgreichsten Menschen im Leben, die leiden Dachskonzerne oder schreiben Fünfzig Bestseller Und nichtsdestotrotz ist da immer so ein bißchen diese kleine... Wie nennst du das, wenn so ein Splitter unter die Haut kommt, den man nicht richtig rauskriegt?

00:27:49: Hast du das Gefühl, dass es bei dir auch ... Das

00:27:50: hatte ich sehr lange.

00:27:52: Jetzt hab' ich's nicht mehr.

00:27:53: Aber ich habe lange gebraucht und komischerweise hat man immer die Situationen in Erinnerung, die einen gekränkt haben... jetzt bin ich einfach selber Mutter, inzwischen sogar von erwachsenen Töchtern!

00:28:05: Und auch mir rutschen Dinge raus, die ich eigentlich voller Liebe meine oder voller Sorge meine oder volla Geschwätzigkeit meine.

00:28:13: Und schon sind sie gesagt und bleiben dann wie so ein kleiner Splitter auch in der Seele meiner Töchter sitzen.

00:28:20: Und jetzt erst begreife ich, dass die mir im Grunde nie wehtun wollte... Ja!

00:28:26: Sieh!

00:28:27: Hat da so ein dickes Küken immer gehabt.

00:28:30: Ich war wirklich, ich hieß immer die Dicke und ich war immer dick ... Das ist nicht schön als Mädchen?

00:28:36: Aber dann hieß es zum Beispiel stell dich in die zweite Reihe, dann sieht man dich nicht im Chor oder so.

00:28:41: Und ich glaub sie hat's nie böse gemeint!

00:28:44: Oder stell dich schräg wenn du fotografiert hast.

00:28:46: das macht schlank oder das kaschiert solche Sachen.

00:28:50: heute denke ich Sie hats doch nur gut gemeint.

00:28:52: Das is das was man Therapeutinnen sagt ja die einem den Kopf und sagen alles klar.

00:28:58: Ich erinnere mich an eine Sache, da war ich auch dreizehn, da hatte ich schon richtig viel Busen und war so glücklich in meiner Gymnastikgruppe und sprang da so rum.

00:29:07: und dann hieß es heute kommt das Fernsehen und wir Mädchen aus dieser Gymnasty-Gruppe dürfen vor der Kamera etwas tanzen!

00:29:15: Und ich hab's meinen Eltern vorgetanzt und dann guckten die sich nur an und schüttelten den Kopf und sagten du nicht?

00:29:24: Du gehst nicht vor die Kamera.

00:29:27: Und dann hab ich geheult, warum denn nicht?

00:29:29: Dann guck dich doch mal an.

00:29:31: Letztlich ... Ich hätte vielleicht ja einen Sportbh.

00:29:34: Das ist wahrscheinlich gelöst aber nein sie waren einfach nur entsetzt und ich durfte als Einzige von diesen zwölf Mädchen nicht vor die Kamera stand dahinter der Kamera und hab gewinnt und Krimasten gezogen um sie zum Lachen zu bringen.

00:29:48: also habe das Tapfer weggelächelt.

00:29:51: Aber dass war auch so eine Situation Die mich eigentlich dahingebracht hat wo ich heute bin.

00:29:57: Weil dieses Tapfer, es geht mir auch nicht darum wirklich nicht.

00:30:00: und wenn du dich unwohl fühlst damit.

00:30:02: Ich will jetzt nicht dein innerstes nach außen

00:30:04: ziehen.

00:30:07: Aber das was du da gerade erzählst ist letztendlich das was man wirklich auch wie so eine Narbe oder so.

00:30:14: aber weil man so jung ist und weil diese Bezeichnungen so eindringen Die nimmt man mit, die schleppt man mit.

00:30:22: Man kriegt das dicke Kind nie aus dem Schlanken Erwachsenen oder wie auch immer und es ist egal ob deine Eltern dann gefunden haben dass du ein bisschen zu plump oder zu dumm oder zu dick oder zu laut.

00:30:33: Also irgendwie isst man gerade Mädchen sind ja oft zu, ne?

00:30:36: Sei doch mal ein bisschen weniger Burschikos, sei doch mal etwas weniger laut, stell dich doch in die zweite Reihe!

00:30:41: Und das ist wirklich sehr, sehr schade.

00:30:43: also insofern hast du dich da ja wirklich mit deiner Fantasie und deinem Erfolg hast Du Dich auf den Weg gemacht.

00:30:49: Also hast du das schon für dich wahrscheinlich geklärt?

00:30:53: Für dein Selbstbewusstsein auch, für deine Selbstsicherheit.

00:30:56: Ich kann mich jetzt so gut in meine Protagonistinnen hineinversetzen die mir ja oft ihre Geschichten erzählen aus welcher Kindheit die kommen.

00:31:05: noch gar kein Vergleich was sie durchmachen mussten oft in ihrer Kindheit und ich kann sie abholen ich fühle Sie ich kann mich in sie hinein versetzen.

00:31:17: Musik In unserem Fehl.

00:31:20: Ja, gollalaf!

00:31:22: Black Föess steht für welche Zeit in deinem Leben und für was?

00:31:28: Ich bin dann zum Studieren nach Köln gekommen von Bielefeldt nach Kologne.

00:31:32: Du wolltest Lehrerin werden erst mal.

00:31:33: Ich wollte

00:31:34: erstmal blinden Lehrerin

00:31:36: sein.

00:31:36: Wie bist du da draufgekommen?

00:31:38: Ich hatte mal einen blinden Freund auch im Chor kennengelernt und habe mich um den gekümmert.

00:31:43: Ich hatte auch so ein Sorge-Syndrom Und hab dann Blindenschrift gelernt und fand es unheimlich spannend, was dieser blinde junge Mann, der war auch hochmusikalisch.

00:31:54: Was er so aus seinem Leben gemacht hatte.

00:31:57: Da hatte ich gedacht, ich werde Blindenlehrerin.

00:31:59: Ich habe mit ihm immer geschrieben in Blindenschriften.

00:32:03: Aber dann...

00:32:04: Wie schreibt man den Blinden-Schrift?

00:32:05: Da brauchst du

00:32:06: so eine Maschine.

00:32:07: Das

00:32:07: ist die Brei Schrift, also nicht breik

00:32:09: wie man nun ist sondern französisch und man tippt mit einem Kugelschreiber habe ich das gemacht oder an der Stricknadel in eine Pappe hinein bis zu sechs Punkte wie auf einem Würfel und jede andere Formation ist ein anderer Buchstein

00:32:24: Und das machst du händisch, da gab es also kein ... auch für so eine Schreibmaschine gibt's ja wahrscheinlich.

00:32:34: Ich hatte vor

00:32:35: Kurzem eine blinde Teilnehmerin in meinem Schreibseminar.

00:32:38: die kam mit zum Köfferchen an und stellte diese Schreib Maschine auf den Tisch wirklich in einem rasenden Tempo genauso schnell geschrieben wie alle anderen und es konnte dann auch vorlesen, indem sie mit dem Finger daran entlang

00:32:51: glitt.

00:32:51: Kannst du das noch?

00:32:52: Nein!

00:32:53: Mit dem Finger habe ich's nie lesen können.

00:32:54: Ich hab's mit den Augen gelesen.

00:32:56: Oh... Und kannst du das doch?

00:32:59: Einzelne Buchstaben so ähnlich wie eine Fremdsprache die man nicht mehr trainiert ja.

00:33:03: Aber gut.

00:33:04: Aber ich

00:33:05: habe dich unterbrochen und du wolltest Lehrerin.

00:33:07: Ja, dann

00:33:08: war ich in Köln gelandet und bei einer pädagogischen Hochschule um erstmal das Grundstudium zu machen.

00:33:13: Und dann habe ich an der Musikhochschule vorgesungen und wurde genommen.

00:33:16: Dann hab' ich mein Lehrerexamen für ganz normal Gymnasium gemacht Also nicht mehr Sonderpädagogik Das wäre da noch ein Aufbaustudium geworden.

00:33:25: Hab aber das Lehrerexam gemacht und gleichzeitig Gesang studiert.

00:33:29: ja und dann ging mein Leben los.

00:33:31: Das zweite Leben Die Hüße und Jasse, die stündt schon beim Klaven.

00:33:52: Ist das vorbei?

00:33:59: Weht Schaff auf der Ecke, stammt die Männer an der Teg!

00:34:07: Die Frau lügst schon sitzen, beim Schwätzchen zusammen.

00:34:13: ist das vorbei.

00:34:26: Da ist eine Großidentifikation.

00:34:28: Nach wie vor wäre Köln ne Stadt, in der du ... Du lebst jetzt in Salzburg?

00:34:34: Ich hab zwanzig Jahre in Kölne gelebt und hab es geliebt.

00:34:37: Und da zwei meiner, also meine beiden erwachsenen Söhne wieder dort leben sind wir auch sehr oft da.

00:34:44: Und ich bin sofort wieder zu Hause.

00:34:47: Würdest du einen dort wieder hinziehen?

00:34:50: Wäre das für dich möglich oder wäre das so eine Art Rückschritt, da wieder hinzugehen?

00:34:55: Wir wurden natürlich von den Kindern gefragt, weil dort auch die Enkel sind und wir sie da sicher hätten unterstützen können.

00:35:03: Aber nachdem man in Salzburg lebt, da gibt es überhaupt keinen zurück.

00:35:07: Also Salzburg hat eine solche Lebensqualität.

00:35:09: alleine die Umgebung das Salzkammergut, die Skigebiete, die Wandergebiete Die vierzehn Badesäen, die in unmüllbarer Nähe sind wo ich mit dem Mountainbike mal eben hinfahren kann.

00:35:20: Das hast du in Köln nicht.

00:35:21: Du

00:35:21: arbeitest fürs fremden Verkehrsamt wahrscheinlich, vierzehnt Badesähnen Wo kommen die denn so aus der Pistole geschossen?

00:35:27: Ja fliegt mal los!

00:35:28: Ich kann sie dir alle von oben nennen Und

00:35:30: du marschierst Manchmal mit deinem Mann am Abend, wahrscheinlich in den Monaten, in denen es länger hell ist noch über den

00:35:39: Mönchsberg.

00:35:42: Jeden

00:35:42: Abend.

00:35:43: Auch wenn's stockdunkel ist, wenn's schnallt und regnet.

00:35:46: Das ist eine Energiequelle!

00:35:48: Und das ist ein Berg mitten in der Altstadt wie so'n gestrandeter Wal.

00:35:53: aber der ist ... Wie viel Meter ist er hoch?

00:35:55: Wir gehen zweihundertfünfzig Stufen Und dann geht man einmal über den ganzen Bergrücken und kommt auf der anderen Seite wieder runter.

00:36:01: Und da oben ist so eine Bank, auf der man sitzt?

00:36:03: Mehrere!

00:36:03: Dann

00:36:03: guckt man mehrere Fürzelnbänke...

00:36:05: Ach, bestimmt hundert!

00:36:08: Da habe ich schon mehrere Gasthäuser... Ich muss

00:36:10: zwei mal als fremden Verkehrsbeauftragte noch drauf haben befinden.

00:36:13: Eine nette Hütte wo wir was trinken können.

00:36:14: Das ist da oben total erschlossen das ist ja alles

00:36:17: erschlossen.

00:36:17: Ja doch

00:36:19: also Mönchensberg ist fantastisch.

00:36:21: Man kann auch mit dem Aufzug rauf fahren aber wir gehen immer die Gleiche Runde und das ist auch diese Routine.

00:36:27: Ist so toll, dass jeden Abend um sieben zu machen!

00:36:31: Unser Gespräch begann damit, dass ich dich fragte ob du Ritualistin bist und du hast erst ein bisschen zürgerlich geantwortet.

00:36:37: Ich halte mich für ziemlich faul

00:36:39: und unorganisiert.

00:36:41: Ich bin total flexibel.

00:36:42: aber was ich natürlich weiß und noch nicht preisgeben wollte weil ich dachte das soll es doch du erzählen um neunzehn Uhr klingelt die Schiffsglocke.

00:36:51: also das heißt Engelbad der auch sehr lange auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet hat und da habt ihr euch auch genau kennengelernt auf dem Traumschiff, um das auch gleich mal hinzuzufügen.

00:37:02: Jetzt

00:37:03: geht es schichner?

00:37:03: Na ja!

00:37:04: Das Leben halt und dann geht ihr erst spazieren.

00:37:08: und um dann das nächste Ritual leicht dran zu hängen...

00:37:11: Wir machen entweder oder also entweder zehn Sätze Tischtennis oder wir gehen über den Mannsberg.

00:37:17: Also jedes Mal nochmal eine Stunde wirklich gute Bewegungen.

00:37:20: Gut.

00:37:21: Zehn Sätze Tischtennis.

00:37:24: Ihr habt ne weiße Tischtennesplatte.

00:37:26: wo kommt die denn her?

00:37:27: Aus Barcelona Wirklich?

00:37:29: Das ist nicht so ein grünes Ding zum Zusammenklappen und in die Garage schieben, sondern das steht da immer.

00:37:34: Das sieht

00:37:35: so aus als wenn Udo Jürgens daran gespielt hätte.

00:37:38: Warum?

00:37:38: Wo kommt sie?

00:37:39: Und ihr habt den Barcelona entdeckt und dann

00:37:42: herbringen lassen.

00:37:42: Also Engelbert ist wirklich ein bisschen verrückt was Einrichtung anbelangt aber im positiven Sinne also würde sagen ja wir sind schon sehr interessant eingerichtet.

00:37:51: unter anderem haben wir diese große weiße massive Tischtennisplatte.

00:37:56: Wir auch Weihnachten mit achtzehn Personen essen.

00:37:58: Das ist ein Argument,

00:38:00: an der unsere Schreibseminare stattfinden?

00:38:02: Ja natürlich!

00:38:04: Und an der wir uns abends austoben.

00:38:06: und wenn ich sehr schwere Stoffe habe die zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg spielen Verschleppung nach Sibirien da hatte ich unfassbare Geschichten dann holte mich wirklich mit der Schiffsglocke raus.

00:38:19: und dann weiß ich so jetzt muss sich aufhören sonst kann ich heute Nacht nicht schlafen.

00:38:23: Und dann kloppen wir uns die Bälle um die Ohren, wie alten Rentner.

00:38:28: Die ersten drei Sätze gewinnt eher immer, weil ich noch nicht mit der Geschichte fertig bin und dann merke es ganz genau... Dann übernehme ich die Führung.

00:38:35: Ich war nämlich mal im Tischtennisverein.

00:38:36: also ein bisschen kann ich so...

00:38:37: Weiß er das?

00:38:39: Ja, das weiß er!

00:38:40: Ist trotzdem so ein Tapfer.

00:38:42: Meistens sagt er muss es heute sein und ich sage heute muss es wirklich dringend sein.

00:38:46: Geht er lieber spazieren als Tischtenners

00:38:47: zu spielen?

00:38:48: Das hält sich die Waage.

00:38:50: Also ich bin immer diejenige, die sagt komm jetzt tun wir noch ein bisschen was dann.

00:38:54: Dann freuen uns auf die Tagesschau oder auch den Spielfilm danach oder was auch immer.

00:38:58: Was

00:38:58: ist denn deine Stärke?

00:38:59: Vorhand und Schmettern.

00:39:01: Aber Topspin

00:39:02: also.

00:39:02: früher konnte ich das alles mal aber so vor zwei Jahren habe ich sogar noch meine Söhne besiegt.

00:39:08: Ich glaube jetzt versuche es nicht mehr weil jetzt werde ich ja auch etwas...ich lasse nach

00:39:14: Weiß ich gar nicht.

00:39:14: So wirkt so nicht auf mich, nee.

00:39:17: Vielleicht macht das was mit mir im Kopf?

00:39:19: Ja aber deine Söhne werden ja auch nicht jünger.

00:39:21: entschuldige bitte.

00:39:21: Die sind jetzt voll saft.

00:39:24: Mit Mitte, Dreißig anfangen.

00:39:26: Ja Ende dreißig!

00:39:27: Die haben alle so heitere Namen in deinen Kindern die können gar nicht schlecht gelaunt sind.

00:39:31: Nee Felix Florian Fritzi und Franzi oder so.

00:39:37: Wahnsinn Gut, unsere erste Hälfte ist schon rum.

00:39:44: Gleich steigen wir in auch das zweite Kapitel quasi oder die zweite Hälfe deines Lebens noch tiefer ein, aber nicht ohne vorher die Kingsingers gehört zu haben.

00:39:55: Als Stichwort habe ich hier vergöttert – die Kingsingers, die hier Johann Sebastian Bach dekonstruieren.

00:40:03: Ach es ist

00:40:04: so geil!

00:40:04: Ja?

00:40:06: Würdest du noch einen Satz dazu sagen?

00:40:08: Ich glaube, das ist diese Tokata in Demol.

00:40:11: Da-da-da!

00:40:12: Verstehender, das kennen wir natürlich alle.

00:40:14: Die

00:40:14: meine Mutter immer auf der Orgel dröhnte.

00:40:16: Viel zu laut, viel zu laut

00:40:17: Ja und die singen die.

00:40:19: Und dann fangen sie aber an den Johann so ein bisschen auseinander zu nehmen Den großen heiligen Johann Sebastian Bach Der riesig über meiner Tischtennisplatte hängt.

00:40:30: Aber nur weil ich den geerbt habe

00:40:39: Scherzbach war's in der Fix.

00:40:45: Scherzesbach... ...kundenfeindenabendsohn!

00:41:07: Heralind ist heute hier zu Gast.

00:41:10: Ist das die Heralin, die in den Neunzehntenneunundsiebzig den Bundeswettbewerb Gesang gewonnen hat?

00:41:16: Genau die ist es!

00:41:18: Du hast also zusätzlich zu deinem Theologie und Germanistikstudium in Köln dann auch noch Opern- und Konzertgesang.

00:41:29: Das

00:41:38: war aber ein Riesenglücksfall.

00:41:40: Ich war gerade mit meinem Co-Repetitor am Üben.

00:41:43: schwere Dvozha Glieder, ganz traurige dramatische Dvoza Glieder.

00:41:48: Da sagte er, er müsse jetzt früher gehen weil er einen Vorsingen beim Rundfunk-Core begleitet.

00:41:53: Und dann sagte ich was ist RundFunk-Corps?

00:41:55: Ich dachte, weißt du was kommt noch mal mit!

00:41:57: Dann hat der irgendwie drei Upranistinnen begleitet und ich hörte das von draußen natürlich da große Sendesaal im WDR, das ist ja alles ganz heilig da.

00:42:07: Dann kam heraus und sagte die wollen dich hören, die brauchen eine Altistin.

00:42:12: Und ich war eingesungen, ich hatte das Zeug drauf.

00:42:14: Ich hatte überhaupt keine Zeit aufgeregt zu werden oder mir Gedanken über mein Leben oder meinen Sterben zu machen.

00:42:20: Ich glaube, ich suchte gerade noch einmal kurz die Toilette auf und dann habe ich diese Vajaglida zum Besten gegeben.

00:42:26: Dann haben sie gesagt raus erst mal, Sie wollen verhandeln und dann nochmal reinkommen.

00:42:31: was haben sie noch mitgebracht?

00:42:33: Dann packt der Corepetitor sein ganzes Zeug aus, was er alles gerade mit mir geprobt hat!

00:42:38: Und durfte ich noch mehr sehen auch Opernarien wieder raus geschickt und dann können sie auch vom Blatt singen.

00:42:45: Weißt du, was das bedeutet?

00:42:46: Ja!

00:42:47: Na ja, ja... Du bist ein

00:42:48: fremdes Notenblatt in die Hand und musst es absingen.

00:42:50: Und dann hat nicht mein Korrepetitor, der mich offensichtlich mochte, spielen dürfen sondern der dortige, mich-nicht-kennende.

00:42:59: Der hatte nur ganz stuisch das A gedrückt und sagte so den Rest müssen Sie jetzt

00:43:03: singen.".

00:43:04: Es war ein ganz modernes Stück wie Fliegenschiss Und ich hab's irgendwie hingekriegt, Penderecki oder irgendwas.

00:43:11: Pendereckski?

00:43:13: Ja mindestens wenn nicht schlimmer.

00:43:14: also da gab es ja noch Deutsch... Ich

00:43:15: kenne Penderecka gar nicht aber ist das kompliziert...

00:43:18: Ich dachte du sagst jetzt ach hier dass David Mathe das kenn'n ich auch und so

00:43:25: Das kennt man.

00:43:26: Auch wenn ich gerade nicht weiß, was es ist ... Ich stand

00:43:29: die Mutter unterm Kreuze und weinete bitterlich.

00:43:32: Okay den Text vielleicht nicht über möglicherweise die Melodie?

00:43:35: Es gibt von Penderetski das ist etwas sehr modernes.

00:43:37: Von Palestrina ist es wesentlich bekannter Und von Pergolesi ebenfalls

00:43:42: Und sie waren begeistert und du hast sie unter dem Tisch gesungen.

00:43:44: Wir

00:43:44: haben ja einfach eine Mine also auf immerhin alle vierzig Chormitglieder und das ist ja ein Berufschor.

00:43:51: Und hinterher habe ich erfahren, dass sich hundert Leute auf eine Stelle bewerben.

00:43:56: Ich war einundzwanzig und hab sie gekriegt!

00:43:59: Und dann musste ich natürlich nicht mehr in den Lehrercontainer, im Eschweiler.

00:44:02: In der Gesamtschule und zur Klampe singen.

00:44:05: Danke für meine Arbeitsstelle.

00:44:07: Danke für die Arbeitsställe!

00:44:11: Ja da hat dich eine bessere dann erwischt.

00:44:14: Gut ist also du warst dann da... Du bist auf Tour gegangen?

00:44:17: Du warst auch Solo-Sängerin in Japan, in Israel, in Südamerika.

00:44:23: Also das muss schon ziemlich spannend gewesen sein, aber es gab auch viele Pausen.

00:44:27: Das sage ich deswegen weil diese Pausend wichtig waren denn in diesen Pausenden während anderer Monopoly gespielt haben oder Makramee gemacht haben hast du geschrieben?

00:44:37: Du hast Tagebuch geschrieben.

00:44:38: Ja das war Tagebuch Aber pausen heißt einfach wir probten und du musst dir einfach vorstellen so ein Chor.

00:44:45: also er besteht mindestens aus vier Stimmen Sobran al-Tinobas.

00:44:48: Ich war alt Ich war sehr jung, aber beruflich alt.

00:44:52: Die proben ja auch mal einzeln schwere Stellen oder moderne Stücke, die wirklich ... Also waren oft eine halbe Stunde lang zum Beispiel nur der erste Tenor beschäftigt und die anderen saßen rum, lösten Kreuzworträsel, lasen, illustrierte, verkauften einander ihre Kartoffeln- oder Erdbeeren aus dem Schrebergarten oder was sie so machten – was alles störte?

00:45:12: Und ich schrieb einfach nur Tagebuch!

00:45:15: Und davon habe ich sicher fünfzig vollgeschrieben in meiner Zeit damals als Konzertsängerin.

00:45:21: Gibt es die noch?

00:45:22: Ja, die stehen alle ganz brav im besagten Regal.

00:45:25: das war ja der Anfang.

00:45:26: Ach, dass war der Anfang!

00:45:27: Ja

00:45:27: und da wusste ich, ich schreibe gern eigentlich nicht Ich schrei be gut weil's war nur für mich.

00:45:34: Hast du es nur für dich geschrieben?

00:45:36: Ja, nur für mich.

00:45:37: Und ich hab's auch nie wieder durchgelesen!

00:45:39: Aber das Schreiben war so eine Freude... Also ich bin ja ein mitteilsames Tierchen und wenn du da die Klappe halten musst in so einer vierstündigen Probe- oder Rundfunkaufnahme habe ich mit mir selber eigentlich

00:45:50: gesprochen.

00:45:51: Was waren die Dinge, die du mit dir selbst besprochen hast?

00:45:54: Waren das die Sachen, die Du erlebt hast auf... stelle ich mir das jetzt zu spektakulär vor, die ganzen Reisen.

00:45:59: aber du warst ja noch ungebunden,... ...du warst jung bis dann dieser Arzt in dein Leben kam, Mitte der Achtziger und du dich verlieben musstest.

00:46:07: Und dann zack!

00:46:08: Schwanger?

00:46:10: Ja.

00:46:10: Das haste

00:46:10: das alles mal zusammengefasst ganz

00:46:12: schnell.

00:46:12: Naja wir wollen ja noch auf etwas hinaus.

00:46:14: Es kommt ja auch noch ein großer Partner.

00:46:17: Ich

00:46:17: erzählte mir noch bei einem Respekt.

00:46:19: Mitte der Achziger sind wir ja gerade

00:46:21: erst.

00:46:22: Das Leben machte noch Spaß und ich war frei... Dann kam

00:46:28: der

00:46:28: Arzt.

00:46:29: Ich will das überhaupt nicht, da kam der ... Du hast geschrieben

00:46:31: bis der Arz kam?

00:46:32: Ja, ich hab geschrieben bis

00:46:33: er arzt kam und der kam und rückte dann mit einer Videokamera in meinen Konzerten an und kaufte sich immer zwei nicht immer.

00:46:41: also es ist jetzt gemein.

00:46:42: wenn ich das sage hat es durchaus mal getan dass er sich zwei Plätze kaufte um auf dem Vleerenplatz seine Videokamera aufzubauen mit dem Stativ, um mein Konzert zu filmen.

00:46:53: Also ich hatte dann einen großen Fan gewonnen.

00:46:55: Als er noch gar nicht... also als es sich gerade erst anbahnte?

00:46:58: Genau!

00:46:59: Aha interessant

00:47:01: Mhm.

00:47:01: Er hat dich dann da gefilmt, na gut!

00:47:03: Er filmte mich auch bei den Geburten um jetzt schon wieder ein großes Zeitsprung zu machen.

00:47:06: Okay das

00:47:07: finde ich toll dass du das von dir aussagst.

00:47:09: Ich habe nämlich äh...das Video ist viral gegangen?

00:47:11: Ich hab das gesehen.

00:47:12: Hahahaha

00:47:13: er hat dreimal die Klappe drauf gelassen von lauter Aufregungen und beim vierten mal habe ich gesagt Mama die Knappe ab und ich will auch was davon haben.

00:47:25: Bettina ist gerade im Lachschock.

00:47:31: Das ist die lustigste

00:47:33: Sache der Welt.

00:47:35: Mann filmt drei Geburten mit der Klappe davor.

00:47:38: Okay, wenn man das beim ersten Mal macht sagt man doch oh Mann und ich war so beschön, ich war aufgeregt!

00:47:45: Aber wir

00:47:45: haben ein Video, das vom jüngsten Kind und das gucken wir immer zusammen.

00:47:51: Das stimmt natürlich nicht oder?

00:47:54: ich weiß nie ob es stimmt.

00:47:54: Ich würde mich jetzt sehr wundern wenn ihr das noch zusammengucken würdet weil eure Ehe schon längst nicht mehr funktioniert.

00:48:02: Es war Sodom und Gomorrah ihr wart wild zusammen.

00:48:06: Sehr zufrieden meiner Eltern die dann auch jahrelang sich eher aushielten.

00:48:10: aus meinem Leben

00:48:13: Hingehen würde ich gerne wissen, jetzt ohne Quatsch.

00:48:16: Wenn man die Geburt seines Kindes filmt.

00:48:18: Wer guckt sich das wie häufig an?

00:48:20: Mit welchen Gefühlen?

00:48:21: Was ist das von Dienstag, an dem man sagt ... Weißt du was wir heute machen?

00:48:27: So nach dem

00:48:27: Scrabble?

00:48:30: Die vier Stunden dieser Geburt und der Dammere ist alles floss!

00:48:37: Das war so schön.

00:48:37: Also ich hab's, glaub' ich, ein einziges Mal gesehen und es ist auch im Verbleib meines Ex-Partners geblieben dieses Video und meine Tochter hat's aber, glaube ich... also die Besagte, die dann damals da auf die Weg jetzt auch einmal gesehen und ich glaub', das reicht dann auch.

00:48:51: Das war der Moment in dem sie Beschlaussregisseurin zu werden oder?

00:48:55: Ist sie,

00:48:56: oder?!

00:48:57: Okay!

00:48:58: Gut Wir trinken

00:49:01: jetzt ein Wasser.

00:49:04: Es

00:49:05: ist alles ganz natürlich, also du bist dann Schwanger geworden und durftest nicht mit Touren die sind dein Rundfunkkorb für den du insgesamt sechzehn Jahre gearbeitet hast gesagt ja sorry

00:49:19: gar nicht.

00:49:20: die wollten mich schon gerne mitnehmen weil ich Ich war auch immer ein lustiges Tierchen.

00:49:24: Aber ich war so hoch schwanger, dass die Fluggesellschaft mich nicht will mitgenommen hat – die japanische.

00:49:29: Gut und das heißt wie in jedem anständigen Start-up auch hast du in der Garage gesessen?

00:49:35: Hast dich hingesetzt?

00:49:36: Das war eine beheizte Garage, ihr seid in der Zeit glaube ich gerade umgezogen?

00:49:39: Ja!

00:49:41: Er kam an

00:49:42: aus der Praxis, sagte was machst du hier?

00:49:46: Ich denke du bist in Japan und brachte seine ganzen Patienten-Dateikarten mit die er auf den Computer übertragen wollte.

00:49:53: Das war im Jahr sieben Achtzig.

00:49:55: da haben alle Arztpraxen, alle Firmen ihr gesamtes Papierkramgedöns alles in den Computer eingegeben.

00:50:01: Dann sagt er mach doch jetzt mal etwas Sinnvolles!

00:50:05: Da kannst Du noch jetzt die ganzen Dateikkarten übertragen Und hat mir einen Computer hingestellt, der erste meines Lebens.

00:50:13: Da war ich begeistert von der Tastatur und der Schnelligkeit und dem löschen können.

00:50:20: Dann habe ich angefangen Roman zu schreiben.

00:50:22: Im Gegensatz zu deiner Mutter hattest du ja das Blind-Tippen?

00:50:27: Ja

00:50:27: relativ.

00:50:28: Aber ohne hinzuschauen, konntest du zehn Finger... ...und hast dir dann deine erste Geschichte einfallen lassen im achten oder neunten Monat!

00:50:37: Also eigentlich musste ich nur meine Tagebücher abschreiben, mehr oder weniger.

00:50:40: Zusammenschuss dann zu einem Roman.

00:50:42: Ein Mann für jede Tonart spielt im Sänger-Milieu die Heldin ist eine...

00:50:48: Noch nicht sagen!

00:50:49: Passt mal auf, wer machen wir?

00:50:50: Oder von

00:50:50: Katja Riemann dargestellt.

00:50:53: Stimmt!

00:50:53: Ich durfte ihr die Stimme leiden.

00:50:55: also wenn sie da den Mund aufmacht und singt das war meine Stimme.

00:50:59: Aber jetzt bin, habe ich auch schon wieder ein Zeitsprung gemacht.

00:51:01: Ich glaube du wolltest noch etwas anderes hinaus.

00:51:03: Wir springen sowieso die ganze Zeit so hin und her dass das darauf jetzt nicht mehr ankommt.

00:51:07: Gut!

00:51:07: Das finde ich gut.

00:51:08: Ich würde sagen die nächste Musik erst mal nichts ist so erlaubend wie ein Elternabend.

00:51:13: Eltern-Abend, das passt jetzt eigentlich ganz gut ins Thema?

00:51:16: Auch

00:51:16: Reinhard May war schon hier zu Gast.

00:51:18: eine sehr höhrenswerte Sendung die ihr alle und sie alle auch glaube ich noch.

00:51:23: ja könnt ihr euch noch runterladen.

00:51:25: Wollen wir jetzt einfach spielen?

00:51:26: Oder hast du noch eine Geschichte dazu?

00:51:27: Ja, nur dass ich also ein einziges Mal im Leben auf dem Elternabend war.

00:51:30: Da wurde ich dann zur Protokollführerin ernannt.

00:51:34: Frau Linz, Sie schreiben doch und ich sagte, Ich kann gar nicht schreiben!

00:51:37: Und schon war ich Protokolführerin... ...und dann habe ich weil es

00:51:40: ein

00:51:41: kölscher Elternabent war.

00:51:44: Das erste Kind das erste Schuljahr.

00:51:45: da war ich ja noch ganz aufgeregt und war vorher beim Friseur gewesen und so.

00:51:49: Dann hab' ich wirklich wörtlich mitgeschrieben was die da auf so einem Elternabend von sich geben.

00:51:55: Vom Wegen Sankt Machtdienst um Zuch, habe ich dann mit NCH geschrieben und hab mich köstlich amisiert und beschlossen danach nie wieder auf einen Elternabend zu gehen weil schöner Kunst nicht mehr werden.

00:52:28: Hörbar, et radioe, das ist unsere E-Mail Adresse wenn sie uns schreiben wollen.

00:52:31: Die bestseller die vielfachen Bestsellerautoren.

00:52:34: Hieralind ist heute hier zu Gast und wir sind chronologisch gerade da wo alles los ging.

00:52:39: Siebenundachtzig ein Mann für jede Tonart.

00:52:43: Das war eine Zeit in der es so ... Es gab das Wort Girlism... ganz spezielle Art von Emanzipation.

00:52:55: Ich weiß gar nicht, ob ich das Feminismus nennen würde... wie würdest du das beschreiben?

00:52:59: Ich habe selber damals immer gesagt, Feminismus für Arme.

00:53:02: also ich war überhaupt nicht alles schwarzer!

00:53:05: Ich hab' alles sehr auf die leichte Schulter genommen und über alles gelacht und da traf ich einen Zeitgeist Und hat einfach nur riesiges Glück, dass dieses allererste Manuskript aus der Garage das gar nicht fertig wurde.

00:53:18: Weil dann die Wien einsetzten, dass das genommen wurde und sich eine Million mal verkauft hat gleich als allererstes.

00:53:27: Da habe ich mein Namen erst gewechselt von Herr Lindt-Wartenberg auf Hieralind.

00:53:33: Als ich nach der Geburt wieder kam in den Rundfunkor Meine Kollegen mir mein eigenes Buch zum Geburtstag schenken und dazu sagten, Herr Lin das musst du lesen.

00:53:43: Das ist dein Humor

00:53:45: gut.

00:53:47: letztendlich ist ja dass was man dir auch manchmal in anfangs strichen vorgeworfen hat wer auch immer deine bücher haben sich ja wirklich millionenfach verkauft und waren extrem erfolgreich.

00:53:59: aber es ging schon immer darum kriegen sie sich also.

00:54:03: man hatte so das gefühl das isso

00:54:05: Es war keine Liebeschnulze, wenn du mich darauf festnageln willst.

00:54:08: Ich will

00:54:08: nicht darauf fest nageln sondern ich will eher darauf hinaus dass das eigentlich genau betrachtet eine sehr selbstbestimmte und selbstbewusste Geschichte war Wenn ich das richtig rekapituliere.

00:54:20: Das waren nämlich ne Frau die zwei Liebhaber hat Die jeweils verheiratet waren Und sie wird schwanger und weiß nicht von wem.

00:54:29: Insofern ist es ja eigentlich so ein bisschen bäh.

00:54:32: Also deine Mutter wird gesagt haben

00:54:34: Nee, kommt uns nicht ins Haus.

00:54:36: Die kommen uns nicht in das Haus?

00:54:37: So ein Göl ne?

00:54:39: Hast du denn das Gefühl, würdest du das heute als feministisch markieren oder beschreiben diese Geschichten selbstbestimmt?

00:54:48: Oder würdest Du sagen dass diesen Frauen die Männer dann doch immer sehr wichtig waren?

00:54:53: Ich glaube in die heutige Zeit kann man das überhaupt nicht mehr übersetzen.

00:54:57: Ja, das ist wie wenn du Schienen auswechselst und setzt aber wieder die Lok von damals drauf.

00:55:02: Die fährt da einfach nicht mehr.

00:55:05: Feminismus habe ich dir ja schon gesagt.

00:55:07: Ich hab es eher immer völlig ins Lächerliche gezogen und war wirklich ein damals keine ernsthafte Feministin.

00:55:15: Heute lerne ich von meinen Töchtern so viel über den richtigen Feminismus!

00:55:20: Was ist denn der richtige Feminisme?

00:55:23: Mal hinzuschauen und mal zu sehen, wo ist überhaupt Gleichberechtigung?

00:55:27: Und wie viel ist da noch an Arbeit.

00:55:30: Das könntest du aber auch von einem deiner Söhne lernen der als Arzt glaube ich in Elternzeit gegangen ist und zwar nicht nur sondern glaube ich darauf achtet auch seine weiß ich nicht so eine Frau oder Partnerin zur fünfzig Prozent zu entlasten.

00:55:45: Und selbst das Wort entlasten würden jetzt meine Töchter sagen,

00:55:48: wieso

00:55:48: entlastet?

00:55:49: Was ist denn

00:55:50: das für eine Ausdrucksweise Mama?

00:55:51: Guckt doch mal genau hin.

00:55:53: Ich habe zum Beispiel gesagt er unterstützt aber die Caro.

00:55:56: wirklich toll!

00:55:57: Meine Schwiegertochter, die auch Ärztin ist und da sind die Mädchen ins Gesicht gesprungen was heißt denn hier unterstützt manner?

00:56:04: also von denen lerne ich wie es wirklich sein muss diese Gerechtigkeit von meinen Kindern.

00:56:10: Die sind so fantastisch.

00:56:11: meine Söhne gut die hatten Oper-Männchen.

00:56:14: Ich hatte immer Spaß an Auperrmännchen und hatte sieben in Folge, also nur männliche Auperrs.

00:56:22: Und ich sage es mal ganz liebevoll mit Louriot auch der Kursackenzipfelträger ist ja rein biologisch gentechnisch in der Lage einen Tisch abzuräumen.

00:56:32: In den Neunzigern wo ich jetzt mit meinem Arzt und den Kindern zusammenlebte war das ja noch nicht bekannt.

00:56:39: da hieß es Frau steh auf und mach Und wir hatten immer Oper-Männchen, fröhliche junge Männer aus Südafrika und die machten das.

00:56:48: Aus Südafrika?

00:56:48: Ja!

00:56:50: Warum weiß ich nicht?

00:56:50: Das war von der Agentur, es war ein Einzelfall.

00:56:53: Und die haben gekocht, gespült, geputzt... Die waren fröhlich, die haben mit den Kindern bespaßt.

00:56:58: Die sind mit mir auf Reisen gegangen.

00:57:00: Wenn ich ein Kind stillte, haben sie mir das angereicht und wieder abgeflückt.

00:57:05: Das haben meine Jungs nicht gerade mit der Muttermilch aufgesogen, aber sie haben es gesehen.

00:57:10: Sie sind damit groß geworden und ich finde also Oper-Männchen sind gar nicht so blöd wenn die Gleichberechtigung in einer Familie noch nicht selbstverständlich ist.

00:57:21: Also ich glaube das ist immer eine Sache der Absprache ne?

00:57:25: Ich finde ja auch dass sich Paare in dem Punkt oder überhaupt Familien sehr wohl auch sehr konservativ miteinander verhalten können jeweils die Freiheit haben, das so für sich zu bestimmen.

00:57:37: Natürlich!

00:57:38: Daher auch.

00:57:38: aber ich finde es gut dass deine Töchter dahingehend so sensibilisiert sind und die Söhne offenbar auch.

00:57:44: wir sind ja groß geworden.

00:57:46: mit dem unterstützt doch deine Mutter mal oder ich helfe dir heute mal.

00:57:50: oder was kriegt man zum Muttertag?

00:57:52: Heute mache ich mal das Frühstück und ich bringe mal den Müll raus oder so wo man so sagt Leute Diese ganze Aufgabenverteilung, ihr unterstützt nicht mich sondern ihr wohnt ja hier auch.

00:58:01: Das ist auch euer Haushalt ne?

00:58:03: Ich kriege ja keine Gage dafür dass ich euch hier jeden Tag bekoche und hinter euch aufräume und sauber mache und vielleicht noch einen Halbtagsjob habe oder eine Vollzeitstelle habe und vielleicht sogar alleine erziehe.

00:58:16: also das sind alles Sachen die müssen gesehen werden und die müssen auch verhandelt werden.

00:58:22: Ich hab noch einen anderen Podcast, da spreche ich häufig auch mit Leuten darüber.

00:58:26: Auch gerade mit Männern die als Kinder und Jugendliche gebeten wurden von ihr oder ganz selbstverständlich gebetet wurden auch in der Küche zu helfen oder den Tisch abzuräumen oder auch die Wärsche zu machen was sie heute quittieren mit einer Unabhängigkeit und eine Leichtigkeit ohne dass wir das Gefühl haben jemals enteihert worden um es mal so zu formulieren.

00:58:48: also insofern

00:58:49: Also komediantisch habe ich das damals schon.

00:58:52: Er ahnt diese Problematik und hat sie immer so ein bisschen hochgenommen oder mich drüber lustig gemacht.

00:58:57: Und das war der Erfolg dieser Bücher!

00:59:00: Ich habe es halt nicht verbissen gemacht, wie es manche gemacht haben sondern komödientisch.

00:59:05: Heute weiß ich aber dass das nur die Spitze des Eisbergs war.

00:59:10: Das war eben deine Frage was ist eigentlich der wirkliche Feminismus?

00:59:15: Männer müssen Feministen sein Dann wird die Sache rund.

00:59:18: Ich glaube es hat viel mit dem Begriff zu tun, ich glaube dass sich viele Jungs und Männer schwer tun weil dieses Feminin da irgendwie drin steckt.

00:59:27: Da können jetzt Leute die Augen verdrehen und sagen muss doch egal sein!

00:59:31: Ich glaube das ist die wichtigen Themen unserer Gesellschaft mit den falschen Begriffen einherkommen oder einhergehen.

00:59:38: Der Feminismus ist ein zu weibliches Wort, als dass sich Männer damit leicht identifizieren glaube ich.

00:59:43: Femizid ist einzu softes Wort um zu erklären was eigentlich dahinter steckt.

00:59:49: Sexismus wird völlig falsch verstanden.

00:59:52: Sexismus hat nicht immer etwas mit Sex zu tun sondern kommt aus dem Englischen und hat etwas mit Geschlecht zu tun.

00:59:57: sprich Eine Frau wird benachteiligt oder ein Mann wird bevorzugt, weil er ein Mann ist.

01:00:03: Also insofern ich glaube dass wir uns nochmal die Mühe machen müssen diese Begriffe vielleicht neu zusammenzusetzen oder bessere Begrücke dafür zu filmen denn wir müssen damit leben und damit arbeiten und wir müssen sie ein bisschen verändern glaub ich.

01:00:16: Musik.

01:00:17: und dann kommen wir mal zu deinem.

01:00:18: Wir müssen ja irgendwie auch in die Gegenwart kommen In den zweiten final zweiten Teil eines Lebens der noch einmal mit so einem richtigen Donner begann Und jetzt eigentlich auch schon wieder richtig gut schwingt.

01:00:32: Du bist glücklich in deinem Leben, du bist zufrieden und du bist sehr erfolgreich!

01:00:36: Wir hören jetzt erstmal die Beatles für Engelbad.

01:00:38: Habe ich das richtig verstanden?

01:00:39: Als kleinen Gruß In My Life.

01:01:01: Einen Mann für jede Tonart wird geboren.

01:01:04: Verkauft sich Art-Hoc eine Million Mal, wird fürs Kino verfilmt, in siebzehn Sprachen insgesamt übersetzt.

01:01:12: Dann eine zweite Schwangerschaft.

01:01:14: Lässt gar nicht so lange auf sich warten, du schreibst wieder zum Ende der Schwangerschaft hin.

01:01:19: den nächsten Bestseller Frau zu sein bedarf es wenig.

01:01:22: und so geht das eigentlich weiter und weiter.

01:01:24: Es geht weiter mit dem Supervibe Das dritte Kind und der Dritte Bestselle.

01:01:30: allerdings glaube ich dass dato bis dato dann erfolgreichste Buch ne?

01:01:35: Ja ja das

01:01:35: ging richtig durch die Decke.

01:01:38: Ich gehe davon aus, dass das einen starken Einfluss auf eure Dynamik als Partner genommen hat.

01:01:47: Abgesehen davon, dass du auch in der Öffentlichkeit ständig damit konfrontiert wurdest, dass dich Leute gefragt haben.

01:01:53: In so ganz qualifizierten Interviews kam dann doch um die Ecke.

01:01:56: aber jetzt... müssen Sie schon mal erzählen, warum sie eigentlich nicht heiraten.

01:02:01: Also je nachdem wann es geführt wurde zwei Kinder zusammen.

01:02:04: Sie haben jetzt drei Kinder!

01:02:05: Sie haben vier Kinder zusammen und sind immer noch nicht verheiratet.

01:02:08: Du musstest dich da ganz schön häufig rechtfertigen.

01:02:11: War das für dich auch... Hatte das was spielerisches?

01:02:14: Manchmal hatte man das Gefühl, du freust dich auf diese Frage.

01:02:17: Hast du da noch alte Interviews gehört und was habe ich da geantwortet?

01:02:20: Du warst eigentlich ziemlich ... Du sagst, es ist doch so deine Entscheidung oder eine sehr persönliche Entscheidung.

01:02:27: Man merkt aber dass das irgendwie an dir wegrutschte weil du diese Frage schon zwanzig mal zu häufig gehört hast.

01:02:34: Das drang nicht mehr in dich ein.

01:02:35: Ich weiß nicht wie's die ersten Male waren Aber du warst damit ziemlich lässig wenn jemand plötzlich so erfolgreich wird, aus dem Nichts quasi.

01:02:45: Also wir reden ja nicht darüber dass du keine Ahnung ne Boutique aufmachst und auch das wäre toll!

01:02:51: Und dann verkaufst du tolle Klamotten und verdienst dein eigenes Geld sondern plötzlich bist Du Bestsellerautorin, du gibst Interviews, du wirst in Fernsehsendungen eingeladen

01:02:59: Und

01:03:00: das hat nicht mehr gepasst.

01:03:03: Ich meine, letztendlich verändert ist ja die Dynamik einer Partnerschaft glaube ich sowieso wenn kleine Kinder kommen.

01:03:08: also ich mein dass es ja eh schon nach Herausforderung sag ich jetzt hier als kinderlos.

01:03:12: aber ich habe nur ein Augen im Kopf und ich kann mir das ja auch vorstellen.

01:03:17: und vier Kinder innerhalb relativ kurzer Zeit, also das ist ja sowieso schon mal eine Challenge und plötzlich entdeckst du aber auch diese große Liebe fürs Schreiben.

01:03:29: Und dann kommt auch noch dieser Erfolg.

01:03:31: es ist nicht nur beim Schreiben geblieben sondern du sagst Du wirst eingeladen, du wirst in Shows eingeladen, du bist als Moderatorin, du hast da eigene Talkshow Dann hast du irgendwann auch Herzblatt übernommen für ne Weile und so.

01:03:41: Also es kam so eins zum anderen Und du warst auch omnipräsent in der Yellow Press, in den Unterhaltungsmedien.

01:03:50: Also das heißt, im Grunde warst du wie eine Protagonistin deiner eigenen Geschichten inklusive dessen was dann kam nämlich ein Verlieben auf dem Traumschiff.

01:04:04: und da musst du jetzt gar nichts zu sagen oder man hört ja schon zwischen den Zeilen wahrscheinlich war dieses Zusammenleben nicht mehr so ideal.

01:04:14: passt da eine neue Liebe rein.

01:04:15: Ihr seht euch, du und Engelbert verliebt euch und entscheidet zusammen leben zu

01:04:22: müssen.".

01:04:23: Ich glaube im Jahr zweitausend habt ihr euch dann gefunden oder getrennt?

01:04:28: Genau so Jahrtausend

01:04:29: für Ende!

01:04:31: Und dann wird der Medienlebling Hera Lind erstmal angeklagt.

01:04:39: Wie geht das?

01:04:40: Eine Frau die geht Die Kinder sind zwischen zwei und zwölf Jahre alt.

01:04:43: Also das dürfen Männer machen, aber Frauen dürfen das nicht machen.

01:04:48: Und dann ist da ja auch diese Partnerschaft noch recht

01:04:52: frisch!

01:04:53: Ja wir kannten uns elf Tage als dass in der Bildzeitung stand.

01:04:58: Das erste Mal...

01:04:58: Das ist schon erstaunlich, dass ihr da nicht beide also das nicht auch eher gesagt habt.

01:05:03: ich weiß nicht was hier auf mich.

01:05:05: was passiert denn hier gerade?

01:05:06: Ja das

01:05:06: hat er sehr wohl gesagt aber nur zu mir.

01:05:10: Es war wirklich eine schlimme chaotische fürchterliche Zeit, also eigentlich wie so ein Albtraum.

01:05:16: Wie alle schlimmen Albträume auf einmal und gleichzeitig, ganz gleichzeitig begriff ich Ich hab die Liebe meines Lebens gefunden.

01:05:25: Er lebte ja damals in Amerika

01:05:28: So.

01:05:28: und dann kam eines Tages ein Anruf von dem inzwischen verstorbenen Traumschiffproduzenten Wolfgang Rademann, der dich baut glaube ich für ihn zu arbeiten oder?

01:05:38: Ich sagte so am Telefon Frau Lindt wollen sie nicht mal ein paar Folgen für den Traumschiff schreiben.

01:05:43: Und da sagte ich nur wann fahren wir?

01:05:44: Dann sagt er auch mitfahren wollen so hoch!

01:05:47: Oder seid ihr so innerlich?

01:05:49: Ja, nichts wie weg.

01:05:50: Nichts wie raus hier!

01:05:52: Weil es war eben dieser Konflikt den ich jetzt immer stärker spürte und dieses Leinekürzer halten und zurückpfeifen und so... Das gefiel mir einfach nicht.

01:06:01: Ich hatte meinen Haushalt selbst organisiert, ich hatte meine Oper-Männchen und meine Kinderfrau wirklich ganz alleine wunderbar leben.

01:06:11: Und da bin ich mit fliegenden Fahnen damals auf dieses Traumschiff geflogen.

01:06:14: und dann kam eins zum anderen, der indische Ozean.

01:06:18: Es war mein zweihundvierzigster Geburtstag im November also aus dem Regen und dem Sturm in den blauen Himmel und die Wärme und diese Leichtigkeit.

01:06:28: Da waren gerade die Dreharbeiten und es wurde zu viel gelacht!

01:06:31: Dann saß sich da im Ruth Maria Kubicek Outfit mit so einem breiten weißen Hut und ganz in weiße Gewänder gehüllt.

01:06:40: Bravaello!

01:06:42: Ja, saß ich auf dem Schiff wirklich?

01:06:44: Du glaubst es

01:06:45: nicht?!

01:06:46: Und dann kommt der daher in seiner Uniform und fragt worüber ich so lache denn ich las gerade das Supervibe.

01:06:51: Das hatten die da in der Bibliothek und ich saß im Liegestuhl und lachte.

01:06:55: und dann fragte er brauchen sie einen Arzt?

01:06:57: Und da dachte Nee,

01:07:00: hatte ich gerade.

01:07:02: Kann's weitergehen?

01:07:03: Den brauch' ich nicht!

01:07:04: Dann kam er noch mal zurück und sagte was lesen Sie denn

01:07:06: da?!

01:07:07: Und dann hab ich natürlich ganz stolz das windend sich kleine schwarz-weiße Autorenfoto gezeigt und ich sagte sind sie das?

01:07:15: Und so begann alles.

01:07:16: also es war einfach wie ein Traum ja wie so eine Raffaello Praline die auf der Zunge zergeht aber auch eigentlich schon weg ist Und durch gewisse Aktionen von wegen Zurückpfeifen und auch gewisse Anrufe tätigen, ist es dann an die Öffentlichkeit gekommen.

01:07:35: Es wurde schlimmer und es wurden mehr Menschen involviert.

01:07:39: Ich kann jetzt nicht sagen wäre es tatsächlich ein Urlaubsflirt geblieben aber letztlich bin ich wahnsinnig dankbar dass es so gekommen ist.

01:07:49: wir wurden alle erst mal vor den Kopf geknallt Auch leider die Kinder, das ist wirklich schlimm.

01:07:55: Bei uns standen die Paparazzi vor der Tür und im Garten und auf dem Dach.

01:08:00: Und wir sind dann fluchtartig nach Österreich gefahren...

01:08:03: Wo Engelbert, wobei er lebt ihr in Amerika?

01:08:06: Er

01:08:07: stand da also seine Frau ließ sich dann ausscheiden weil sie das nun auch, sie hatte einen Anruf erhalten und dann stand er da.

01:08:15: und dann haben wir gesagt so und dass machen wir jetzt es ziehen wir jetzt durch versuchen's und sind in seine Heimat Salzburg gegangen.

01:08:22: Und das war ein riesiges Glück!

01:08:25: Die ersten Jahre waren schlimm, nicht weil die Leute nicht nett zu mir waren, die lesen keine Bildzeitung also wenig.

01:08:31: es gab Zeiten.

01:08:32: da sind wir jeden Morgen um sechs zur Tankstelle gejockt haben die vier Bildzeitungen.

01:08:38: Wir haben sie weggeschmissen und sind wieder zurückgejockt, um die Kinder in die Schule zu bringen.

01:08:45: Also Österreich hat mich wirklich sehr liebevoll und nett aufgenommen.

01:08:49: es gibt auch diese eine Szene wo ich wirklich ... Ich hatte das selbstbewusstsein einer Erbse Und schlich dazu, diesem Kindergarten bei uns in der Nähe und sagte, ich hätte hier zwei kleine Kinder.

01:08:59: Die müssten in den Kindergärten.

01:09:00: Da sagte die so eine Räschel im Dürndl, langs morgen, wo das als Heid nach sei!

01:09:05: Dann hat er gesagt, wie

01:09:07: darf ich sie gleich hier lassen?

01:09:08: Ja, gern Passtshow, PasstShow.

01:09:10: Dieses Passt Show liebe ich an Österreich.

01:09:13: Passt!

01:09:14: Du kannst kommen, mit welchem Anliegen auch immer.

01:09:18: Das ist einfach fantastisch!

01:09:22: Wir hören jetzt noch einen Song und dann müssen wir ein bisschen was weglassen weil wir ja in die Gegenwart kommen wollen zur Löwenmutter.

01:09:30: Dein aktuellen Buch das als es erschien ist gleich von null auf Platz eins in die Spiegelbeste der Liste eingestiegen ist.

01:09:39: Das muss man erstmal nachmachen.

01:09:58: Heralind ist heute hier zu Gast und dafür, dass wir uns heute zum ersten Mal begegnet sind und kennengelernt haben.

01:10:07: Herzlichen Dank für die Offenheit mit der du auch persönlichere Dinge hier beantwortest und ansprichst eine Sache, die du umgekehrt mit Menschen aber auch erlebst also Menschen, die dir schreiben die dir ihre eigene Lebensgeschichte präsentieren.

01:10:30: Sehr persönlich, sehr offen und verwundbar.

01:10:34: Du hast damit angefangen als es einen Cut gab in deinem Leben.

01:10:37: Es gab einige Cuts in deinm Leben.

01:10:39: Wir sind jetzt gerade in Österreich, ihr zieht zusammen.

01:10:43: eigentlich ist alles gut.

01:10:44: dann kommt ein finanzielles Desaster.

01:10:48: Ich kann nur sagen wirklich Hut ab.

01:10:49: Du hast sehr viel Geld verdient und du hast sehr, sehr viel gelb verloren durch falsche Investitionen.

01:10:54: Und du hast es geschafft.

01:10:55: und am fünftigsten habe ich glaube ich gelesen dass du noch geweint weil du nicht wusstest wie's weitergeht.

01:11:00: an deinem sechzigsten Geburtstag warst du so gut wie Schuldenfreiheit.

01:11:03: das muss man erst mal.

01:11:04: das ist da hast du gekämpft ja und Hast damit auch einen cut gemacht hast angefangen eine andere art von bruch zu schreiben.

01:11:12: Wie würdest du selbst benennen, was du da jetzt machst und was du auch sehr erfolgreich machst?

01:11:17: Ich glaube schon wieder zwölf Millionen Bücher verkauft seitdem.

01:11:21: Ja es ist ein ganz anderes Genre im Vergleich zu einer Sängerin.

01:11:26: eine junge Supranistin würde leichte Rollen singen, Kolleratur irgendwas Und wenn sie dann in der schwere Fach kommt wie zum Beispiel Anna Netrebko dann singt die Wagner oder Verdi also das schwere Schicksalsfach.

01:11:41: Und jetzt wieder zurück zu mir.

01:11:42: Also ich habe früher die leichten, heiteren Frauenromane Schublade auf Schublada wieder zugeschrieben und jetzt schreibe ich wahre Schicksale, die oft so schwer sind dass man beim Lesen auch weinen muss.

01:11:58: Also früher haben die Leute gelacht beim lesen und jetzt weint man weil es ja Kriegsschicksale sind oder Flucht-Schicksale oder häusliche Gewalt.

01:12:10: Wenn du mich fragst, was ich gerade schreibe – das erscheint erst im Jahr.

01:12:14: Das bringt jetzt gar nichts.

01:12:15: Aber ich bin grad schon wieder in so einem schweren Schicksal drin!

01:12:18: Man muss vielleicht dazu sagen ... Das klingt jetzt entschuldigend, wenn ich das so sage... Es ist nicht die beste Werbung in eigener Sache, weil zu sagen man muss es lesen und die ganze Zeit weinen.

01:12:30: Weil das Leben ist grade zum Wein.

01:12:32: Alles, was man momentan liest und sieht, ist irgendwie zum Weinen.

01:12:37: Sollte man noch hinzufügen, dass du diese Geschichte mit den Menschen meist Frauen, denen das passiert ist.

01:12:45: Den wirklich schwere Schicksalsschläge passiert sind.

01:12:50: Die schreiben dir und du triffst dich dann mit ihnen aber ... Du garnierst ja!

01:12:55: Du erzählst diese Geschichte.

01:12:56: es gibt auch viele heitere und unterhaltsame Parts also das sind ja schon auch Romane bei denen man jetzt nicht die ganze Zeit weinen muss sonst würden glaube ich nicht so viele Menschen sie kaufen.

01:13:08: Aber es wird mir ja ganz oft zurückgespiegelt.

01:13:13: Jetzt bin ich so dankbar für das, was ich habe nachdem ich das gelesen hab wie dieser Frau gegen die zum Beispiel nach Sibirien verschleppt wurde und im Arbeitslager acht Kinder bekam Und bei minus thirty-five Grad Bäume fällen musste den ganzen Tag.

01:13:27: Die mit allen Kindern später über Kazakhstan, wo sie noch mal zwölf Jahre im russischen, im sowjetischen System leben musste es geschafft hat die alle in die Bundesrepublik zu bringen.

01:13:38: Ich glaube zwei sind gestorben.

01:13:39: Zwei

01:13:40: sind geschworen du bist ja wirklich super informiert.

01:13:42: das war zum Beispiel eines.

01:13:44: oder jetzt diese fünflingsmutter

01:13:47: Das ist das aktuelle

01:13:48: Buch, die

01:13:48: Löwenmutter.

01:13:50: Die einfach fünflinge kriegt von denen nur ein einziges Kind keinen Förderbedarf hat.

01:13:55: D.h.,

01:13:55: alle anderen waren gehandicapt oder behindert.

01:13:59: Oder

01:13:59: sterben dann auch?

01:14:01: Und dann geht ihre Ehe in die Brüche und dann kriegt sie noch eine Tochter und fängt wieder neu an.

01:14:06: Also es sind wirklich so Geschichten wo du denkst, boah!

01:14:11: Ich bin gerade sehr dankbar für ... doch habe und wie es mir doch geht.

01:14:16: Und meine Probleme relativieren sich.

01:14:19: beim Lesen, und da hast du jetzt eben was angesprochen ich ja von Natur aus ein sehr heiteres humorvolles Gemüt habe gelingt es mir tatsächlich in die schwersten Geschichten doch noch Situationen reinzuschreiben wo man auch wieder lachen muss So dass sie wirklich einen Unterhaltungswert haben und man nicht denkt, boah jetzt will ich überhaupt nicht mehr weiter leben.

01:14:40: Das Buch ist so schlimm sondern man schöpft tatsächlich Kraft

01:14:43: raus.

01:14:43: Es ist im Grunde die perfekte Symbiose kann ich mir auch vorstellen für dich als Autorin.

01:14:48: das soll jetzt wirklich völlig wertneutral klingen.

01:14:51: aber es ist natürlich toll wenn du selbst beliefert wirst von außen mit Geschichten die du dir nicht ausdenken musst.

01:14:59: in dem Sinne oder was heißt ja auch immer das Leben schreibt die besten geschichten und so ist es ja auch Menschen, die sich veranlasst fühlen dir zu schreiben müssen dir zwanzig Seiten.

01:15:09: Müssen sie runter schreiben ungefähr damit du auch weißt so und wenn du dann das Gefühl hast Das ist es würdest du sagen kannst du sagen ein buch von hundert einen von zweieinhalb.

01:15:21: Wie

01:15:22: viel?

01:15:22: Dann finde ich einen volltreffer der mein herz berührt Ist wie schockverliebt.

01:15:26: dann will ich diese personen kennenlernen dann will Ich bei der zu hause sitzen und alle ihre fotos durchgucken und so.

01:15:32: dann hat's mich gepackt Und dann wird es auch ein Besteller.

01:15:36: Also heute zum Beispiel auf dem Hinflug hierher habe ich fünf Geschichten gelesen, die mir alleine heute geschickt wurden und ich werde die Absagen sehr liebevoll und wertschätzend formulieren.

01:15:48: aber... Der Funke ist nicht gesprungen.

01:15:51: Und da sind so viele Punkte, die stimmen müssen um eben eine große Leserschaft auch zu begeistern und eben dranzubehalten.

01:15:59: Fünfhundert Seiten lang!

01:16:01: Also man muss sich das vielleicht oder korrigieren meine diese Metapher also wie ein Fisch Skelettvorstehen oder so Gräten und das Fleisch sozusagen drumrum.

01:16:11: Da kommen dann nur.

01:16:12: da sind die Dialoge, wo dann auch die Protagonistinnen wahrscheinlich hin und wieder schlucken müssen weil das ist dann dein Part?

01:16:20: Das ist der unterhaltsame Part.

01:16:26: Erfunden, Klamotten,

01:16:27: Situationen, Umgebungen

01:16:29: und so weiter.

01:16:30: Deswegen will

01:16:30: ich gerne Fotos sehen.

01:16:31: was hatten die an?

01:16:32: Jetzt habe ich gerade den Kontakt mit der jetzt vierundachtzigjährigen Marga Die mir ihre Liebesgeschichte aus den sechziger Jahren geschickt hat Und ich war nervös.

01:16:41: wie findet sie es?

01:16:42: Ich hab Dialoge erfunden, ich hab Streits erfunden Und dann schreibt sie mir heute Morgen zurück.

01:16:48: Ich hab mich die ganze Nacht kaputt gelacht, ich war wieder jung!

01:16:51: Ich war wieder unbeschwert... Du führst mich zurück in meine Jugend und ich bin wieder verliebt und danke.

01:16:58: und da denke ich Boah, ich mach's richtig!

01:17:01: Ist ja auch win-win.

01:17:02: also das hier auch glaube ich zugleichen Teilen davon profitiert.

01:17:05: Also auch die Protagonisten geben jetzt nicht einfach ihre Geschichte ab sondern werden natürlich Hoffentlich denke ich mal fair daran beteiligt.

01:17:13: Kriegen

01:17:14: einen wunderbaren Vertrag mit meinem Verlag übrigens, sodass das gar nicht zwischen uns steht und wir beide sind immer nur produktiv und kreativ und der Verlag lädt sie ein auf einen schönen Vertrag.

01:17:27: Wir haben jetzt nicht mehr viel Zeit.

01:17:28: eine letzte Frage habe ich noch an dich was lässt Menschen?

01:17:32: kann man das überhaupt so beantworten?

01:17:34: Was lässt Menschen weitermachen?

01:17:37: Was führt dazu, dass Sie die Hoffnung nicht verlieren?

01:17:40: Denn die Geschichten, die du runtergeschrieben hast und denen du begegnest, klingen so.

01:17:46: Ich weiß nicht ob ich das ausgehalten hätte oder noch leben würde, wenn mir das so passiert wäre.

01:17:51: Was rettet Menschen, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen eigentlich?

01:17:55: Ist es der Glaube?

01:17:57: Bei manchen ist es der Glaube.

01:18:00: Viele sind Mütter und leben für ihre Kinder weiter.

01:18:02: Das ist mir auch so gegangen.

01:18:05: natürlich wenn sie das unglaubliche Glück haben ihre Liebe zu finden, dann kann man sich natürlich immer anlehnen an eine Schulter und gemeinsam durch schwere Zeiten gehen.

01:18:15: Es ist auch oft Veranlagung eine gewisse Resilienz dass in gewissen Zeiten die Menschen einfach so gepanzert waren um ihre Seele so gepanzt hat, dass sie das einfach durchgestanden haben Und ich kann Sie nur bewundern.

01:18:30: und bei mir wächst die Dankbarkeit und die Demut Wobei ich das Wort Demut immer blöd finde, weil das so katholisch ist.

01:18:38: Aber es ist wirklich so gemeint dass ich merke boah!

01:18:42: Ich habe einen riesen Respekt vor meinen Protagonistinnen und Protagonisten waren auch Männer dabei.

01:18:48: So wir sind durch.

01:18:49: liebe Herrer Es war schön dich geduzt zu haben.

01:18:52: Wir gehen raus.

01:18:53: mit Womit denn eigentlich?

01:18:55: Ja,

01:18:55: mit Trio Klangkunst.

01:18:56: Ach

01:18:56: ja natürlich!

01:18:57: Mit dem Trio klangkuns once in a while...

01:19:00: Das sind drei Damen die alle wie ich Gesang studiert haben Die eine bei meiner Mutter und ich bei der Mutter von den anderen.

01:19:08: Ich hab sie noch als kleine Kinder kennengelernt Und Sie singen so wunderschön und dieses once-in-a-while es bringt mich zum weinen.. Ich glaube das hat die Kelly Family gesungen, das wusste ich überhaupt nicht.

01:19:17: Aha Es geht aber jetzt wirklich um das Trioklangkunst und die begleiten mich wenn ich Lesungen mache Und da bleibt kein Auge trocken.

01:19:25: Verlosen wir eigentlich drei Exemplare?

01:19:27: Unbedingt!

01:19:27: Find ich ja, ne?

01:19:28: Gut und dazu muss man dann eine Frage beantworten.

01:19:31: Wir sind dann auch wirklich durch...

01:19:33: Ja, ich habe eine ganz tolle

01:19:34: Frage.

01:19:34: Ich

01:19:34: hab die Frage aller Fragen.

01:19:36: Mit welchem Wort beginnen alle meine Zweiundfünfzig Romane?

01:19:41: Ich weiß es, ich würde einen Roman gewinnen.

01:19:44: Schicken Sie die vermeintlich richtige Lösung an hörbaratradioeins.de.

01:19:49: Schreiben sie bitte auch Ihre Telefonnummer und Ihre Adresse in die E-Mail!

01:19:53: So

01:19:53: das war's liebe Herrera.

01:19:54: Danke.

01:19:55: Weiterhin viel Freude und viel Spaß bei dir was du da machst.

01:19:59: Kann nicht mehr zurückgeben.

01:20:00: Tschüss.

01:20:12: Das war der Podcast der Radiosendung Hörbar Rust.

01:20:17: Wir hoffen, dass es Ihnen gefallen hat.

01:20:18: Wenn Sie möchten, Sie können ihn abonnieren!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.